Moderne Sklaven Lehrer

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit nach Matura und Bundesheer, wo ich ehemalige Klassenkollegen wieder traf, um mich mit ihnen auszutauschen, was ‘denn du jetzt so machst…?’. Und da waren zwei Personen aus meiner ehemaligen Klasse dabei, die plötzlich erzählten, dass sie auf Lehramt studieren. Ich war alleine darüber schon schockiert, weil ich derlei Ambitionen von diesen beiden Personen noch nie zuvor gehört hatte.

Dann fragte ich noch, welche Fächer denn… ‘Biologie und Mathe’ war eine Antwort. Einen Augenblick lang zurückdenkend an die Motivation und die Begeisterung der Person für die beiden Fächer in den letzten Jahren die wir gemeinsam die Schulbank gedrückt hatten, schaute ich wie der sprichwörtliche Autobus.

Auf die Frage ‘und wieso?’, kam der absolute Overkill, nämlich die Antwort ‘Naja, so… weiß auch nicht, was ich sonst machen soll… und die Ferien sind sicher auch leiwand… so jeden Sommer frei’

Gut, das ist natürlich ein Einzfall, ein Beispiel, von dem man generell einmal nicht auf die Gesamtheit schließen könnte. Aber es ist ein interessantes Einzelbeispiel – anhand dessen ich Sie auffordere, einmal an Ihre eigenen Lehrer zurückzudenken und sich die Frage zu stellen: Wie viele davon kamen Ihnen so vor, als wären sie a) bei weitem keine Experten ihres Gebiets, b) in keiner Art und Weise zu einer pädagogischen Tätigkeit mit Kindern berufen und c) am motiviertesten, wenn es ums Nichts-tun geht? Denken Sie mal kurz darüber nach… interessant, nicht?

Was mir in den letzten Tagen auch immer durch den Kopf geht, ist die Selbsteinschätzung der Arbeitsleistung der Menschen. Können Sie sich erinnern, wann Ihnen zuletzt jemand, ein Kollege in ihrer eigenen Arbeit, ein Bekannter, ein Freund oder sonstjemand, erzählt hat, dass er das Gefühl hat, ehrlicherweise verdiene er zu gut und arbeite zu wenig für ein derartiges Gehalt?

Das Erste was jeder macht ist schreien, dass mehr einfach nicht geht. ‘Was soll ich nicht noch alles?’, ‘Wie stellen sich die das vor?!’, ‘Die glauben alle das ist so einfach…’, und so weiter, und so fort… ‘Werden’s eh sehen, dass es dann nimmer geht’ hab ich fast vergessen.

Klar, niemand will zugeben, oder eingestehen, oder gar den Gedanken aufkommen lassen, er sei überbezahlt und überpriviligiert – denn sonst kämen andere auf die Idee, diesen Umstand zu ändern. Also ist das Wichtigste einmal primär, die Unzumutbarkeit der eigenen Arbeitssituation lautstark und regelmäßig kund zu tun, damit es auch niemand vergisst. Meistens wird darüber in einer der fünfzehn bis zwanzig Kaffee- und Zigarettenpausen am Tag gesprochen.

Lehrer arbeiten am Limit, sie stehen eigentlich alle kurz vor dem Burnout, sie haben zwar nur 20 Unterrichtsstunde in der Schule, aber die müssen sie ja vor- und nachbereiten, was die Arbeitszeit dann mindestens auf 60 pro Woche erhöht, plus natürlich ist die psychische Belastung eigentlich eine Form moderner Folter, da sie tagtäglich quasi mit unverbesserlichen, pathologisch gemeingefährlichen, psychopathisch vorbelasteten Schwerstverbrechern zu tun haben (früher haben wir dazu Kinder gesagt), die von niemandem kontrolliert werden könnten und um derer Herr zu werden Lehrer eigentlich zum Schusswaffengebrauch ermächtigt werden müssten.

Kommt das so in etwa hin? Das Bild, das uns da Betroffene und Verfechter der Lehrerseite in den letzten Tagen zeichnen wollen? Ich würde schon sagen, dass ich es ganz gut getroffen habe. Aber ich zeichne mal ein bisschen ein Anderes…

Lehrer arbeiten am Limit, und zwar am unteren. Sie haben am Anfang ihrer Laufbahn ein Konzept entwickelt, das da heißt: ‘Lehrbuch hernehmen, Seiten 31-35, kurz abbesprechen, lästige Fragen erklären, in dem man nochmal den Absatz von gerade eben vorliest, rausgehen, zwei Mal im Jahr den Test mit den selben Fragen aus dem Jahre 1994 (fairerweise hat sich über die Barockzeit zwischen 1994-2013 nicht mehr viel Neues ergeben), Ferien, ole ole’ und das ziehen sie durch. Manche haben Hausübungsfächer, wie Mathematik. Falls es nicht klar sein sollte – die lassen sich schablonenartig kontrollieren und die Aufgabenstellung gibt’s in vorgefertigten Büchern. Welcher Lehrer nicht schlau genug ist, sich davon eines zu checken – sskm. Franz Kafkas ‘Die Verwandlung’ hat sich, trotz des Titels, seit Fertigstellung nicht wirklich verwandelt und entsprechend sind die Buchbesprechungen kein allzu vor- und nachbereitungswürdiges Unterfangen für die Lehrkraft. Schularbeiten sind sicher, gerade in Sprachfächern, eine Herausforderung, aber so what, das ist die Inventur und der Jahresabschluss in anderen Jobs auch – PLUS, Lehrer haben eine 20-22 Std. Woche. Das ist fast nur die Hälfte (!!) an Arbeitszeit eines Vollzeit-Arbeitenden, wo ja auch nicht jeder beim Ertönten der Fabriksglocke das Werkzeug fallen lassen und nach Hause gehen kann.

Die Fachkompetenz vieler Lehrkräfte in ihren Gebieten lässt dermaßen zu wünschen übrig, dass die Schüler sie kaum noch ernst nehmen können, wenn sie in 10 Sekunden über ihr Smartphone herausfinden, dass die Info, die ihnen die ‘Respektsperson’ da vorne erklärt falsch, veraltet oder umstritten ist und jene Person es nicht einmal weiß. Unterrichtsmaterialien? Overhead-Folien von vor 10, 20 Jahren? In einer Zeit von Powerpoint, HTML 5.0 und Flash? Nett.

Der Lehrjob müsste eigentlich eine Wahnsinnsaufgabe sein, ja. Eigentlich müsste er Herz, Seele und volle Hingabe einer Person verlangen und damit dann den vollsten Respekt der Gesellschaft verdienen. (Und es gibt vereinzelt Ausnahmen, die das auch leben)

Die Realität ist aber viel öfter, dass Lehrkräfte eine ruhige Kugel schieben, durch mangelnde pädagogische und fachliche Kompetenz vor einer Horde unterforderter, und dadurch unaufmerksamer, Kinder stehen, die ihre Grenzen gerade austesten und von solchen Lehrkräften keine bekommen können und dass der Frust bei den Lehrern selbst, bei den Kindern, bei den Eltern und der Gesellschaft sowie der Politik steigt.

Der Job des Lehreres gehört aufgewertet. Wesentlich mehr Bezahlung, mehr Platz in den Konferenzzimmern, bessere Unterrichtsmaterialien und -möglichkeiten, ja – aber genauso wie wesentlich härtere Ausbildungs- und dramatisch höhere Kompetenzanforderungen, einschneidend vertiefte pädagogische Ausbildung, unangekündigte Überprüfungen der sozialen, fachlichen und pädagogischen Kompetenzen und verpflichtende Fortbildung in neuen Medien und deren Strukturen.

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Loch und Löcher noch und nöcher

Es war diesen Sommer am Rathausplatz, als am Nebentisch ein Vater mit seinem kleinen Jungen neben uns saß. Der Mann stand auf, um etwas zu essen zu holen und ließ den Jungen am Tisch zurück. Alleine. Mit einer Flasche Cola. Das ging ungefähr anderthalb Minuten gut. Dann fuchtelte der gelangweilte Junge umher, schmiss die Colaflasche um und sah sie schockiert an. Nachdem die Hälfte der Flasche auf dem Tisch verteilt war und er sich aus dem Schock gefangen hatte, stellte er sie wieder auf und starrte die Flasche weiter panisch an.

Dann kam der Vater wieder und starrte die Flasche, und die große Lacke Cola am Tisch, ebenfalls an. Doch dann kam der interessante Teil. Der Sohn hatte eine sensationelle Taktik. Er blickte den Vater mit einem Blick an, der zu sagen versuchte: „Was ist denn?“ und tat so, als wäre die Flasche gar nicht verschüttet… und als würde hier einfach kein Cola am Tisch schwimmen. Ich konnte mich kaum halten vor Lachen.

Doch der Vater durchschaute das, zugegebenermaßen sensationelle, Manöver des Sohnes und deutete auf den Cola-See am Tisch. Der Sohn war plötzlich völlig verblüfft, schaute auf die Lacke und tat so, als ob er ebenso erstaunt darüber wäre, wie der Vater. (Man muss sagen, die beiden waren Touristen und ich verstand kein Wort – brauchte ich aber auch nicht) Die Kernessenz der nächsten Minuten war, dass eines klar war: Er, der Sohn, hatte das Getränk auf jeden Fall nicht verschüttet.

Und ich erinnere mich auch noch daran, wie ein guter Freund von mir großzügig meinte zu mir: „Herst, ich lad dich ein auf a Runde… hol ma uns a Bier.“ Wir gehen zur Theke, er bestellt die Biere und als die Kellnerin den Preis nennt, erstarrt er kurz, dreht sich mit hochrotem Kopf zu mir rüber und sagt: „Ahm… ich hab ka Geld einstecken, kannst du zahlen?!“

Die erste Geschichte hat glaube ich doch viel Ähnlichkeit mit der aktuellen Budgetloch-Situation. Erstens, die aktuelle Regierung war’s nicht (Obwohl es nur sie gewesen sein kann). Zweitens, es ist gar nicht so (Obwohl es doch so ist). Drittens, ist es ihr unerklärlich, wie es dazu kommen konnte. (Obwohl es ja gar nicht so ist). Man hat mit alten Zahlen gerechnet, wo es eigentlich Neuere gegeben hätte. Man hat geglaubt, man hätte alles beglichen, hat es aber nicht. Die Hypo wird noch Unzähliges kosten, die Pensionen schlagen sich auch noch mit netten 8,7 Milliarden Euro zusätzlich zu Buche. Insgesamt fehlen, je nach Berechnungsmethode (wie geil, dass man das unterschiedlich berechnen kann und auf einen Unterschied kommt von:) 24,2 Milliarden oder, anders berechnet, 31,3 Milliarden Euro. (Man müsste sich aus Prinzip in den Fuß schießen, nur um ein Zeichen gegen so eine Verarsche zu setzen!) Und ein gewisser Herr Pühringer fordert zur Aufklärung einen Kassasturz. (Verdammt, ich hab mir ja schon in den Fuß geschossen, was jetzt?!?!?)

Einen K a s s a s t u r z… das ist das, was eine neue Regierung macht, wenn sie das Finanzressort von einer fremden Partei übernimmt, die nicht mehr im Amt ist. Damit sie eine Aufstellung darüber hat, was die eigentlich die letzten fünf Jahre gemacht haben.

Pühringer ist von der ÖVP.

Die hatten ja (!) das Finanzministerium die letzten fünf Jahre.

Gut, fairerweise hatte es Maria Fekter inne, das heißt also, dort kann alles und nichts passiert sein. (Offenbar ein bisschen was von beidem.) (Also quasi ‘etwas’) Aber einen Kassasturz fordern ist trotzdem ein derart starkes Stück, dass es fast schon wieder Unterhaltungswert hat. (Wenn man die Fassungslosigkeit über diese Huzpe mal überwunden hat)

Die zweite Geschichte, die ich ihnen erzählt habe, da glaube ich, gibt es einen gewaltigen Unterschied. Ich glaube meinem Freund nämlich, dass er tatsächlich, wie er im Nachhinein mehrfach beteuert hat, nicht gewusst hat, dass er kein Geld einstecken hat. Ich glaube der Regierung aber nicht, dass sie vor der Wahl nicht gewusst hat, dass sie für all ihre Versprechungen kein Geld haben werden. Gelockt haben sie uns beide, mein Freund mit der Aussicht auf ein Bier (und das ist ein absolut funktionstüchtiger Lockvogel), die Regierung mit Steuersenkungen, mehr Familienbeihilfe, etc. In beiden Fällen kam dann raus ‘Ups, kein Geld… zahlst du?’, nur hatte ich bei meinem Freund wenigstens das Gefühl, dass er sich geniert. Bei unseren Politikern hat man den Eindruck, dass sie sich völlig selbstzufrieden in den Spiegel schauen, nachdem sie uns diese Nachrichten überbringen (statt sich eigentlich akut anzuspeiben wenn sie sich selbst sehen)

Wenn man seinen Freund bestrafen will für seine Lockaktion mit einer Einladung, die dann in einer durch einen selbst bezahlten Runde endet, kann man ihn das nächste Mal einfach zwei Runden bezahlen lassen.

Wenn man sich solche Verbrechen wie die der aktuelle Regierung nicht mehr gefallen lassen will… kann man andere Parteien wähl… kann man… demonstr… könnte man vielleicht eine eigene Part… muss man wohl auswandern.

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