Loch und Löcher noch und nöcher

Es war diesen Sommer am Rathausplatz, als am Nebentisch ein Vater mit seinem kleinen Jungen neben uns saß. Der Mann stand auf, um etwas zu essen zu holen und ließ den Jungen am Tisch zurück. Alleine. Mit einer Flasche Cola. Das ging ungefähr anderthalb Minuten gut. Dann fuchtelte der gelangweilte Junge umher, schmiss die Colaflasche um und sah sie schockiert an. Nachdem die Hälfte der Flasche auf dem Tisch verteilt war und er sich aus dem Schock gefangen hatte, stellte er sie wieder auf und starrte die Flasche weiter panisch an.

Dann kam der Vater wieder und starrte die Flasche, und die große Lacke Cola am Tisch, ebenfalls an. Doch dann kam der interessante Teil. Der Sohn hatte eine sensationelle Taktik. Er blickte den Vater mit einem Blick an, der zu sagen versuchte: „Was ist denn?“ und tat so, als wäre die Flasche gar nicht verschüttet… und als würde hier einfach kein Cola am Tisch schwimmen. Ich konnte mich kaum halten vor Lachen.

Doch der Vater durchschaute das, zugegebenermaßen sensationelle, Manöver des Sohnes und deutete auf den Cola-See am Tisch. Der Sohn war plötzlich völlig verblüfft, schaute auf die Lacke und tat so, als ob er ebenso erstaunt darüber wäre, wie der Vater. (Man muss sagen, die beiden waren Touristen und ich verstand kein Wort – brauchte ich aber auch nicht) Die Kernessenz der nächsten Minuten war, dass eines klar war: Er, der Sohn, hatte das Getränk auf jeden Fall nicht verschüttet.

Und ich erinnere mich auch noch daran, wie ein guter Freund von mir großzügig meinte zu mir: „Herst, ich lad dich ein auf a Runde… hol ma uns a Bier.“ Wir gehen zur Theke, er bestellt die Biere und als die Kellnerin den Preis nennt, erstarrt er kurz, dreht sich mit hochrotem Kopf zu mir rüber und sagt: „Ahm… ich hab ka Geld einstecken, kannst du zahlen?!“

Die erste Geschichte hat glaube ich doch viel Ähnlichkeit mit der aktuellen Budgetloch-Situation. Erstens, die aktuelle Regierung war’s nicht (Obwohl es nur sie gewesen sein kann). Zweitens, es ist gar nicht so (Obwohl es doch so ist). Drittens, ist es ihr unerklärlich, wie es dazu kommen konnte. (Obwohl es ja gar nicht so ist). Man hat mit alten Zahlen gerechnet, wo es eigentlich Neuere gegeben hätte. Man hat geglaubt, man hätte alles beglichen, hat es aber nicht. Die Hypo wird noch Unzähliges kosten, die Pensionen schlagen sich auch noch mit netten 8,7 Milliarden Euro zusätzlich zu Buche. Insgesamt fehlen, je nach Berechnungsmethode (wie geil, dass man das unterschiedlich berechnen kann und auf einen Unterschied kommt von:) 24,2 Milliarden oder, anders berechnet, 31,3 Milliarden Euro. (Man müsste sich aus Prinzip in den Fuß schießen, nur um ein Zeichen gegen so eine Verarsche zu setzen!) Und ein gewisser Herr Pühringer fordert zur Aufklärung einen Kassasturz. (Verdammt, ich hab mir ja schon in den Fuß geschossen, was jetzt?!?!?)

Einen K a s s a s t u r z… das ist das, was eine neue Regierung macht, wenn sie das Finanzressort von einer fremden Partei übernimmt, die nicht mehr im Amt ist. Damit sie eine Aufstellung darüber hat, was die eigentlich die letzten fünf Jahre gemacht haben.

Pühringer ist von der ÖVP.

Die hatten ja (!) das Finanzministerium die letzten fünf Jahre.

Gut, fairerweise hatte es Maria Fekter inne, das heißt also, dort kann alles und nichts passiert sein. (Offenbar ein bisschen was von beidem.) (Also quasi ‘etwas’) Aber einen Kassasturz fordern ist trotzdem ein derart starkes Stück, dass es fast schon wieder Unterhaltungswert hat. (Wenn man die Fassungslosigkeit über diese Huzpe mal überwunden hat)

Die zweite Geschichte, die ich ihnen erzählt habe, da glaube ich, gibt es einen gewaltigen Unterschied. Ich glaube meinem Freund nämlich, dass er tatsächlich, wie er im Nachhinein mehrfach beteuert hat, nicht gewusst hat, dass er kein Geld einstecken hat. Ich glaube der Regierung aber nicht, dass sie vor der Wahl nicht gewusst hat, dass sie für all ihre Versprechungen kein Geld haben werden. Gelockt haben sie uns beide, mein Freund mit der Aussicht auf ein Bier (und das ist ein absolut funktionstüchtiger Lockvogel), die Regierung mit Steuersenkungen, mehr Familienbeihilfe, etc. In beiden Fällen kam dann raus ‘Ups, kein Geld… zahlst du?’, nur hatte ich bei meinem Freund wenigstens das Gefühl, dass er sich geniert. Bei unseren Politikern hat man den Eindruck, dass sie sich völlig selbstzufrieden in den Spiegel schauen, nachdem sie uns diese Nachrichten überbringen (statt sich eigentlich akut anzuspeiben wenn sie sich selbst sehen)

Wenn man seinen Freund bestrafen will für seine Lockaktion mit einer Einladung, die dann in einer durch einen selbst bezahlten Runde endet, kann man ihn das nächste Mal einfach zwei Runden bezahlen lassen.

Wenn man sich solche Verbrechen wie die der aktuelle Regierung nicht mehr gefallen lassen will… kann man andere Parteien wähl… kann man… demonstr… könnte man vielleicht eine eigene Part… muss man wohl auswandern.

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