Wir brauchen die U.S.E.

Ich habe mir letztens erst ‘300 Rise of an Empire’ angesehen (fragen Sie mich nicht, warum ich die deutsche Groß- und Kleinschreibung auf einen englischen Titel anwende, es sieht einfach besser aus für mich) – abgesehen davon, dass ich danach sofort Schwertkampf lernen wollte und unmittelbar in die Muckibude gefahren bin, habe ich natürlich auch ein bisschen über den Film nachgedacht. Es geht um die griechischen Stadtstaaten, die ihren eigenen Interessen folgen und deshalb einer Übermacht nicht gewachsen sind.

Wie treffend. Wir leben heute im 21. Jahrhundert. Das persische Reich gibt es nicht mehr. Das Russische, in seiner ehemaligen Größe, auch nicht mehr. Oder sollte ich vielleicht lieber sagen noch wieder nicht? (Ja, das ist korrektes Deutsch) (Wirklich)

Die Russen annektieren ein für sie strategisch interessantes Gebiet, besetzen es, und ziehen innerhalb von nur wenigen Wochen eine feindliche Übernahme durch. Unter den Augen der westlichen Welt. Die vollkommen tatenlos zusieht.

Vollkommen tatenlos?! Oh, Verzeihung, nein… es sind Sanktionen verhängt worden. Gegen Politiker und einflussreiche Russen. Kontosperren in Europa. Und Einreiseverbote. Diese Sanktionen klingen so konsequenzenlos wie die Drohung der Mutter an ihr Kind ‘Wenn du dich nicht benimmst, dann geh ich vor zum Piloten und der dreht den Flieger wieder um und wir fliegen nach Hause!’ Russland ist sogar so wenig davon beeindruckt, dass es weitere Annexionen auf ukrainischem Gebiet nicht ausschließt.

Und was macht die EU? Wie setzt sich die EU ein für ein Land, dass monatelang dafür gekämpft hat, dass es vielleicht einmal in die Gemeinschaft aufgenommen wird? Dessen Bürger auf die Straße gingen und dort mit allen Mitteln kämpften, nur um die Möglichkeit zu erhalten, eine Annäherung zur EU zu erwirken!

Naja, es ist schwierig… einige Länder beziehen ihre Gasvorräte zu 100% aus Russland, Wirtschaftssanktionen schwierig. Andere Länder sind wieder einfach generell nicht an einem Wirtschaftskrieg interessiert. Die nächsten sind für härtere Maßnahmen,die übernächsten für weichere, die dritten für gar keine. Und so wird endlos diskutiert und um eine einheitliche Linie gerungen. Vielleicht so lange, bis von der Ukraine schon die Hälfte zu Russland gehört.

Wie soll denn Russland so einen Haufen Eigeninteressensvertreter ernst nehmen, die sich nicht einmal in einer politischen Krise schnell, effizient und geschlossen auf ein Maßnahmenpaket einigen können?

Ach, die Ukraine interessiert Sie gar nicht? Sie denken, was gehen mich die Ukrainer an? Sollen die Russen sich halt nehmen was sie brauchen, ich sitze hier im sicheren Österreich, warum sollen wir uns da überhaupt einmischen?

Nun, lieber Kronen-Zeitung-Leser und FPÖ-Wähler, erstens hoffe ich, dass sie die Grundproblematik erkennen in einer Welt zu leben, in der sich angeblich zivilisierte Demokratien von anderen Demokratien einfach nehmen was sie brauchen – ganz schnell wird das zivilisiert wegfallen. Aber um es auch auf ihre Welt umzulegen, das Problem, dass die EU zu wenig Macht hat und zu divers ist, ist auch Schuld daran, dass Sie zu viele Steuern zahlen, zu viel arbeiten, und die Banker und Manager tun und lassen können was sie wollen.

Was hielten Sie denn von einer gesetzlich festgelegten 30-Stunden-Arbeitswoche? Einer Schließung der erzwungen Überstundenschlupflöcher? Einem Verbot von freien Dienstnehmerverhältnissen? Einem Ende der modernen Sklaverei, auferlegt durch die Wirtschaftsdiktatur? Einer verpflichtenden Gewinnabgabe von Großkonzernen in der Höhe von 20% ab einem Jahresgewinn von 1 Million Euro? Einer Finanzmarktaufsicht, die tatsächlich regulierende und strafende Bemächtigungen besitzt? Einer echten, tatsächlich eingehobenen Finanztransaktionssteuer?

Dies sind nur ein paar Beispiele, wie sich unsere Arbeitswelt verbessern könnte, wie wir mehr Geld in der Tasche hätten und weniger davon an den Staat abführen müssten. Aber warum setzt sie niemand um? Weil sich die Politiker nur für ihr eigenes Wohl interessieren, und nicht für unseres?

Nun, das mag sein – aber glauben Sie mir, der Politiker, der diese Maßnahmen umsetzt, erhält die nächsten 30 Jahre die absolut Mehrheit. Das wäre in seinem Interesse.

Aber warum macht es dann keiner? Nun, zur Abwechslung mal tatsächlich,weil es noch nicht geht. Solche Gesetze werden auf nationaler Ebene beschlossen. Und für jeden gemeinsamen Konsens muss monate-, sogar jahrelang gerungen werden. Die Finanztransaktionssteuer kommt unter anderem nicht, weil Großbritannien sich dagegen wie wahnsinnig wehrt. Ein einzelnes Land, oder zwei oder drei, können keine dieser antikapitalistischen Gesetze beschließen, denn dann wandern ihnen die Konzerne ab und sie verarmen.

Österreich alleine, liebe FPÖ-Wähler, hat keine Chance mehr, irgendwas am internationalen Wirtschaftsmarkt zu beeinflussen. Würden wir Arbeitszeit reduzieren und Überstunden kürzen und Gehälter nach oben schrauben und Gewinne von Konzernen mehr besteuern, wir hätten eine Arbeitslosenquote von 80%. Die Firmen würden gehen, es würde keinerlei Produktion mehr bei uns stattfinden, die Kaufkraft würde sinken und damit würden noch mehr Firmen gehen und wir wären in der Steinzeit.

Weil wir nur ein Absatzmarkt von 8 Millionen sind. Aber wenn die EU sich endlich vereinigt, endlich wegkommt, von diesem Wirtschaftsbündnis, hin, zu einem Bündnis für die Menschen, dann möchte ich das Unternehmen sehen, möchte ich den Konzern sehen, der sich einen Absatzmarkt von einer halben Milliarde Menschen entgehen lässt. Einer halben Milliarde kaufkräftiger Menschen, die den dreifachen Reichtum von 2,3 Milliarden Chinesen und Indern gemeinsam besitzen.

Ich will auch sehen, wie Russland sich einfach so mit den USE, den vereinigten Staaten von Europa, anlegt, wenn sie sofort, entschieden und entschlossen reagieren, mit einer Stimme, mit einer Wirtschaftsmacht, mit einem Militär.

Der einzige Weg für Europa, sei es global gesehen, oder für jeden Einzelnen von uns, um in Zukunft zu bestehen, aber sie auch besser für uns zu gestalten, lebenswerter zu machen, und die Wirtschaftstyrannei aufzubrechen und zu beenden, ist der Zusammenschluss der europäischen Staaten zu einer großen Nation.

Doch solange die Kronen-Zeitung-Leser und die FPÖ-Wähler mit ihrer Meinung vorherrschen, dass ‘uns des jo nix augeht’, und ‘wir suiten bessa neutral bleib’m, wia de Schweiz, weu fia de rennt’s jo a supa’, und ‘wos interessiert mi da Ukraina oda da Franzos oda da scheiß Grieche? De suin iwa mi mitbestimma?!?’, solange dieses blanke Unverständnis der zukünftigen Herausforderungen herrscht und dieses nationalistische Gedankengut ‘mia san mia, und der Rest sui verreckn’… verzeihen Sie, ich habe fehlformuliert… ‘so’ ‘lange’ wird es dann schon nicht sein…!

Standard