Wir brauchen die U.S.E.

Ich habe mir letztens erst ‘300 Rise of an Empire’ angesehen (fragen Sie mich nicht, warum ich die deutsche Groß- und Kleinschreibung auf einen englischen Titel anwende, es sieht einfach besser aus für mich) – abgesehen davon, dass ich danach sofort Schwertkampf lernen wollte und unmittelbar in die Muckibude gefahren bin, habe ich natürlich auch ein bisschen über den Film nachgedacht. Es geht um die griechischen Stadtstaaten, die ihren eigenen Interessen folgen und deshalb einer Übermacht nicht gewachsen sind.

Wie treffend. Wir leben heute im 21. Jahrhundert. Das persische Reich gibt es nicht mehr. Das Russische, in seiner ehemaligen Größe, auch nicht mehr. Oder sollte ich vielleicht lieber sagen noch wieder nicht? (Ja, das ist korrektes Deutsch) (Wirklich)

Die Russen annektieren ein für sie strategisch interessantes Gebiet, besetzen es, und ziehen innerhalb von nur wenigen Wochen eine feindliche Übernahme durch. Unter den Augen der westlichen Welt. Die vollkommen tatenlos zusieht.

Vollkommen tatenlos?! Oh, Verzeihung, nein… es sind Sanktionen verhängt worden. Gegen Politiker und einflussreiche Russen. Kontosperren in Europa. Und Einreiseverbote. Diese Sanktionen klingen so konsequenzenlos wie die Drohung der Mutter an ihr Kind ‘Wenn du dich nicht benimmst, dann geh ich vor zum Piloten und der dreht den Flieger wieder um und wir fliegen nach Hause!’ Russland ist sogar so wenig davon beeindruckt, dass es weitere Annexionen auf ukrainischem Gebiet nicht ausschließt.

Und was macht die EU? Wie setzt sich die EU ein für ein Land, dass monatelang dafür gekämpft hat, dass es vielleicht einmal in die Gemeinschaft aufgenommen wird? Dessen Bürger auf die Straße gingen und dort mit allen Mitteln kämpften, nur um die Möglichkeit zu erhalten, eine Annäherung zur EU zu erwirken!

Naja, es ist schwierig… einige Länder beziehen ihre Gasvorräte zu 100% aus Russland, Wirtschaftssanktionen schwierig. Andere Länder sind wieder einfach generell nicht an einem Wirtschaftskrieg interessiert. Die nächsten sind für härtere Maßnahmen,die übernächsten für weichere, die dritten für gar keine. Und so wird endlos diskutiert und um eine einheitliche Linie gerungen. Vielleicht so lange, bis von der Ukraine schon die Hälfte zu Russland gehört.

Wie soll denn Russland so einen Haufen Eigeninteressensvertreter ernst nehmen, die sich nicht einmal in einer politischen Krise schnell, effizient und geschlossen auf ein Maßnahmenpaket einigen können?

Ach, die Ukraine interessiert Sie gar nicht? Sie denken, was gehen mich die Ukrainer an? Sollen die Russen sich halt nehmen was sie brauchen, ich sitze hier im sicheren Österreich, warum sollen wir uns da überhaupt einmischen?

Nun, lieber Kronen-Zeitung-Leser und FPÖ-Wähler, erstens hoffe ich, dass sie die Grundproblematik erkennen in einer Welt zu leben, in der sich angeblich zivilisierte Demokratien von anderen Demokratien einfach nehmen was sie brauchen – ganz schnell wird das zivilisiert wegfallen. Aber um es auch auf ihre Welt umzulegen, das Problem, dass die EU zu wenig Macht hat und zu divers ist, ist auch Schuld daran, dass Sie zu viele Steuern zahlen, zu viel arbeiten, und die Banker und Manager tun und lassen können was sie wollen.

Was hielten Sie denn von einer gesetzlich festgelegten 30-Stunden-Arbeitswoche? Einer Schließung der erzwungen Überstundenschlupflöcher? Einem Verbot von freien Dienstnehmerverhältnissen? Einem Ende der modernen Sklaverei, auferlegt durch die Wirtschaftsdiktatur? Einer verpflichtenden Gewinnabgabe von Großkonzernen in der Höhe von 20% ab einem Jahresgewinn von 1 Million Euro? Einer Finanzmarktaufsicht, die tatsächlich regulierende und strafende Bemächtigungen besitzt? Einer echten, tatsächlich eingehobenen Finanztransaktionssteuer?

Dies sind nur ein paar Beispiele, wie sich unsere Arbeitswelt verbessern könnte, wie wir mehr Geld in der Tasche hätten und weniger davon an den Staat abführen müssten. Aber warum setzt sie niemand um? Weil sich die Politiker nur für ihr eigenes Wohl interessieren, und nicht für unseres?

Nun, das mag sein – aber glauben Sie mir, der Politiker, der diese Maßnahmen umsetzt, erhält die nächsten 30 Jahre die absolut Mehrheit. Das wäre in seinem Interesse.

Aber warum macht es dann keiner? Nun, zur Abwechslung mal tatsächlich,weil es noch nicht geht. Solche Gesetze werden auf nationaler Ebene beschlossen. Und für jeden gemeinsamen Konsens muss monate-, sogar jahrelang gerungen werden. Die Finanztransaktionssteuer kommt unter anderem nicht, weil Großbritannien sich dagegen wie wahnsinnig wehrt. Ein einzelnes Land, oder zwei oder drei, können keine dieser antikapitalistischen Gesetze beschließen, denn dann wandern ihnen die Konzerne ab und sie verarmen.

Österreich alleine, liebe FPÖ-Wähler, hat keine Chance mehr, irgendwas am internationalen Wirtschaftsmarkt zu beeinflussen. Würden wir Arbeitszeit reduzieren und Überstunden kürzen und Gehälter nach oben schrauben und Gewinne von Konzernen mehr besteuern, wir hätten eine Arbeitslosenquote von 80%. Die Firmen würden gehen, es würde keinerlei Produktion mehr bei uns stattfinden, die Kaufkraft würde sinken und damit würden noch mehr Firmen gehen und wir wären in der Steinzeit.

Weil wir nur ein Absatzmarkt von 8 Millionen sind. Aber wenn die EU sich endlich vereinigt, endlich wegkommt, von diesem Wirtschaftsbündnis, hin, zu einem Bündnis für die Menschen, dann möchte ich das Unternehmen sehen, möchte ich den Konzern sehen, der sich einen Absatzmarkt von einer halben Milliarde Menschen entgehen lässt. Einer halben Milliarde kaufkräftiger Menschen, die den dreifachen Reichtum von 2,3 Milliarden Chinesen und Indern gemeinsam besitzen.

Ich will auch sehen, wie Russland sich einfach so mit den USE, den vereinigten Staaten von Europa, anlegt, wenn sie sofort, entschieden und entschlossen reagieren, mit einer Stimme, mit einer Wirtschaftsmacht, mit einem Militär.

Der einzige Weg für Europa, sei es global gesehen, oder für jeden Einzelnen von uns, um in Zukunft zu bestehen, aber sie auch besser für uns zu gestalten, lebenswerter zu machen, und die Wirtschaftstyrannei aufzubrechen und zu beenden, ist der Zusammenschluss der europäischen Staaten zu einer großen Nation.

Doch solange die Kronen-Zeitung-Leser und die FPÖ-Wähler mit ihrer Meinung vorherrschen, dass ‘uns des jo nix augeht’, und ‘wir suiten bessa neutral bleib’m, wia de Schweiz, weu fia de rennt’s jo a supa’, und ‘wos interessiert mi da Ukraina oda da Franzos oda da scheiß Grieche? De suin iwa mi mitbestimma?!?’, solange dieses blanke Unverständnis der zukünftigen Herausforderungen herrscht und dieses nationalistische Gedankengut ‘mia san mia, und der Rest sui verreckn’… verzeihen Sie, ich habe fehlformuliert… ‘so’ ‘lange’ wird es dann schon nicht sein…!

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3 thoughts on “Wir brauchen die U.S.E.

  1. fraubosnigl says:

    C O M M U N I Q U É aus akutellem Anlaß von frau bosnigl zum Thema Russland – Ukraine – Rolle der EU und NATO

    Vorweg möchte ich festhalten, dass ich mit meiner persönlichen Meinung niemanden überzeugen muß oder will. Ich glaube auch nicht, dass es viel Sinn hat, meine Ansichten hier zu teilen, auf zweifachen Wunsch gehe ich aber darauf ein. Ich sehe deswegen kaum Sinn darin, politische Dinge mit anderen ewig und 3 Tage auszudiskutieren, da es oft böses Blut schafft (vor allem online, wo Mimik und Stimme fehlen) und außerdem selten der Diskussionspartner von seiner Meinung abrückt. Ich mache das ja auch nicht und es muß keiner versuchen, mich zu bekehren.

    Nun zum eigentlichen Thema Ukraine/Krim/Russland: dazu muß man geschichtlich etwas weiter zurückgehen (zu weit würde den Rahmen sprengen), ich beziehe mich zeitlich auf den Fall der Mauer und den Zerfall der ehemaligen Sowjetunion Anfang der 90er Jahre so wie der Beendigung des Kalten Krieges, ermöglicht ua. durch den damaligen Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow (in den USA war damals Reagan an der Macht). Dieser hat der Abspaltung ehemaliger für Russland strategisch wichtiger Gebiet zugestimmt, weil man (NATO, EG, USA) versprochen hat, dass sich die NATO nicht weiter nach Osten ausdehnt. Die NATO war praktisch das Gegenstück zum Warschauer Pakt, der aber aufgelöst wurde, die NATO hingegen nicht. Nun hat man sich nicht wirklich daran gehalten, im Laufe der Zeit wurden in Polen und anderen ehemaligen Ostblockstaaten Raketenabwehrschilder (der böse Iran hat uns ja im Visier) und Militärbasen errichtet, man hat Russland also immer mehr eingekreist. Die Ukraine ist für Russland aber sehr wichtig, damit hat es den Zugang zum Schwarzen Meer und ist praktisch eine Art limes gegenüber dem Westen. Da stecken geopolitische und natürlich wirtschaftliche Interessen dahinter, Russland ist der größte Handelspartner der Ukraine. Was ich damit sagen will, dass dieses Gebiet, vor allem die Krim Halbinsel ein sensibles Gebiet für Russland ist. Man stelle sich vor, die Russen würden in Mexiko Raketenabwehrschilder aufstellen oder auf den Bahamas eine Militärbasis errichten bzw. die Russen würden sich in Angelegenheiten der EU einmischen, das ist nicht sehr ratsam und zurecht würde jeder aufschreien.
    Nachdem die Ukraine aber für den Westen und vor allem die Amerikaner wirtschaftlich interessant ist (Öl) gab es bereits 1997 Pläne, die Ukraine westlich zu machen. Ich zitiere hier Brezinski (außenpolitischer Berater von US Präsident Obama) aus dem Jahr 1997:
    „Die Ukraine, ein neues und wichtiges Feld auf dem eurasischen Schachbrett, stellt einen geopolitischen Dreh- und Angelpunkt dar, denn schon seine alleinige Existenz als unabhängiges Land trägt dazu bei, Russland zu verwandeln. Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr…“
    2004 kam es in der Ukraine dann zur sogenannten „Orangen Revolution“ unter anderem unter Julia Timoschenko, die sich in kürzester Zeit ein Vermögen von über 8 Milliarden Dollar „erarbeitet“ hat. Ich will da nicht nur sie kritisieren, die Ukraine ist durch und durch korrupt, da kann man keine Partei ausnehmen. Diese Revolution hat aber nicht den vom Westen gewünschten Erfolg gebracht. Daher kam es im Vorjahr zu neuerlichen Demonstrationen, die ua von NGOs vorbereitet und finanziell unterstützt wurde (NGO, also eine Nichtregierungsorganisation: das beste Mittel, um doch in einem anderen Staat Politik zu betreiben). So wurde etwa Klitschko von der deutschen Konrad Adenauer Stiftung finanziell unterstützt, der jetztige Machthaber Jazenuk von den Amerikanern, die ihn schon seit längerer Zeit „aufgebaut“ haben, er hat auch einiges an Erfahrung gesammelt, sei es unter Timoschenko oder Jutschenko („interessanter Lebenslauf“, um nicht zu sagen ein Wendehals). Aus einer anfänglich friedlichen Demonstration gegenüber der Korruption im Land hat der Westen die Lage verschärft, in dem einige EU Politker sich auf den Maidan –Platz gestellt und gezündelt haben. Nicht gerade hilfreich war es auch von der EU, dass man die Ukraine vor die Wahl gestellt hat, entweder Russland oder EU. Damit hat man die Sache zusätzlich aufgeheizt. Praktischweise hat man das während der Olympischen Spiele in Sotchi gemacht, weil man genau wusste, dass die Russen jetzt nicht reagieren können.
    Bekannterweise kam es zu Ausschreitungen mit Todesopfern. Man kann noch nicht feststellen, wer auf die Demonstranten und Polizisten geschossen hat, ich vermute Scharfschützen im Auftrag von wem auch immer, da gibt es einige Theorien. Ich glaube jedoch nicht, dass es von Janukowitsch angeordnet worden ist. Dieser wurde mit Fetzn aus dem Amt verjagt und das nicht legal, wie man es gerne in den Medien darstellt. In Wirklichkeit war das ein faschistscher Putsch, man hat sich nicht an die Verfassung der Ukraine gehalten, jetzt sind dort zum Teil Menschen an der Macht, vor allem aus der Swoboda Partei, die echte Rechtsradikale sind. Der Vorsitzende der Partei Allukrainische Vereinigung „Swoboda”, Oleh Tjahnybok hat folgendes gesagt: “Schnappt Euch die Gewehre, bekämpft die Russensäue, die Deutschen, die Judenschweine und andere Unarten.” Pipelines, die Öl nach Europa führen, wollen die übrigens auch sprengen, super Sache. Ich empfehle dazu auch, sich einmal Medienberichte aus anderen Ländern zu Gemüte zu führen, die Briten versuchen zumindest objektiver zu berichten oder israelische Fernsehsender, die sind entsetzt, dass mit solchen Leute überhaupt verhandelt wird. Jetzt ist also dieser Putsch -gegen die Verfassung der Ukraine- von der EU als legitim betrachtet worden, im Gegenzug aber erkennt man die Abstimmung über die Krim jedoch nicht an, weil dies nicht der Verfassung der Ukraine entspräche. Hallo geht’s noch? Man kann sich das nicht drehen und wenden, wie es einem gerade genehm und gebräuchlich ist. Siehe ebenfalls den Kosovo, der sich 2008 (glaub ich) von Serbien losgesagt hat,, auch gegen die Verfassung Serbiens. Das ist in der Regel gegen die Verfassung des Landes von dem man sich abtrennen will. Völkerrechtlich wurde das aber anerkannt, hier nicht, wieso nicht? Mittlerweile habe ich gelesen, dass viele Ukrainer auf die Krim flüchten, aus Angst vor dem neuen Regime.
    Ich sehe daher die Einmischung des Westens in die Ukraine als weitere Provokation gegenüber Russlands an und irgendwann ist der Punkt erreicht, wo sich Putin und Russland das nicht mehr gefallen ist. Das war nun der Fall. Ich glaube zudem, dass man Putin dafür bestrafen will, weil er sich für Syrien eingesetzt und einen größeren Krieg in dieser Region verhindert hat. Im Gegensatz zu Barack Obama, der bevor er überhaupt sein Amt angetreten ist, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, hat es Putin für die Deeskalierung ernsthaft verdient. Apropos Syrien: ich halte diese Aufstände und das Zündeln mittlerweile für ein erprobtes System, um sich in innerpolitische Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen. Das hat im Irak, Afghanistan, Libyen und Syrien „funktioniert“. Da geht es nicht um Menschenrechte oder darum, den Menschen dort Frieden und Demokratie zu bringen. Das ist naiv zu glauben, es geht um wirtschaftspolitische Interessen. Die Amerikanern denken nicht in Dekaden, sondern auf 100 Jahre im Voraus, wofür ich sie nicht verurteile. Das würde ich an ihrer Stelle auch machen. Im Übrigen soll das nicht in ein Amerika-Bashing ausarten, ich finde dieses Land und die Menschen dort cool und lässig und wir haben Amerika auch viel zu bedanken. Ich bin jedoch dagegen, dass man anderen Kulturen und Ländern sein System aufzwingt. Woher wissen wir, dass wir im Westen mit unserer Demokratie richtig liegen. Wer bestimmt das und wieso lassen wir den Völkern nicht die Zeit, die sie brauchen, um sich selbst zu entwickeln. In Europa hat das auch gedauert, das geht nicht von heute auf morgen. Und man kann nicht alles gleich machen (das ist das nächste Thema), die Welt und die Menschen sind zum Glück nicht alle gleich, es gibt unterschiedliche Religionen, Kulturen und Staatsformen, das ist bereichernd und extrem wichtig. Die Trendumkehr zu mehr Nationalität kann man auch nicht verhindern, das beweisen diverse Unabhängigkeitsbestrebungen (Venetien, die gerade abgestimmt haben, die Schotten, die im September eine Referendum über die Loslösung von England abhalten, bereits vergangene Beispiele wie Ex-Jugoslawien, Trennung der Tscheslowakei in Tschechien und Slowakei, etc.)
    Ich finde es daher vermessen, dass es sich der Westen herausnimmt, anderen Ländern zu sagen, wie sie leben sollen, am Besten so, dass es sich finanziell für uns noch rentiert. Das ist auch der Grund, wieso ich es für wichtig halte, dass es einen Gegenpol zum Westen (USA, EU, NATO) mit China und Russland gibt. Eine Weltregierung wäre das letzte, was wir brauchen. Es braucht dieses politische Gegengewicht.
    Zu Putin noch: ohne ihn wäre Russland im Eigentum von der Russischen Mafia, er ist eindeutig das kleinere Übel.
    Die Kosten Ukraine kommen auch auf uns zu, Schäuble hat gegenüber dem Handelsblatt bereits angekündigt, dass die Ukraine selbstverständlich Milliardenhilfe von der EU erwarten kann. „Mit Blick auf die Sanktionen gegen Russland und Hilfen für die Ukraine fügte er hinzu: „Ob uns das wirtschaftlich und finanziell etwas kostet, ist zweitrangig.““
    Es wird bereits über eine Aufnahme der Ukraine in die EU laut nachgedacht:Hallelujah und danke! Als ob Griechenland, Irland, Zypern und Co nicht schon genug gekostet haben. Da komme ich jetzt zum abschließendem Thema EU.
    Ich bin kein EU-Gegner, ich halte sie in der momentanen Form für nicht sehr tauglich. Ursprünglich zum Zwecke der Kriegsvermeidung und wirtschaftlichen Zusammenarbeit aufgebaut, ist sie mittlerweile zum Scheitern verurteilt. Ich bin wirtschaftlich nicht sehr firm, es war aber nicht sehr weise, den Euro in kurzer Zeit in Ländern, die eben nicht auf einem Niveau waren, durchzupeitschen. Davon abgesehen müsste man, um eine effektive Politik betreiben zu können, eine Zentralisierung der Macht und Rechtssprechung in Brüssel durchführen. Das kann man wollen oder auch nicht. Ich brauche es nicht unbedingt, da müsste sich einiges ändern. Das sehe ich in naher Zukunft allerdings nicht, eher eine Trendumkehr zurück zu einzelnen Staaten : Venetien, die gerade über eine Sezession von Italien und für Unabhängigkeit bgestimmt haben, Südtirol, ein Dauerbrenner, die Schotten, die im September eine Referendum über die Loslösung von England abhalten, bereits vergangene Beispiele wie Ex-Jugoslawien, Trennung der Tscheslowakei in Tschechien und Slowakei, etc.).
    Zu den Sanktionen schreib ich jetzt nicht mehr viel, im Endeffekt schaden die uns Europäern mehr als Russland, allein die STRABAG zittert um Aufträge in Höhe von einer Milliarde. Ich fand es fast schon beschämend, wie man während der Olympischen Spiele in den meisten Medien gegen Russland gewettert hat, aber dass im Olympischen Dorf viele europäische Firmen ihre wirtschaftlichen Interessen vertreten haben (Audi, VW, schön platziert oder die Liftfirma Doppelmayer, die über 80% der neuen Lifte in Sotchi gebaut haben). Ich beende das jetzt, es wird zu lange und unstrukturiert, da ich noch viel zu sagen hätte. Ich lese mir das jetzt auch nicht nocheinmal auf etwaige Tipp- oder Rechtschreibfehler bzw. Wortwiederholungen durch („auch“ ist mein Lieblingswort, ich weiß), nehmt es hin oder nicht.

    • Die Krim ist, wie du sagst, wichtig für Russland, aus militärischer Sicht primär – sekundär ist der Osten der Ukraine für Russland interessant, weil dort die Produktion des Landes angesiedelt ist – deshalb ja auch schon Überlegungen, dort weitere Gebiete zu annektieren (ich bleibe bei dem Begriff)
      Raketenabwehrschilder in Osteuropa aufstellen um sich vor dem Iran zu schützen – naja, das Argument ist nicht so schlecht, Russland in Mexio… um sich vor wem zu schützen? Kanada? Ich sag mal, diese Raketenschilder sind nicht besonders sinnvoll und natürlich treten sie Russland auf den Schlips, aber eine gewisse Berechtigung haben sie, wenn man sich das, verdiente, Image der Amerikaner als Wirtschaftsimperialisten in der islamischen Welt ansieht.
      Die Ukraine ist für die USA nicht aufgrund von Öl interessant, die haben nämlich nur marginale Ölvorkommen. Für die EU ist es interessant, die Ukraine als Zugang zum Schwarzmeer zu sichern und neuen Aufbau- und Absatz- und Wirtschaftsmarkt zu erschließen, für die USA ist es natürlich nicht uninteressant, wenn Russland nicht wieder zu einem sowjetischen Reich a la 1970 wird.
      Vor allem natürlich, da bin ich bei deinem nächsten Punkt, wenn man bedenkt, wie Russland sich in den Nachwehen des arabischen Frühlings verhalten hat, bei Syrien – einen großen Krieg verhindert? Naja, ja, aber dort wurden und, werden immer noch (nur weil die Medien nicht mehr so darüber berichten, heißt das nicht, dass es nicht noch immer passiert), täglich Menschen abgeschlachtet von al-Assad, und jetzt hilft ihnen einfach niemand.
      Wie ich das verstanden habe, kritisierst du auch jede Unterstützung des Westens, EU und/oder USA, von revolutionären oder rebellischen Aufständen, Bewegungen und Strömungen – das sehe ich als problematisch an, da es absolut normal ist, dass sich Gruppen, die gegen ein bestehendes Regime ankämpfen wollen, Unterstützung holen von außerhalb.
      Natürlich war die Motivation der Idee in Syrien einzugreifen nicht “Wir helfen den armen Menschen zu Demokratie”, sondern “Wir sichern uns gute Beziehungen zu den Zukünftigen Regierenden in einem erdölreichen Land” – aber es hätte sicher einen besseren Beigeschmack, wenn dabei einer demokratischen Bewegung geholfen wird, als wenn man, wie die Jahre zuvor, einen Quasi-Diktator stützt. Und für den Westen, die EU und die USA, sind Demokratien deshalb interessanter, weil sie verhandlungsbereiter sind.
      Aber ich komme vom Thema ab, ich will zu Syrien nur sagen: Russland hat einen Diktator geschützt, der sein Volk zu hunderttausenden abschlachtet. Das finde ich nicht gut. Einer Übermacht der NATO wäre er hoffnungslos unterlegen und hätte sicher früher oder später aufgeben müssen. (Syrien ist nicht Afghanistan oder der Irak, die NATO nicht die USA alleine)
      Das aktuelle Kabinett in der Ukraine ist nicht ideal, aber sogar wir hatten schon die FPÖ und wegen Wiederbetätigung verurteilte Leute in der Regierung sitzen, und dass nach einem Umsturz nicht immer gleich eine ideale Regierung dasteht, das haben wir ja auch zuletzt schon nach dem arabischen Frühling im isalmistischen Sommer gesehen (Stichwort: ausgehölte Demokratie)
      Timoschenko hat sich ihr Vermögen bei Gazprom verdient – so wie 90% aller anderen Oligarchen in Russland und angrenzenden Staaten seinen Reichtum mit Gas und Öl in zwielichtiger Form gemacht hat. Timoschenko ist prowestlich und sicher eine Kraft für den Fortschritt in der Ukraine.
      Ich finde in keinster Weise, dass Russland provoziert worden ist, weder durch Raketenabwehrbasen in Polen, noch durch sonst etwas – ich kann auch die komplette Inszenierung aller politischen Vorgänge in Osteuropa nicht so sehen, natürlich wird hier unterstützt und interveniert, aber das wird ja offen getan, und ist auch völlig normal – einfache Außenpolitik und Interessensvertretung.
      Russland hingegen hat seine Interessen mit militärischer Macht vertreten und ein essentielles Gebiet eines fast-westlichen Landes einfach annektiert. Die Volksabstimmung zur Loslösung der Krim von der Ukraine? Eine Farce. Umgeben von russischem Militär, mit offenen Wahlzetteln und mit gläsernen Urnen – noch mehr “Ich-erschieß-dich-wenn-du-das-Falsche-wählst”-Stimmung hätte man gar nicht erzeugen können, außer die russischen Soldaten hätten die Waffen an den Kopf der gerade in der Wahlkabine befindlichen gehalten.
      Und das Ergebnis?! 96%?! Der russische Anteil der Bevölkerung ist gerade mal 63%! Schwer vorstellbar, dass davon alle nach Russland wollen und dann noch alle Ukrainer. Ein noch fingierteres Ergebnis hätte Putin nicht mehr bastlen können, aber um sowas schert er sich ja nicht. Aushöhlung der Demokratie und der Verfassung sind ja für ihn das geringste Problem (Weißrussland, Tschetschenien).
      Ich finde, die EU und die USA haben wesentlich zu wenig reagiert auf diese klare Völkrerrechtsverletzung Russlands. Die westliche Kriegsverschwörung, gerade um ein Land wie die Ukraine, sehe ich in keiner Weise, da sie zu wenig interessant ist für die USA und da die EU einfach Krieg kaum als Option sieht. Und gerade wenn der Westen Russland gewollt so provoziert hätte, dann wäre die Antwort auf Russlands verhalten nicht so vollkommen inkonsequent und lächerlich ausgefallen.
      Kurz noch zu den Sanktionen, die treffen Russland mehr als die EU als Einheit, da wir zwar kurzzeitig Engpässe hätten, aber jetzt der Sommer kommt und wir auf Alternativen umsteigen können, im Ernstfall, Russland aber keine Alternativen zu den Geldflüssen hat, die ihm dadurch entgingen.

  2. fraubosnigl says:

    Ich geh nur auf einige Punkte ein. Natürlich ist das Land für die USA und die EU extrem wichtig, da kommt unser Gas her. Wieso Du das nicht siehst, verstehe ich nicht. Und die Amerikaner intervenieren da seit langem, das ist ja wohl Beweis genug, daß die Ukraine für sie interessant ist.
    Zur Völkerrechtsverletzung: man kann nicht eine Völkerrechtsverletzung befürworten und akzeptieren und die andere nicht. Das ist nicht nur inkonsequent, sondern hat Folgen. Das sogenannte Gewohnheitsrecht, da entsteht aus nicht geschriebenem Recht (also keine Verträge oder ähnlichem, sondern Gebrauch und Sitte) durch länger andauernde Übung/Anwendung und Akzeptanz verbindliches Recht, das mit geschriebenem gleichgestellt.
    Abgesehen davon hat Russland keine Völkerrechtsverletzung begangen, sie haben die Krim nicht annektiertAuch wenn Du es noch so oft schreibst, es wird dadurch nicht wahrer. Eine Annexion ist eine gewaltsame Eingliederung in ein anderes Territorium. Hier gab es eine Abstimmung, die zugunsten Russlands ausgegangen ist. Es gab einige Wahlbeobachter, die die Rechtmäßigkeit bestätigt haben. Wegen der Soldaten vor Ort: Russland hat den Hafen dort bis 2042 offiziell gepachtet und in dem Vertrag steht drinnen, daß bis zu 25.000 russische Soldaten dort stationiert werden dürften. Im Moment haben sie das Kontingent gar nicht ausgeschöpft, es sind um die 15.000 dort.
    Und nein, Russland hätte die kleineren wirtschaftlichen Probleme, es kann sich zudem der Unterstützung China’s sicher sein. Und wenn China seine Dollaranleihen mit einem Schlag auflöst, dann ist der Dollar Geschichte.
    Und wenn man bei den angeblichen Völkerrechtsverletzungen ist, sollte man einmal mit Sanktionen gegen die USA anfangen:
    Beispiele für den Sturz oder versuchten Sturz einer Regierung in einem anderen Land durch die Vereinigten Staaten von Amerika seit dem Zweiten Weltkrieg (* zeigt den erfolgreichen Sturz einer Regierung)

    China 1949 bis in die frühen 1960er
    Albanien 1949-53
    Ostdeutschland 1950er
    Iran 1953 *
    Guatemala 1954 *
    Costa Rica Mitte 1950er
    Syrien 1956-7
    Ägypten 1957
    Indonesien 1957-8
    Britisch Guyana 1953-64 *
    Irak 1963 *
    Nordvietnam 1945-73
    Kambodscha 1955-70 *
    Laos 1958 *, 1959 *, 1960 *
    Ecuador 1960-63 *
    Kongo 1960 *
    Frankreich 1965
    Brasilien 1962-64 *
    Dominikanische Republik 1963 *
    Kuba 1959 bis heute
    Bolivien 1964 *
    Indonesien 1965 *
    Ghana 1966 *
    Chile 1964-73 *
    Griechenland 1967 *
    Costa Rica 1970-71
    Bolivien 1971 *
    Australien 1973-75 *
    Angola 1975, 1980er
    Zaire 1975
    Portugal 1974-76 *
    Jamaica 1976-80 *
    Seychellen 1979-81
    Tschad 1981-82 *
    Grenada 1983 *
    Südjemen 1982-84
    Surinam 1982-84
    Fidschi 1987 *
    Libyen 1980er
    Nicaragua 1981-90 *
    Panama 1989 *
    Bulgarien 1990 *
    Albanien 1991 *
    Irak 1991
    Afghanistan 1980er *
    Somalia 1993
    Jugoslawien 1999-2000 *
    Ecuador 2000 *
    Afghanistan 2001 *
    Venezuela 2002 *
    Irak 2003 *
    Haiti 2004 *
    Somalia 2007 bis in die Gegenwart
    Libyen 2011*
    Syrien 2012

    ….so viel zu Imperialismus. Die andere Möglichkeit wäre zu googeln wo die USA überall Militärbasen hat auf der Welt – viel Spaß dabei….

    Russland wird immer mehr eingekreist und hat nun reagiert, vollkommen zu Recht.
    Zum Thema Schutzschild Iran: geh bitte, das meinst ja nicht ernst, das ist ja witzlos. Die Amerikaner scheren sich doch einen Dreck um unseren Schutz, da geht es nur um Eigeninteressen.
    Timoschenko ist genauso eine Verbrecherin wie die anderen, die sich an der Ukraine bereichert haben. Sie war an der Macht und hat gezeigt, wozu sie fähig war, nicht besser als die anderen.

    Zu den Quasi-Diktaturen: zum Teil wurden diese in den Jahren zuvor von den Amerikaner installiert bzw großzügig unterstützt. Nachdem sich die Staatschefs dann in Schulden verstrickt haben, müssen sie sich loyal gegenüber den USA verhalten. Mucken sie auf, erpresst man sie bzw der letzte Schritt ist dann der Einmarsch.
    In den Ländern, die man in den letzten Jahren “gerettet” hat, ging es dem Großteil der Bevölkerung besser als jetzt, über 90% hatten Zugang zur Bildung, zu einem Gesundheitssystem und genügend zu Essen. Die Christen wurden in Syrien toleriert, jetzt werden sie täglich von Islamisten massakriert. Die Opposition ist keine demokratische Bewegung, sondern eine, die einen islamischen Gottesstaat errichten will. Man hat Syrien und Libyen bewußt zerstört und den Tod zigtausender in Kauf genommen und das nur aufgrund wirtschaftlicher Interessen. Ich fang jetzt nicht noch über Syrien und Co zu schreiben an, ich sehe schon, wir haben da zu unterschiedliche Ansichten. Ich bin dagegen, daß wir uns als die Allwissenden aufspielen und als Herrscherkaste anderen Ländern vorschreiben, wie sie zu leben haben.
    Zum Thema EU, die muß stärker werden. Absolut dagegen. Wie Du am Anfang richtig schreibst, sind größere Reiche immer wieder dem Niedergang geweiht gewesen. Dh, das würde auch der EU passieren. Ich vergleiche das deswegen nicht mit den USA, weil die eine andere Ausgangssituation als die EU und die anderen Reiche hatten: gleiche Sprache, gleiche/ähnliche Kultur und Lebensweise. Das ist in Europa nicht gegeben, es wird hier nie eine einheitliche Sprache gegeben, wie willst das machen? Ein Norweger ist von der Mentalität her ganz anders als ein Spanier, die haben eine andere Denkweise, das geht nicht unter einen Hut. Man kann es wie zuvor handhaben, indem man eine wirtschaftliche Zusammenarbeit praktiziert, alles andere ist utopisch, weil zu viele verschiedene Interessen berührt werden. Man kann nicht alles gleich machen, ich find das erschreckend, daß man das will. Beispiel: in Spanien kannst im Hochsommer stark körperlich nicht 14 Stunden arbeiten, in Norwegen ist das eher möglich. Du hast in Spanien auch eine stark ausgeprägte Religion, die Leute sind dort sehr gläubig, in Schweden lacht man dich aus.
    Ich kann nicht auf alles eingehen, ich sollte heute noch etwas arbeiten

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