Populismus-Ruck

Der große Rechtsruck in Österreich ist ausgeblieben, dennoch hat die FPÖ zugelegt, und zwar am stärksten (abgesehen von den NEOS). Aber auch die Grünen haben ihr historisch bestes Ergebnis bei Bundeswahlen eingefahren.

Die beiden großen Sieger, im Sinne von Zugewinnen, sind also die Populisten des Landes. Das ist bedenklich. Nein, ich korrigiere mich – das ist sogar beängstigend…

Aber: War es nun eine innenpolitische Abstrafe an die heimische Bundesregierung? Oder doch eine wohlüberlegte europäische Entscheidung?
Gut, so getrennt wie das alle gerne wollen, wird man das nicht sehen können, denn inzwischen ist ja auch bei jedem nationalen Wahlkampf die EU ein großes Thema, und offenbar auch umgekehrt.

Was es aber definitiv war, ist ein Sieg der simplen, undifferenzierten und unreflektierten Antworten.
Es war eigentlich recht egal, welche Frage Ukrike Lunacek gestellt worden ist, die Antwort war: Kohle und Gas sind schuld und böse – Energiewende. (an und für sich nichts Schlechtes, aber nicht die Lösung aller Probleme) Und Chlorhühner!!! Denk doch mal einer an die Kinder!!! Rettet unser(en) Bio(schmäh)! Und dazwischen hat man noch auf die Nazis hingehauen, weil das kommt auch super bei den Linskwählern an.
Umgekehrt war der Lösungsvorschlag von Harald Vilimsky auf quasi jegliches Problem die Rückholung der Kompetenzen nach Österreich. Weil wir lassen uns da ned über’n Schädel hinwegentscheiden von die Großkopferten in Brüssel. (sinngemäß) Kommt bei Blauwählern nämlich super an, ergibt halt in Echt aber so überhaupt keinen Sinn.

Die SPÖ hat quasi Selbstverstümmelung mit der Auswahl ihres Kandidaten betrieben und kann sich einen Ast freu’n(d), dass sie ihren historischen Tiefststand nicht noch unterboten, sondern wenigstens gehalten haben.
Die ÖVP hat einen starken Kandidaten gehabt,  der eigentlich als Einziger wirklich gewusst hat, wovon er redet und vor allem diese Kompetenz in Diskussionsrunden auch gut vermitteln konnte. Nur Sympathieträger ist er vielleicht nicht unbedingt, kein Partylöwe, kein Entertainer. Und seine Antworten waren differenziert. Und diese Partei hat als Einzige verloren.

Und da schließt sich der Kreis: Die Populisten mit ihren einfachen Antworten holen sich die Stimmen. Da sitzen nämlich die einen im Wirtshaus in Simmering, die anderen in einer veganen Körndlbar auf der Mariahilferstraße, und fühlen sich beide bestätigt darin, Überlegenes zu wissen. Die einen müssen automatisch gegen “de Großen sein” und gegen “zu vüle Auslända” und gegen “des, dass mia de olle ondan zoin!!”, und die anderen müssen im exakt selben Automatismus gegen “Autos und Fabriken… und alles was brennt”, und gegen “die menschenverachtende Politik” und natürlich gegen “jegliche Erwähnung des Wortes Ausländer in einem kritischen Kontext”.
Othmar Karas, mit weniger klaren Botschaften, aber dafür mit differenzierteren, klügeren Antworten verliert. Der wurde im Endeffekt mehr oder weniger nur von den ÖVP-Kernwählern gewählt, genauso wie die SPÖ.

Übrigens, die einzigen echten Gewinner für mich sind die NEOS. (Hab ich selber gewählt) Warum?!
Sie hatten eine Spitzenkandidatin, die durch die Eloquenz eines Tafelschwamms geglänzt hat, ungefähr so themenfokussiert war wie ein Platzregen, und die es nicht geschafft hat, die einfache Frage zu beantworten “Was bringt einer Pensionisten in Österreich die EU, wenn in Deutschland die Lebensmittel die Hälfte kosten?” (btw: Genau das Gleiche wie jedem anderen wäre die richtige Antwort gewesen, und dann hätte man die Wirtschaft und die Zukunftsperspektiven durch die EU aufzählen können und nebenbei erwähnen, dass in Deutschland die Lebensmittel schon länger billiger sind als in Österreich, nicht erst durch die EU), haben teilweise äußerst übertrieben neoliberalistische Ansätze, aber (!), und ‘und’, sich in einer doch relativ EU-kritischen Zeit mit der Message “Wir wollen die vereinigten Staaten von Europa” nach draußen getraut.
Und das ist für mich der Sieg: Diese Message, die einzige Wahrheit, die Österreich und Europa auf lange Sicht gesehen eine Chance im Weltgeschehen gibt, war so stark, dass sie sogar eine Frau Mlinar und einen etwas zu wirtschaftshörigen Geamttenor übertönt hat, und dass sie trotzdem fast 8% bekommen hat.
Es ist halt eine Message, die nicht jedem gleich klar scheint, über die man nachdenken muss, die etwas komplexer ist. Frau Mlinar hat sie leider nicht gut erklären können.
Da ist es natürlich einfacher, Floskeln und Phrasen zu dreschen, und so seine Stammwähler zu bedienen und zu mobilisieren.

Das Wahlergebnis zeigt, dass leider Österreich noch lange nicht so weit ist, zu verstehen, was die EU für uns jetzt schon bedeutet, was sie noch für uns bedeuten wird und was sie noch für uns bedeuten könnte. Aber wir brauchen uns nicht groß genieren, wir sind nicht die Einzigen und auch nicht die Uneinsichtigsten – siehe Frankreich.

p.s.: Mit einem hat Strache übrigens (leider) Recht: Niedrige Wahlbeteiligung (~46%) hat der FPÖ noch nie geholfen – und wären die EU-frustrierten (zum Glück) nicht gleichzeitig auch wahlfrustriert, hätte das Ergebnis tatsächlich ganz anders ausgesehen.
Wenn man sich schwertut, eine Partei zu finden, die man wählen kann (so wie ich es tat, siehe letzten Artikel hier), so ist dieser Umstand zumindest ein guter Motivator doch hinzugehen und sich solange das Hirn zu zermartern, bis man eine Wahl treffen kann. Denn sonst überlässt man anderen Kräften das Spielfeld.

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Meine Nichtwähler-Propaganda

Haben Sie schon mal nicht-gewählt?! Also bewusst meine ich jetzt… nicht weil Sie verschlafen oder vergessen haben, sondern weil Sie sich intensiv mit den wahlwerbenden Parteien beschäftigt und dann festgestellt haben, dass Sie keine dieser Fraktionen mit gutem Gewissen wählen können?
Dann gratuliere ich ihnen. Ja, ehrlich. Denn das erfordert Mut, eigentlich. Denn recht schnell wird man dann angefeindet, als ignorant, als Alles-Zustimmer, als Gestaltungsverweigerer, oh, achja, und es wird einem immer vorgehalten: Wer nicht wählen geht, dürfe sich hinterher nicht beschweren.

Mhm… schon mal überlegt, was Sie so zu zustimmen, wenn Sie zur Wahl gehen?

Einer Partei, die sukzessive Geld in staatlichen Privilegsinstitutionen vernichtet, sozial predigt und kapitalshörig wirkt und konzept-, ahnungs- und planungslos auf die Themen Jugendarbeitslosigkeit, Pensionen, Bildung und Forschung, sowie Energie, Migration und Kriminalität zuwatschelt wie Alfred Judokus Quak, mit einem Mann an der Spitze, der quasi die fleischgewordene Privilegskapitalvernichtung darstellt und nicht einmal weiß, wie man Durchschnittsgehalt buchstabiert?!

Oder einer Partei, die gar nicht so tut als wolle sie sozial sein, sondern die den Neoliberalismus am Opferaltar von Lebensqualität, fairer Bezahlung und Sozialstaat anbetet und sich quasi an der freie Marktwirtschaft der USA geilreibt und die ebenso ahnungslos in die Zukunft von Bildung, Forschung und Pensionen blickt?!

Einer Partei, die die einzige Chance auf langfristige Wettbewerbsfähigkeit Österreichs und Europas quasi beschneiden will, die überlegt aus dem Euro auszusteigen und sich die folgende wirtschaftliche Isolationshaft Österreichs so schönrechnet wie ein 7-jähriger (Aber die Schweiz hat auch!!), und Stimmenfang mit rechtspopulistischen Parolen betreibt, ohne echte Lösungsansätze für die dahinterliegenden Probleme parat zu haben?!

Einer Partei, die linkspopulistischen Stimmenfang betreibt und größtenteils alle realen Probleme ignoriert, weil sie sich lieber um Fußgängerzonen, Fußgängerbeauftragte, Radfahrbeauftragte, höhere Parkstrafen und 30er und 80er-Zonen, (allesamt extrem linkspopulistisch mit einem realen Nutzen von 0) kümmert und die in der Ausländerpolitik eine, links äußerst populäre, Themenverfehlung betreibt, dass sie quasi Wahlwerbung für die Rechtspopulisten macht, während sie über das Regime Putins wettert, aber sich gleichzeitig einen EU-Beitritt der (total demokratischen, offenen, aufgeschlossenen, ehrenmordfreien, menschenrechtsbeachtenden) Türkei vorstellen kann?!

Einer neuen Partei, die versucht die ÖVP auf der neoliberalistischen Überholspur mit Schallgeschwindigkeit versucht zu überholen und sich komplett dem Markt und der Wirtschaft verschrieben hat und somit ebenso kein Problem hat, die Türkei ins Boot zu holen?!

Oder einer der anderen Spaßparteien, die irgendwelche Extreme vertreten? Wie Christen… oder Haideristen?

Ganz ehrlich, sie stimmen lieber einer dieser Parteien zu, als keiner?! Das würde mich, gelinde gesagt, erschrecken…

Aber dann kommt das große Argument gegen das Nichtwählen: Wer nicht hingeht, stimmt allen zu…!

Im Moment stellt es sich leider noch so dar… was aber eine absolute Frechheit ist! Wo ist das Feld “unzufrieden mit allen angetretenen Parteien”???!?
Und wo ist die zugehörige Quote, dass mindestens 80% der Stimmen einer Partei gegeben werden müssen, oder es gibt automatisch Neuwahlen?!?

Was glauben Sie, wie da die Wahlbeteiligung in die Höhe schnellen würde und in welchem dramatischen Ausmaß beim ersten Wahlgang dieser Art alle Parteien abstürzen würden wie die Gelsen am UV-Vernichter?!?
Da müssten sich die Guten mal wirklich neue Programme einfallen lassen, bis sie wieder gewählt werden würden…

Doch das ist leider noch nicht so… und mit Nichtwählen stimmt man leider tatsächlich nicht keinem, sondern allen zu…

Und so stehe ich vor der grausamen, fast schon tragischen Wahl: Allen zustimmen und mich dann für jede zukünftig politische Entscheidung zu hassen, egal wer sie trifft, oder nur eine Partei zu unterstützen und mich dann zumindest nur mehr teilweise hassen zu müssen und den Rest der Zeit meinen Zorn auf andere lenken zu können…?!

Grotesk, oder?! Wie eine Wahl runterbricht auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Frustzornprojektionsfläche?!

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Das Problem am Wurstsieg

Vorweg: Ich bin kein Patriot in dem Sinne, dass ich mich nicht freue, wenn Österreich irgend einen Bewerb gewinnt, egal welche Disziplin. Denn für mich gewinnt immer nur eine Person oder ein Team, was hat das Land damit zu tun?! Wenn ein Österreicher, den ich nicht kenne (wie den Großteil davon), eine Goldmedaille bei Olympia gewinnt, habe ich genau was damit zu tun?! Irgendwie nix… ich hab nichts dazu beigetragen und der Mensch ist ja kein Freund von mir, dass ich mich für ihn freue. Genau so ist das für mich bei Conchita Wurst bzw. Tom Neuwirth. Kenne ich nicht. Der Umstand, dass wir im gleichen Land leben hilft mir jetzt nicht sehr viel.

Aber ich finde den Sieg nicht unproblematisch – warum?

Der Song, den Conchita performed hat ist vollkommen belanglos. Er hat eine absolut gleiche Anmutung wie jener von Nadine Beiler vor zwei Jahren, und wir wissen ja, wie das geendet hat. Überhaupt, ein interessanter Blickwinkel: Wie hätte ‘Rise like a Phoenix’ abgeschnitten, wenn zB Nadine Beiler damit heuer angetreten wäre?! Ich schätze genauso, wie ihr eigener Song ‘The Secret is love’ – rund um Platz 18.

Gewonnen hat sie also wegen des Statements, dass sie mit ihrer Erscheinung abgibt – nämlich der Forderung nach Toleranz. Toleranz für Homosexuelle. Was ja eine vollkommen berechtigte Forderung ist. Aber… ist da wirklich Toleranz gelebt geworden?! Bei diesem Voting?! Bei dem jemand aufgrund seiner Sexualität einen Songcontest gewann?!

Wäre nicht die wahre Toleranz gewesen, Conchitas Sexualität zu ignorieren und ihren Song und ihre Performance unabhängig davon zu bewerten?! Das wäre doch die Welt, von der sie selbst spricht: Wo jeder frei so leben kann wie er mag, ohne dafür schräg angeschaut oder sogar angefeindet zu werden.

Ein bissl habe ich das Gefühl, viele der Toleranz-Schreier in den sozialen Netzwerken haben einen Hauptfokus: Nämlich die absolut klare Selbstdarstellung als Toleranzapostel – und ich glaub, darum sollt’s ned gehen…!

In Wahrheit ist das doch komplette umgekehrte Diskriminierung, quasi positive Diskriminierung – aufgrund sexueller Orientierung ungerecht bevorzugt. Auch interessant. Aber schade eigentlich, weil das zeigt, wie weit wir von wahrer Gleichbehandlung  noch entfernt sind.

Denn bei wahrer Gleichbehandlung hätten die Zuseher Europas den Mann im Frauenkleid mit Bart zwar mit einem ‘Aha’ zur Kenntnis genommen und dann einfach gesagt: ‘Naja, aber die Schnarchnummer ist echt fad’ und sie wäre irgendwo im letzten Drittel gelandet. Wobei ich mir fast sicher bin, dass dann Unzählige geschrieen hätten ‘Homophobes Scheißeuropa’ und ‘Schwulenhasser’ und so weiter und so fort…

Dass jegliche Anfeindung gegen Conchita indiskutabel ist, brauche ich ja nicht erwähnen, aber was ich sagen will: Nicht nur aufgrund der Anfeindungen zeigt uns Conchita was für einen weiten Weg zur wahren Toleranz die Gesellschaft noch vor sich hat – denn in einer wirklich toleranten, akzeptierenden Welt hätte sie nie gewonnen… zumindest nicht den Songcontest – dafür aber wahre Gleichbehandlung.

Aber wahrscheinlich müssen die Menschen sich noch eine Zeit lang als obertolerant definieren indem sie Homo- oder Transsexuellen euphorisch zujubeln nur um vor sich und jedem anderen ja zu beweisen, wie tolerant sie eben sind, bis sie es erst wirklich werden und ihnen dann endlich von ganzem, toleranten Herzen her blunzen’wurscht’ ist, was eine Person mit ihren Genitalien (oder ihrem Damenbart) aufführt, bis sie jemanden nicht mehr anfeuern oder anfeinden aufgrund seiner Sexualität, sondern ihn aufgrund seiner Persönlichkeit respektieren (oder eben auch nicht, je nachdem)

Wär leiwand, wenn ich das noch erleben könnt…!

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Smartphones zerstören unser Leben

Die Jugend heute… die können ja nicht einmal mehr miteinander reden! Die sitzen alle in der Bim oder im Bus und schauen in deppat ins Handy eine!
Wie wir noch jung waren, da haben wir noch draußen gespielt miteinander…! Aber die heutigen, die können ja ned amal mehr draußen spielen…! Oder mit Figuren spielen und sich Geschichten überlegen…! Die Heutigen können nur mehr deppat Computer spielen…!
Die Jugend und überhaupt die Leut’, die werden ganz deppat durch Smartphones und Tablets und Facebook und das Internet und was auch immer!!
Und dann meine Lieblinge, die Leute, die Spruchbilder auf Facebook posten mit so sinnentleerten Texten wie: ‘Smartphones make dumb people” oder “als ich noch ein Kind war, kam ich mit aufgeschürften Knien nach Hause und konnte meine Freunde nicht anrufen, sondern musste bei ihnen daheim anläuten!” und die dann dazuschreiben: ‘Genau…!’ oder: ‘So isses’… oder in jüngster Zeit das Video ‘Look Up‘, wo dann welche schreiben: ‘traurige Wahrheit!’

Leute, Schluss mit diesem illusorischen Massen-Nostalgiewahn! Das ist doch echt lächerlich…
‘Früher haben wir das alles nicht gehabt und sind trotzdem groß geworden!’ -soll das jetzt irgendeine Leistung sein?! Beeindruckend oder so?! Sorry, aber;
Dinge, ohne die Generationen vor dir auskamen und auch groß wurden:
-Fernsehen, -aufgezeichneter Musik, -Fließwasser, -Autos, -Medikamente, -Plastik, -Strom, -Demokratie, -Metall, -Häusern, -Hütten, -Feuer, -Sprache, -aufrechten Gang…
Ob wohl Ugh zu Ughugh damals gegrunzt hat: Uuughughughhhguuuh… (die Jugend von heute… können ned amal mehr a Mammut roh essen! Wir haben auch ka Feuer g’habt und sind groß geworden!) Wäre vorstellbar, aber ich bin froh, dass sich die Jungen mit dem Feuer durchgesetzt haben… denn diese Einstellung: ‘Hob i ois a Junga a ned g’hobt, brauchst du a ned’ hätte uns nie aus den Höhlen herausgelassen…!
‘Aber die verlernen ja miteinander zu reden oder die Natur anzuschauen, die schauen nur mehr deppat ins Smartphone!!’ -ja, genau so wird’s sein… ich lade euch ein, mal mit einem öffentlichen Verkehrsmittel vor Schulbeginn oder nach Schulende zu fahren… ihr würdet euch wünschen, dass die wenigstens für 10 Minuten alle auf ihr Handy schauen würden! Abgesehen von dieser wenig beweiskräftigen Einzelbeobachtung: Kommunikationsstudien zeigen, dass die Kommunikativität nicht abgenommen hat, sondern durch soziale Netzwerke (sie heißen ja schon ‘sozial’) zugenommen und sich etwas verlagert hat… sie reden viel mehr miteinander, sogar wenn sie gerade gar nicht beinander sind. Sie können sich mehr austauschen und in der schnelllebigen Gegenwart viel stärker identifizieren und selbst definieren – wie es wir als Kinder auch getan haben (Über Musik, Kleidung, Lokale, Rauchen, etc., whatever)
Oh und wegen Natur und so: Nach Selfies und neben Spruchbildern und Essen meistgepostet: Landschaftsfotos, Naturfotos…!
‘Aber diese Zombies, die da alle deppat ins Handy reinschauen, hirnlose Drohnen!’ -jap, wenn das einfach flache Taschenlampen wären, in die Menschen hineinschauen würden, würde ich zustimmen… aber diese Wunderwerke der Technik geben den Menschen in der Ubahn und im Bus den Zugang zum Gesammelten Wissen der Menschheit, zu allen aktuellen Nachrichten aus der gesamten Welt, zu Musik, zu Unterhaltung, zu Spiel und Spaß und zu ihrem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis, sowie zu ihrem Arbeitsplatz und zur modernen Popkultur in all ihren Facetten…
Und ja, manche spielen Angry Birds oder Bubbles oder was auch immer, aber Spiele zum Zeitvertreib, ohne tieferen Sinn, spielt die Menschheit seit Jahrtausenden… es können Smartphones wenig dafür, dass unsere Existenz sinnentleert und öde ist…!
Vor allem, was ist die bessere Alternative? Im Bus sitzen und aus dem Fenster starren? Oder auf den Nacken des Vordermanns?! Na Weltklasse, ja, heroisch, wie man diese Kindheit überlebt hat. Und reden? Wenn man alleine unterwegs ist?! Klar, mit Wildfremden im Bus zu quatschen anfangen, hört man immer so tiefsinnige Gespräche “Nau, des Wetta… is a a Waunsinn, gö?!” “Jo, na, wirklich… a Waunsinn…” “Gö, orgh… des mit dem Wetta… gestern, gö?” “Jo, gestern no so… und heit scho wieda…” “Jo, heit scho wieda gaunz anders…!” Ahmmmm… yeah, welcome to the real world… da kämpf ich lieber um den neuen Bubble-Worlds-Rekord und trainiere meine Hand-Augen-Koordination, Feinmotorik und meine Problemlösungs-skills…!
Mein Punkt ist: Hört auf mit dieser “früher war alles besser weil wir nichts hatten”-Scheinnostalgie! Sie ist Schwachsinn! Ihr hattet Dinge nicht – Punkt. Das macht euch weder besser, noch härter oder stärker, sondern nur eines: gefährdet, nicht mithalten zu können. Die Technikverweigerer sind heute jene, die darwinistisch ausselektiert werden! Was nãmlich die Jugend von heute kann: die Technik von morgen verstehen und bedienen! Und wer darauf beharrt, dass ‘er den Schas ollas ned braucht’, den wird bald der Arbeitsmarkt nicht mehr brauchen… oder wie viele Eltern gehen heute zu ihren Kindern und lassen sich zornig erklären, wie man im Word die Autokorrektur deaktiviert?!
Statt Kinder und Jugendliche runterzumachen für ihren Umgang mit und die Integration von moderner Technik im Alltag, versucht lieber davon zu lernen… könnte noch wichtig werden!

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