Smartphones zerstören unser Leben

Die Jugend heute… die können ja nicht einmal mehr miteinander reden! Die sitzen alle in der Bim oder im Bus und schauen in deppat ins Handy eine!
Wie wir noch jung waren, da haben wir noch draußen gespielt miteinander…! Aber die heutigen, die können ja ned amal mehr draußen spielen…! Oder mit Figuren spielen und sich Geschichten überlegen…! Die Heutigen können nur mehr deppat Computer spielen…!
Die Jugend und überhaupt die Leut’, die werden ganz deppat durch Smartphones und Tablets und Facebook und das Internet und was auch immer!!
Und dann meine Lieblinge, die Leute, die Spruchbilder auf Facebook posten mit so sinnentleerten Texten wie: ‘Smartphones make dumb people” oder “als ich noch ein Kind war, kam ich mit aufgeschürften Knien nach Hause und konnte meine Freunde nicht anrufen, sondern musste bei ihnen daheim anläuten!” und die dann dazuschreiben: ‘Genau…!’ oder: ‘So isses’… oder in jüngster Zeit das Video ‘Look Up‘, wo dann welche schreiben: ‘traurige Wahrheit!’

Leute, Schluss mit diesem illusorischen Massen-Nostalgiewahn! Das ist doch echt lächerlich…
‘Früher haben wir das alles nicht gehabt und sind trotzdem groß geworden!’ -soll das jetzt irgendeine Leistung sein?! Beeindruckend oder so?! Sorry, aber;
Dinge, ohne die Generationen vor dir auskamen und auch groß wurden:
-Fernsehen, -aufgezeichneter Musik, -Fließwasser, -Autos, -Medikamente, -Plastik, -Strom, -Demokratie, -Metall, -Häusern, -Hütten, -Feuer, -Sprache, -aufrechten Gang…
Ob wohl Ugh zu Ughugh damals gegrunzt hat: Uuughughughhhguuuh… (die Jugend von heute… können ned amal mehr a Mammut roh essen! Wir haben auch ka Feuer g’habt und sind groß geworden!) Wäre vorstellbar, aber ich bin froh, dass sich die Jungen mit dem Feuer durchgesetzt haben… denn diese Einstellung: ‘Hob i ois a Junga a ned g’hobt, brauchst du a ned’ hätte uns nie aus den Höhlen herausgelassen…!
‘Aber die verlernen ja miteinander zu reden oder die Natur anzuschauen, die schauen nur mehr deppat ins Smartphone!!’ -ja, genau so wird’s sein… ich lade euch ein, mal mit einem öffentlichen Verkehrsmittel vor Schulbeginn oder nach Schulende zu fahren… ihr würdet euch wünschen, dass die wenigstens für 10 Minuten alle auf ihr Handy schauen würden! Abgesehen von dieser wenig beweiskräftigen Einzelbeobachtung: Kommunikationsstudien zeigen, dass die Kommunikativität nicht abgenommen hat, sondern durch soziale Netzwerke (sie heißen ja schon ‘sozial’) zugenommen und sich etwas verlagert hat… sie reden viel mehr miteinander, sogar wenn sie gerade gar nicht beinander sind. Sie können sich mehr austauschen und in der schnelllebigen Gegenwart viel stärker identifizieren und selbst definieren – wie es wir als Kinder auch getan haben (Über Musik, Kleidung, Lokale, Rauchen, etc., whatever)
Oh und wegen Natur und so: Nach Selfies und neben Spruchbildern und Essen meistgepostet: Landschaftsfotos, Naturfotos…!
‘Aber diese Zombies, die da alle deppat ins Handy reinschauen, hirnlose Drohnen!’ -jap, wenn das einfach flache Taschenlampen wären, in die Menschen hineinschauen würden, würde ich zustimmen… aber diese Wunderwerke der Technik geben den Menschen in der Ubahn und im Bus den Zugang zum Gesammelten Wissen der Menschheit, zu allen aktuellen Nachrichten aus der gesamten Welt, zu Musik, zu Unterhaltung, zu Spiel und Spaß und zu ihrem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis, sowie zu ihrem Arbeitsplatz und zur modernen Popkultur in all ihren Facetten…
Und ja, manche spielen Angry Birds oder Bubbles oder was auch immer, aber Spiele zum Zeitvertreib, ohne tieferen Sinn, spielt die Menschheit seit Jahrtausenden… es können Smartphones wenig dafür, dass unsere Existenz sinnentleert und öde ist…!
Vor allem, was ist die bessere Alternative? Im Bus sitzen und aus dem Fenster starren? Oder auf den Nacken des Vordermanns?! Na Weltklasse, ja, heroisch, wie man diese Kindheit überlebt hat. Und reden? Wenn man alleine unterwegs ist?! Klar, mit Wildfremden im Bus zu quatschen anfangen, hört man immer so tiefsinnige Gespräche “Nau, des Wetta… is a a Waunsinn, gö?!” “Jo, na, wirklich… a Waunsinn…” “Gö, orgh… des mit dem Wetta… gestern, gö?” “Jo, gestern no so… und heit scho wieda…” “Jo, heit scho wieda gaunz anders…!” Ahmmmm… yeah, welcome to the real world… da kämpf ich lieber um den neuen Bubble-Worlds-Rekord und trainiere meine Hand-Augen-Koordination, Feinmotorik und meine Problemlösungs-skills…!
Mein Punkt ist: Hört auf mit dieser “früher war alles besser weil wir nichts hatten”-Scheinnostalgie! Sie ist Schwachsinn! Ihr hattet Dinge nicht – Punkt. Das macht euch weder besser, noch härter oder stärker, sondern nur eines: gefährdet, nicht mithalten zu können. Die Technikverweigerer sind heute jene, die darwinistisch ausselektiert werden! Was nãmlich die Jugend von heute kann: die Technik von morgen verstehen und bedienen! Und wer darauf beharrt, dass ‘er den Schas ollas ned braucht’, den wird bald der Arbeitsmarkt nicht mehr brauchen… oder wie viele Eltern gehen heute zu ihren Kindern und lassen sich zornig erklären, wie man im Word die Autokorrektur deaktiviert?!
Statt Kinder und Jugendliche runterzumachen für ihren Umgang mit und die Integration von moderner Technik im Alltag, versucht lieber davon zu lernen… könnte noch wichtig werden!

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One thought on “Smartphones zerstören unser Leben

  1. DaHerzog says:

    Es ist schon richtig so, die Technik ein Wunderwerk, ein Zugriff auf Wissen, Nachrichten, Spiele und Co. Und auch die Aussage, “Entweder gehst du mit der Zeit, oder du gehst mit der Zeit”, ist richtig. Aber worum es den meisten doch geht ist der zwischenmenschliche Aspekt.

    Ich besitze ein Smartphone. Und wie oft hätte ich ohne die Taschenlampe, den Rechner, die Karten und die Musik blöd drein gschaut. Nun besitze ich also ein Smartphone, aber wie die meisten höre ich lieber Musik, ganz ganz laut, als das ich mich von einem Fremden in der U-Bahn ansprechen lasse. Wurscht ob er mir eine Tschick schnorren möchte oder etwas erzählen will.

    Gott.. das ein völlig Fremder ohne Grund mit mir redet und mir etwas erzähl.. das ist schon lang her. Wie lange genau weiß ich nicht, aber ich weiß das Steve Jobs noch lebte.

    Worauf ich hinaus will ist, dass es nicht die Technik ist, die uns zu unempfindlichen Wesen voller Berührungsängste macht, sondern unsere Einstellung, unsere Haltung unseren Mitmenschen gegenüber.

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