Meine Nichtwähler-Propaganda

Haben Sie schon mal nicht-gewählt?! Also bewusst meine ich jetzt… nicht weil Sie verschlafen oder vergessen haben, sondern weil Sie sich intensiv mit den wahlwerbenden Parteien beschäftigt und dann festgestellt haben, dass Sie keine dieser Fraktionen mit gutem Gewissen wählen können?
Dann gratuliere ich ihnen. Ja, ehrlich. Denn das erfordert Mut, eigentlich. Denn recht schnell wird man dann angefeindet, als ignorant, als Alles-Zustimmer, als Gestaltungsverweigerer, oh, achja, und es wird einem immer vorgehalten: Wer nicht wählen geht, dürfe sich hinterher nicht beschweren.

Mhm… schon mal überlegt, was Sie so zu zustimmen, wenn Sie zur Wahl gehen?

Einer Partei, die sukzessive Geld in staatlichen Privilegsinstitutionen vernichtet, sozial predigt und kapitalshörig wirkt und konzept-, ahnungs- und planungslos auf die Themen Jugendarbeitslosigkeit, Pensionen, Bildung und Forschung, sowie Energie, Migration und Kriminalität zuwatschelt wie Alfred Judokus Quak, mit einem Mann an der Spitze, der quasi die fleischgewordene Privilegskapitalvernichtung darstellt und nicht einmal weiß, wie man Durchschnittsgehalt buchstabiert?!

Oder einer Partei, die gar nicht so tut als wolle sie sozial sein, sondern die den Neoliberalismus am Opferaltar von Lebensqualität, fairer Bezahlung und Sozialstaat anbetet und sich quasi an der freie Marktwirtschaft der USA geilreibt und die ebenso ahnungslos in die Zukunft von Bildung, Forschung und Pensionen blickt?!

Einer Partei, die die einzige Chance auf langfristige Wettbewerbsfähigkeit Österreichs und Europas quasi beschneiden will, die überlegt aus dem Euro auszusteigen und sich die folgende wirtschaftliche Isolationshaft Österreichs so schönrechnet wie ein 7-jähriger (Aber die Schweiz hat auch!!), und Stimmenfang mit rechtspopulistischen Parolen betreibt, ohne echte Lösungsansätze für die dahinterliegenden Probleme parat zu haben?!

Einer Partei, die linkspopulistischen Stimmenfang betreibt und größtenteils alle realen Probleme ignoriert, weil sie sich lieber um Fußgängerzonen, Fußgängerbeauftragte, Radfahrbeauftragte, höhere Parkstrafen und 30er und 80er-Zonen, (allesamt extrem linkspopulistisch mit einem realen Nutzen von 0) kümmert und die in der Ausländerpolitik eine, links äußerst populäre, Themenverfehlung betreibt, dass sie quasi Wahlwerbung für die Rechtspopulisten macht, während sie über das Regime Putins wettert, aber sich gleichzeitig einen EU-Beitritt der (total demokratischen, offenen, aufgeschlossenen, ehrenmordfreien, menschenrechtsbeachtenden) Türkei vorstellen kann?!

Einer neuen Partei, die versucht die ÖVP auf der neoliberalistischen Überholspur mit Schallgeschwindigkeit versucht zu überholen und sich komplett dem Markt und der Wirtschaft verschrieben hat und somit ebenso kein Problem hat, die Türkei ins Boot zu holen?!

Oder einer der anderen Spaßparteien, die irgendwelche Extreme vertreten? Wie Christen… oder Haideristen?

Ganz ehrlich, sie stimmen lieber einer dieser Parteien zu, als keiner?! Das würde mich, gelinde gesagt, erschrecken…

Aber dann kommt das große Argument gegen das Nichtwählen: Wer nicht hingeht, stimmt allen zu…!

Im Moment stellt es sich leider noch so dar… was aber eine absolute Frechheit ist! Wo ist das Feld “unzufrieden mit allen angetretenen Parteien”???!?
Und wo ist die zugehörige Quote, dass mindestens 80% der Stimmen einer Partei gegeben werden müssen, oder es gibt automatisch Neuwahlen?!?

Was glauben Sie, wie da die Wahlbeteiligung in die Höhe schnellen würde und in welchem dramatischen Ausmaß beim ersten Wahlgang dieser Art alle Parteien abstürzen würden wie die Gelsen am UV-Vernichter?!?
Da müssten sich die Guten mal wirklich neue Programme einfallen lassen, bis sie wieder gewählt werden würden…

Doch das ist leider noch nicht so… und mit Nichtwählen stimmt man leider tatsächlich nicht keinem, sondern allen zu…

Und so stehe ich vor der grausamen, fast schon tragischen Wahl: Allen zustimmen und mich dann für jede zukünftig politische Entscheidung zu hassen, egal wer sie trifft, oder nur eine Partei zu unterstützen und mich dann zumindest nur mehr teilweise hassen zu müssen und den Rest der Zeit meinen Zorn auf andere lenken zu können…?!

Grotesk, oder?! Wie eine Wahl runterbricht auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Frustzornprojektionsfläche?!

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3 thoughts on “Meine Nichtwähler-Propaganda

    • Hmm… prinzipiell keine schlechte Idee… ohne finanzielle Mittel aber wohl ein äußerst sinnloses Unterfangen… denkst du nicht?
      Und in den etablierten Parteien einsteigen und an der Änderung von unten heraus zu arbeiten ist ein Kampf gegen Windmühlen…

  1. jojojo says:

    “Wo ist das Feld “unzufrieden mit allen angetretenen Parteien”???!?”
    Das ist der unsichtbare Penis quer über dem Stimmzettel, den man schlicht nachzeichnen muss um UNGÜLTIG zu wählen. Das kann man machen, fühlt sich mitunter gut an und macht (nicht nur) meiner Meinung nach mehr Sinn als nicht zu wählen. Übrigens wird EU-anders im Text nicht erwähnt, bzw kann ich es nicht rauslesen.

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