Je suis enculé

Eine gezeichnete Karikatur. Zu sehen: Ein Gay-Community-Laufevent, am Boden ein Packerl 500€-Scheine, alle Männer schauen hin, laufen aber dran vorbei – darunter der Satz: „Der beste Ort, um ein Packerl 500er zu verlieren ist ein Schwulen-Lauf, denn da traut sich niemand danach zu bücken!“
So. Hab ich grade erfunden, gibt’s nicht, diese Karikatur (zumindest kenne ich sie nicht). Einige fänden das sicher lustig. Ich glaube sogar viele. Viele Schwule würden sich dadurch aber vielleicht extrem angegriffen fühlen. Wer will schon so hingestellt werden, als würde er augenblicklich alles vögeln, was sich auch nur vor ihm bückt? Wer will so dermaßen auf seine sexuelle Ausrichtung reduziert werden? Viele Schwule wollen das sicher nicht.
Ich traue mich sogar zu behaupten, dass es da einen Aufschrei gäbe in der Community. Diskriminierung, Homophobie, Homohass, etc. Zurecht auch irgendwie, kann man sich denken. Warum muss man denn unbedingt so einen Witz machen, wenn man weiß, dass sich dadurch Leute beleidigt, angegriffen oder herabgewürdigt fühlen?
Weil man es kann! Die Meinungsfreiheit diktiert, dass wir alles und jeden verarschen dürfen… naja, fast alles… einen Haufen Schwarze an Lianen schwingend mit jeder Menge Stauden Bananen zu zeichnen und zu schreiben: „Einkaufssamstag im Kongo“ geht nicht, das… wollen wir nicht… ist politisch inkorrekt und offended die afrikanische Community…
Ein Konzert am Tag nach dem Life-Ball mit all seinen Besuchern zu zeichnen, auf dem aber alle stehen, obwohl es eigentlich nur Sitzplätze gibt und drunter zu schreiben: „Nein, es gab nicht schon vor Konzertbeginn Standing Ovations, es konnte sich nur keiner hinsetzen“, das ist auch ein bisschen heikel… muss ja nicht sein, lassen wir weg…
Zeichnen wir doch den Propheten Mohammed und verarschen den ein bisschen – AUF JEDEN FALL, das MÜSSEN WIR TUN, denn wir sind eine liberale, offene Gesellschaft und da darf es keine Sprech- und Denkverbote geben!
Nur um das gleich klarzustellen, ich verteidige hier natürlich in keiner Weise die furchtbaren Angriffe auf Charlie Hebdo, die brutalen Morde oder sonstige Drohungen und Reaktionen von radikalen Terroristen.
Ich finde es eigentlich nur unfassbar interessant, wie unterschiedlich diese Linie der Selbstzensur gezogen wird. Schwarze haben wir scheinbar soweit akzeptiert, dass uns ihre Gefühle wichtig sind. Schwule auch. Moslems…? Nein, denen können wir schon ins Gesicht scheißen, ist ja unser gutes Recht…

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