Todesfalle Flugzeug

“Horrorcrash mit 150 Toten!” “Wieder eine schreckliche Tragödie mit einem Flugzeug!” oder “Ist Fliegen noch sicher?!?!” lesen und hören wir seit gestern Früh in allen Medien.
Ja, ein Flugzeug ist abgestürzt, ja, es sind 150 Menschen gestorben, ja, das ist für deren Angehörige ein Schock und eine Tragödie… aber Fliegen ist immer noch die sicherste Reisemöglichkeit der Welt… denn 150 Menschen, die auf einen Schlag sterben, schockieren. Allerdings nur, weil einem die Relation fehlt.
Jeden Tag verunglücken 70 Menschen tödlich auf Europas Straßen. Das heißt, alle 2 Tage sterben fast so viele Menschen, wie bei diesem Flugzeugunglück! Alle… 2… Tage! Kann man getrost als “auf einmal” bezeichnen, nur wird darüber nicht so intensiv berichtet. Stellen Sie sich vor, jede Woche gäbe es einen Bericht über alle Verkehrstoten der vergangenen 7 Tage in Europa, genau so ausführlich wie über einen Flugzeugabsturz – kaum jemand würde noch schneller als 20km/h fahren. Von der Opferzahl her wäre solch eine Berichterstattung prinzipiell gerechtfertigt, immerhin sterben europaweit in 7 Tagen knapp 500 Menschen auf den Straßen. Das sind übrigens genau so viele Menschen, wie welt(!)weit bei Flugzeugabstürzen sterben. Pro Jahr!
Doch das alles ist noch gar nichts. Alle 5 Sekunden stirbt auf dem Planet laut UNICEF ein kleines Kind. Der absolute Löwenanteil in der dritten Welt. 3 Kinder sind also ca gestorben, seit Sie diesen Artikel lesen, außer Sie lesen langsam, dann 4 oder 5. Das sind über 17.000 pro Tag. 6,3 Millionen pro Jahr. Media Coverage? Ab und zu mal eine Meldung, wenn irgendeine Hilfsorganisation darauf aufmerksam macht. Öffentliche Wahrnehmung? “Ja, is tragisch, kann man nix machen”, was interessanterweise die richtige Reaktion auf den Flugzeugabsturz wäre und genau die falsche für die Kinder (und auch Erwachsenen btw) der dritten Welt. Denn für deren Tod sind wir indirekt mitverantwortlich, vor allem aber könnte ihnen leicht geholfen werden. Tut man aber nicht. Dann würden nämlich die Nike-Schuhe mehr kosten. Oder das Smartphone. Aber gut, wer will sowas schon hören?! Ist natürlich angenehmer, es mit der Schulter wegzuzucken.
Doch das ist ja die dritte Welt, so weit weg, das kann man nicht richtig fassen… Ok – 55 Menschen sterben jeden Tag(!) in Österreich an Krebs… das sind 20.000 pro Jahr… nur in Österreich. Die wenigsten davon können etwas dafür, genau so wie die Opfer der germanwings-Maschine.
Ich will damit die Tragödie nicht schmälern oder den Tod der Menschen an Bord nicht herunterspielen oder in die Bedeutungslosigkeit drängen, sondern ich möchte der Panikmacherei der Boulevard- und leider auch Qualitätsmedien entgegenwirken und Ihnen ein bisschen ein Gefühl für Relation und Statistik geben. Und Sie vielleicht davon abhalten, bei jedem Anstandstrauerhype auf Facebook gleich mitzumachen. Oder zumindest vorher kurz darüber nachzudenken, warum diese Toten mehr Anteilnahme verdient haben, als die junge Mutter die an Krebs gestorben, das kleine Kind, das verhungert oder die junge Familie, die bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist.
Wenn Sie beim nächsten Flug am Gate sitzen und Angst haben zu sterben, dann machen Sie sich bewusst, dass Sie die größte Gefahr bereits überstanden haben – die Fahrt zum Flughafen.

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Pensionen müssten abgeschafft werden

Umsonst ist im Leben nur der Tod, und sogar der kostet einen das Leben… nette, leicht morbide Volksweisheit, die aber natürlich eine grundlegende Wahrheit behandelt – alles im Leben kostet etwas, vor allem auch leben an und für sich!
Das Steuerkabarett (sorry, wenn die es selbst nicht ernst nehmen, muss ich auch nicht) lässt sich zusammenfassen als Nullsummenspiel, das ausschließlich Verlierer hat, abgesehen vom Staat. Eine Lohnsteuersenkung, die durch eine Erhöhung der Mehrwersteuer auf Massenartikel refinanziert wird und durch schärfere Kontrolle und die Registrierkassenpflicht für kleine Unternehmen, die ohnehin kaum über die Runden kommen, ist weder sozial noch volkswirtschaftlich sinnvoll. Aber abgesehen davon – der größte Ausgabenbrocken im Budget sind die Pensionen und da ist wieder nichts passiert.
Schelling hat angedacht, das Frauenpensionsantrittsalter etwas rascher anzuheben und hat sich dafür natürlich gleich seine Watschen abgeholt, weil Gleichberechtigung ist gut, solang die Frauen etwas gleicher berechtigt werden… (ja, Kinderbetreuung und Haushalt noch immer vermehrt Frauensache – einerseits Tendenz sinkend, anderseits: Wie wär’s mit “gutem Beispiel vorangehen”?!)
Aber das ist ja gar nicht das Thema, sondern: WiFo-Chef Aiginger schlägt in der Pressestunde schon vor, über die nächste Anhebung des Pensionsantrittsalters nachzudenken…!
“Was wollen die denn?!?! Sollen wir bis 75 arbeiten?!?!” Nun, eigentlich schon, oder?
Schauen wir mal kurz zurück in die Vergangenheit. In den 50er und 60er Jahren lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Österreich bei rund 65-67 Jahren… heute liegt sie bei fast 81 – was toll ist, nur… eben auch Geld kostet!
Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter ist auf 58 Jahre angestiegen, was 23 Jahre Geldbezug ohne Beitrag bedeutet! Nebenbei ist die Geburtenrate seit den 60ern von fast 3 auf inzwischen 1,44 gesunken.
Zusammengefasst: Die Menschen leben um rund 13 Jahre länger, wollen aber keine Stunde länger arbeiten und kriegen auch keine Kinder mehr, die ihren vierteljahrhundertjährigen Lebensabendsurlaub finanzieren!
Gut, “wollen” keine Stunde länger arbeiten… klar, wären wir nicht alle gerne reich und müssten uns um Geld keine Sorgen machen?! Wäre schön, entspricht nur leider nicht der Realität!
Die Frage ist, wieso man eigentlich glaubt, ein Recht darauf zu haben, der Gesellschaft irgendwann auf der Tasche zu liegen. Wer sagt, dass das in irgendeiner Art und Weise richtig oder gerechtfertigt ist? Klar, man hat ja lange genug ins System eingezahlt, jetzt will man aber auch etwas davon haben… so wie… Infrastruktur… Schulen… Medizinische Versorgung… Schutz und Sicherheit… und so…?
So viel der Staat bei uns auch falsch macht, manchmal frage ich mich, ob manchen Leuten prinzipiell klar ist, dass der Staat dennoch vieles erhält, wovon ‘sie etwas haben’…? Du kannst nur so lange am Spielautomaten spielen, so lang du Münzen einwirfst und du kannst in der Bar nur so lange trinken, wie du zahlen kannst. Aber im Staat soll man dann irgendwann einfach gratis leben können, weil man doch bisher brav eingezahlt hat.
Erklären Sie mal dem Kellner “Jetzt hab ich die letzten 20 Bier so brav bezahlt, jetzt möchte ich die nächsten 10 gefälligst gratis, damit ich auch mal was von dem habe, was ich bisher gezahlt habe!” Er wird wohl sagen “Hawara, davon hattest du die letzten 20 Bier!”
Soll das heißen, ich bin dafür, dass wir bis zum Tod arbeiten?! Nein, ich wäre dafür, dass jeder Mensch nur 10 Jahre lang 15 Wochenstunden arbeiten muss und dann chillen kann, weil die Wirtschaft aufgrund eines vollautomatisierten und volltechnisierten Standards quasi geldlos und menschliche Arbeitskraft obsolet geworden ist. Und in 50 oder 100 Jahren wird das auch eine Option sein. Aber das ist heute einfach nicht realistisch. Genauso wenig, wie ein Vierteljahrhundert in Pension zu sein. Pardon, es ist nicht finanzierbar… Realität ist es ja derzeit.

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Raucher sollen zahlen

Diesmal kein ironischer Titel. Raucher sollen zahlen!
Wie kann ich sowas nur sagen? Bin ich für den Staat? Der nur seine Kassen mit den Rauchern auffüllt?! Der ein Riesengeschäft macht mit den Steuern, die die Raucher zahlen?! Bin ich für den?! Oder bin ich etwa gar gegen die persönliche Freiheit?! Bin ich dagegen, dass ein Mensch selbst bestimmen kann, was er tut und lässt?! Oder bin ich ein militanter Nichtraucher, der einfach nur puren Hass über hat für die Pofler?!
Also ich selbst bin Gelegenheitsraucher. Ich rauche vielleicht ein bis zwei Mal im Monat beim Fortgehen. Ich habe schon mehr geraucht, hatte auch schon Phasen, wo ich täglich bis zu 10 Zigaretten geraucht habe. Also soviel einmal zu meinem Hintergrund zu dem Thema. Ich bin kein militanter Gegner und führe auch keinen persönlichen Feldzug gegen Raucher. Ich bin auch glücklicherweise sehr suchtresistent, was allerdings die Wenigsten sind.
“Was ich mache, ist ja wohl meine Sache!” “Das ist meine persönliche Entscheidung, meine persönliche Freiheit ob ich rauche oder nicht!” “Das ist für mich ein Genussmittel, und das lass ich mir nicht nehmen!” – häufig gehörte Argumente der Raucher… allesamt Schwachsinn.
Rauchen ist eben nicht “eigene Sache”, sondern die eines jeden, der den Passivrauch einatmen muss. Viele Raucher tun das ab, sagen “scheiß di ned au” oder “Geh bitte”. Dass Passivrauch aber nicht vernachlässigbar ist, ist vielfach belegt.
Kleines Gedankenexperiment – stellen Sie sich vor, mein persönlicher Genuss wäre es, Ihnen ein paar Mykrogramm Cobaltchlorid alle zwanzig Minuten in ihr Getränk zu schütten. Hätte keine unmittelbaren negativen Konsequenzen für Sie, würde aber irgendwann ihrer Gesundheit schaden. Sie würden mich fragen, ob es mir nicht ganz gut geht und mich äußerst energisch dazu auffordern, das gefälligst zu unterlassen (wenn Sie mir nicht gleich eine betonieren würden) Wenn Sie als Raucher aber exakt das Gleiche machen, erwarten Sie Akzeptanz und “dass sich eben ned jeder so anscheißen soll”… warum scheißen Sie sich dann so an?!?
“Ja, das wiss ma alles! Es ist aber meine persönliche, freie Entscheidung! Und wennst di so anscheißt, dann geh hoit! Muaßt ja ned bei mir sitzen, wenn i rauch! // muaßt ja ned zu mir auf Besuch kommen, wenn’s di so stört!”
Genau, die eigene, persönliche Freiheit. Oder so… oder vielleicht eine schwere Sucht, die die Gehirnchemie nachhaltig verändert und dadurch in eine willenlose Abhängigkeit führt, die genau gar nichts mit Freiheit und eigener Entscheidung zu tun hat! Es geht sogar soweit, dass Raucher ihre Zigaretten gegenüber sozialen Kontakten vorziehen würden! Ein heftiger, eindeutiger Suchtbeweis!
Witzigerweise rechtfertigen Raucher ihre Sucht vor sich selbst mit dem Argument der Freiheit – gleichzeitig würden sie einen Heroin- oder Methamphetamin-Süchtigen Freund oder Verwandten bei gleicher Argumentation wahrscheinlich unter Tränen versuchen zu überzeugen, dass er krank sei und Hilfe brauche! Beide schädigen sich, beide wissen es und beide scheißen sich nicht darum. (Ist btw auch der Grund, warum ich hier keine Schäden von aktivem Rauchen verlinke – die kennt ja jeder. Ups…)
Gut, aber pfeifen wir mal auf das alles und danken wir doch den Rauchern, dass sie unseren Staat erhalten! So viel Geld, wie sie uns über die Steuern in die Kassen spülen! Und dabei ja auch noch früher sterben und uns somit jede Menge Pensionen ersparen! Quasi Märtyrer, die sich für die Allgemeinheit opfern!
Ja, genau… so halbwegs… fast… quasi… vielleicht… irgendwie… also… nicht… eigentlich. Eigentlich überhaupt nicht!
Rauchen kostet Millionen! Früher sterben und Tabaksteuer sind schön und gut, aber leider fallen Raucher nicht wie vom Blitz erschlagen tot um – sondern sie leiden, lange und behandlungsintensiv! Und das zahlt die Allgemeinheit!
Was wäre also die Lösung des Problems? Zigarettenpreise erhöhen? Schreckbilder auf die Packungen? Aufklärungskampagnen um wiederum Millionen von Euro, die genau nichts bringen, sondern gar noch einen gegenteiligen Trotzeffekt bewirken?!
Eher nicht – aber wie wär’s mit wirklicher Kostenwahrheit? Die Bankomatkarte muss ja jetzt schon beim Automaten zur Verifizierung benutzt werden – wie wär’s, wenn Raucher bei jedem Tabakkauf die eCard vorweisen müssten, auf der die Menge gekaufter Zigaretten registriert würde, wodurch der Sozialversicherungsbeitrag entsprechend angepasst werden könnte? Klingt doch fair, oder?
Ja, klar – das müssten wir dann beim Alkohol aber auch machen – ok, why not?! Und bei den Fetten?! Warum nicht – Meldepflicht für Übergewicht mit regelmäßigen Wiegungen, und wer ohne ärztlich attestierte medizinische Kondition gesundheitsschädigend übergewichtig ist, zahlt mehr in den Topf ein. Es geht eigentlich nicht fairer.
Gläserne Bürger?! Hilfe?! Überwachungsstaat?!? Hm… maybe, aber wollen Sie für die Herzerkrankung, die Raucherlunge, die Leberzirrhose oder das Diabetes derer zahlen, die ihr Leben lang alles dafür tun, um ihre Körper sukzessive zu zerstören?!

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