Hat Gabalier recht?

Ja ja ja, alle anständigen Menschen hassen gerade den Gabalier, weil er ein intoleranter, homophober Chauvinist ist… oder so. Aber… hat er vielleicht irgendwo recht?
Andere Frage – hätte Tom Neuwirth, so ganz als er selbst, ohne der Kunstfigur Conchita Wurst, den gleichen Erfolg eingefahren? Also musikalisch? Weil so singen hätte er ja auch als Mann können. Hm?
Kann es vielleicht sein, dass Andreas Gabalier nicht einmal ansatzweise meinte, dass man es als Homosexueller im alltäglichen Leben leichter hätte, sondern dass offenbar einer auf ihre Sexualität und Geschlechteridentität fokussierten Kunstfigur mehrere Musikpreise einfach nachgeworfen werden, während andere verdiente Künstler leer ausgehen?
Kurz zur Erläuterung, Conchita wurde Künstlerin des Jahres, bekam den besten Song und das beste Video zugesprochen. Der Titel Künstlerin des Jahres gebührt ihr eindeutig, denn der umfasst ja das Gesamtauftreten einer Person und die Idee, für die Einforderung von Toleranz und Akzeptanz als Transvestit mit Vollbart aufzutreten hatte davor noch niemand – absolut verdienter Preis für eine wichtige Message!
Song des Jahres? Rise like a Phoenix? Wie oft haben Sie den Song ab Juni 2014 im Radio gehört? Wenn Sie mehr als 0mal sagen können, wäre ich überrascht. Es ist ganz simpel – wir haben den Eurovision Songcontest mit einem Symbol für Toleranz und einer Message für Gleichberechtigung gewonnen und das ist ja auch wirklich grandios und ein unfassbar wichtiger und richtiger Schritt! Aber könnten wir vielleicht damit aufhören so zu tun, als hätte das irgend etwas mit diesem unsäglich langweiligen, einfallslosen und einschläfernden Song zu tun?
Und bestes Video für “Heroes”… hm… SchwarzWeiß ist jetzt nicht DIE Innovation… Conchita in einem Hochzeitskleid mit Dauerstirnrunzeln… und mehr SlowMo als in 300… ja, da gab’s doch einiges Kreativeres…
Schade, denn in diesen beiden Kategorien gingen nun leider andere Künstler leer aus, die den Push und die PR vielleicht besser hätten brauchen können, als eine omnipräsente Ikone der GayPride-Bewegung.
Niemand, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, würde davon reden, dass heterosexuelle Menschen es im Alltag schwerer haben als Homosexuelle oder Transgender. Erst letztens habe ich von einer Freundin von mir gehört, dass in ihrem Lokal Gäste gesagt haben ‘Na de Schwuchteln brauch i owa ned do’, wo mir einfach nur das Kotzen kommt und ich verführt wäre, meine Selbstbeherrschung zu verlieren.
Daher bezweifle ich auch auf’s Äußerste, dass Gabalier seine, zugegeben, ungeschickt formulierte und unbedacht geäußerte, Aussage auf irgendeine andere Situation bezogen hat, als die Preisvergabe an diesem Abend und vielleicht generell das Emporkommen in der heimischen oder auch internationalen Musikszene. Vielleicht nervte es ihn, und wahrscheinlich auch einige andere in diesem Land, dass eine Person “nur” aufgrund ihrer sexuellen Orientierung mit drei Preisen überschüttet wird, wovon genau ein einziger verdient war, während die anderen beiden Kategorien anderen Künstlern verwehrt blieben. Die eben “nur” Musik machen. Was ja bei bester Song beispielsweise im Vordergrund stehen sollte. Intelligent war die Aussage bestimmt nicht, aber ob er damit nicht doch irgendwo ein kleines Fünkchen weit recht hatte? Ich sag mal so:
In dieser Branche Fuß zu fassen ist unglaublich hart und schwer, in Österreich aus verschiedenen Gründen vielleicht noch ein bisschen mehr. Aber es geht, wie uns Gabalier selbst gezeigt hat und wie es uns gerade Wanda zeigt oder auch Tagträumer. Ob es dabei hilft, wenn man sich dafür als Mann als Frau kleidet und dazu wiederum einen Bart trägt? Naja, geschadet hat es jedenfalls sicher nicht…

p.s.: Heimat bist du großer Heuchler, merkt man spätestens dann, wenn bei einem Gabalier bei der Heimat großer Söhne das Land in einen orkanartigen Shitstorm ausbricht, aber wenn ein Marcel Hirscher, ein Held des Nationalsports, exakt die gleiche Position vertritt, mit exakt dem selben Argument wie ein Gabalier (hab ich so gelernt), dann… ja, ah geh, er is owa so a liaba Bua und so sympathisch… wo war denn da Rauch-Kallat? Kommt halt nicht so gut, einen Spitzensportler anzusteigen, hm?

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