Das rechte Pfui

Menschen, die aus einem Kriegsgebiet fliehen ist zu helfen. Punkt. Ich schreibe den Punkt extra noch einmal hinten dran, um die Unumstößlichkeit dieser Aussage zu unterstreichen.
Wissen Sie, wer das ziemlich genau so sieht? Die FPÖ. Jup. Und übrigens auch die meisten ihrer Anhänger.
Die sind nämlich gegen Asylmissbrauch, nicht gegen Kriegsflüchtlinge. Gegen Wirtschaftsflüchtlinge, die dezidiert nach Österreich wollen, um vom Gieskannensozialstaat zu profitieren. Ohne nennenswerte Ausbildung oder Jobaussicht.
Also haben wir im Endeffekt eine Situation, in der die einen schreien: “Stopp den Asylmissbrauch!” und die Antwort ein “Scheiß Nazi!” der anderen ist.
Hat halt miteinander wenig zu tun. Noch besser dann, wenn kommt “Wie können die Österreicher (gemeint sind dann alle FPÖ-Wähler, was eigtl nur weniger als ein Drittel ist) nur wollen, dass eine Mutter mit ihrem Kind zurück in den Krieg geschickt wird um zu sterben?!?!?” oder “Woher kommt der Hass, dass wir Österreicher Flüchtlinge im Mittelmeer, Frauen und Kinder, ersaufen lassen wollen und sogar erschießen?! Wie herzlos ist unser Land?!” Beides natürlich völlig vertrottelte Aussagen, hinter denen so gut wie niemand steht…
Aber wenn man gegen so eine Aussage ist und sich auch öffentlich dafür stark macht, und damit meine ich ‘Gefällt mir’ auf Facebook drücken, dann ist man natürlich selber gut. Und wer will nicht ein guter Mensch sein?
Ahso, ja, klar, die offensichtlich Bösen. Das Feindbild. Die Nazischweine. Die rechten Wixer. Die zur Selbstabgrenzung, zur Selbstdefinition, aus Komplexen, Dummheit, Ignoranz und Intoleranz in einer bestimmten Menschengruppe ein in Wahrheit nicht vorhandenes Feindbild erschaffen und gegen jenes hetzen, nur um sich selbst besser zu fühlen und den eigenen Zusammenhalt zu stärken.
Lesen Sie den letzten Satz jetzt nochmal und denken dabei an die Linken… oder sich selbst von mir aus, und wie jene, oder Sie, über Nazis reden und sich anhand der Abgrenzung und Beschimpfung jener nach außen hin definieren. Dazu der nächste Gedanke, dass die Nazivorwürfe einfach aus der Luft gegriffen sind. Vor allem die pauschalen. Genau wie die pauschalen Verbrecher- und Drogendealervorwürfe gegen Asylwerber. Beides nennt sich Populismus. Nur dass der linke Populismus wesentlich untergriffiger und empörender ist als der Rechte, denn beide werfen der Gegenpartei Straftaten vor, aber ich würde mir lieber vorwerfen lassen, ein Drogendealer als ein Nazi zu sein.
Witzig ist vor allem, dass der Asylmissbrauch, gegen den die FPÖ wettert, von jeder anderen Partei genau so verurteilt wird, sogar von den Grünen. Nur sagen es die halt nicht so laut, sonst könnten sie mit ihrer Basis nicht mehr “Nazis” mitschreien.
Aber klar, so wie die einen Asylantenschweine schreien, schreien die anderen Nazischweine. Beides dumm. Beides irgendwas. Aber beides selbstdarstellerischer Populismus.
Beides fußt auf irgendeiner Form von Realität. Bei den einen gibt es tatsächlich viele Ressentiments gegen Fremde, bei den anderen gibt es tatsächlich zum allergrößten Teil negative Asylbescheide, weil kein Asylgrund vorliegt oder weil eigentlich ein ganz anderes Land Erstaufnahmeland war (und dennoch wollen sie unbedingt nach Österreich – ob das nicht doch was mit dem Sozialstaat zu tun hat?). Deswegen sind aber weder die einen, noch die anderen pauschal Nazi- oder Asylantenschweine.
Aber sich vom rechten Pfui abzugrenzen und es in jeder erdenklichen Form zu verabscheuen ist halt total gut, und guter und gutest, sogar, wenn man das rechte Pfui erst dazuerfinden muss, um sich nachher davon abgrenzen zu können.

p.s.: Diese Pauschalverurteilung erzeugt bei den FPÖ-Wählern und auch bei vielen potenziellen eine Trotzreaktion, die dann ein “Na wenn ihr meint, bin ich das halt, mir egal, aber meine Meinung lass ich mir nicht verbieten!” bewirkt.
Witzigerweise verstehen die Linken das total gut wenn Migranten gegen Österreich und seine Bewohner schimpfen: “Natürlich, bei der Pauschalverurteilung, nur weil einer ein Ausländer ist, ihm gleich vorwerfen, er sei ein Arbeitsloser oder ein Verbrecher – klar werden die dann trotzig und aggressiv!” – Denkaufgabe: Ersetzen Sie im letzten Satz ‘Ausländer’ mit ‘FPÖ-Wähler’ und ‘Arbeitsloser oder ein Verbrecher’ mit ‘Ausländerfeind oder ein Nazi’ und Sie werden vielleicht einiges besser verstehen, oder auch nicht. Weil als Linker sind Sie wahrscheinlich ein Kiffer. Und die sind alle dumm.

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2 thoughts on “Das rechte Pfui

  1. Doris says:

    Jemanden als Drogendealer oder Nazi zu bezeichnen, is weniger eine Form des Populismus, sondern eine Diskreditierung (sofern es nicht wahr ist). ALLE Asylwerbenden oder ALLE FPler als Nazis zu bezeichnen, ist sehr wohl Populismus. Aber das tun tatsächlich die wenigsten. Insofern gebe ich dir Recht, diese wenigen Personen, die Pauschalverurteilungen aussprechen, sind wenig reflektiert – in beiden Fällen.

    Zitat von oben: “Aber sich vom rechten Pfui abzugrenzen und es in jeder erdenklichen Form zu verabscheuen ist halt total gut, und guter und gutest, sogar, wenn man das rechte Pfui erst dazuerfinden muss, um sich nachher davon abgrenzen zu können.”

    In deinem letzten Absatz vermischt du aber zwei Konzepte. Sich vollkommen von der FP abzugrenzen, heißt nicht sie zu verunglimpfen oder sie automatisch als Nazis zu bezeichnen (heißt nicht, dass das manche nicht tun). Abgrenzen heißt deutlich Stellung zu beziehen, dass die Grundwerte der FP nicht geteilt werden.

    Das hat nichts mit allgemeiner Verunglimpfung oder Linkspopulismus zu tun. Das „rechte Pfui“ sind im Fall der FP immer wiederkehrende Konzepte und regelmäßige Entgleisungen (siehe das Christenland schützen, Susi Winter über die „Internierung von Asylanten“, Johann Gudenus spricht davon die „Umvolkung“ stoppen zu wollen, Johann Tschürtz, der neue Vize im Burgenland, will dass die „Anpassungsverweigerung“ finanziell geahndet wird, damit wieder „Respekt vor dem Kreuz“ herrscht, uvm.). Bei den konkreten Aussagen der FP-Mandatare muss man auch nichts „dazuerfinden“, wie du es nennst; die Ideen sind sehr eindeutig. Und diese Aussagen kommen nicht von Hinterbänklern oder „der Basis“, sondern teils von der Spitze. Diese Werte teile ich nicht und davon grenze ich mich ab. Ja, pauschal. Weil ich die Grundwerte der FP nicht teile. Und ja, diese Abgrenzung ist auch eine Deklarierung der eigenen Grundhaltung.

    Darüber hinaus ist deine Forderung den Populismus abzuschaffen ebenso populistisch wie dein beschriebenes Problem, weil die Forderung vereinfachend und im Grunde unmöglich. Generell stehe ich im Gegensatz zu dir nicht dafür Populismus abzuschaffen, sondern dafür, dass Demokratie es aushalten muss, dass es diese Form der politischen Debatte (Vereinfachung, Zuspitzung) gibt. Worauf wir aber gerne verzichten können, ist die rhetorische Schmutzkiste.

    • Erstmal: Danke für den Kommentar Dori :-* 🙂

      Also Umvolkung… oder Anpassungsverweigerung… sind jetzt keine “rechten” Wörter…? Nur weil in einem das Wort Volk drin vorkommt, hat es noch nichts Rechtes. Susanne Winter hat natürlich schwere Probleme, ist klar… aber zu sagen: ‘Das sind die Grundwerte der FPÖ’ ist halt auch weit gegriffen – dass sie Leute in den Reihen haben, die schwer ausländerfeindlich sind ist klar, aber dass das ihre Grundwerte sind? Glaub nicht, dass das in ihrem Parteiprogramm steht. Da steht in vielen Punkten ein kritischer Blick auf die Zuwanderung, wie er in fast allen Parteiprogrammen steht – nur weil es so en vogue ist, die FPÖ und ihre Wähler als dumme Nazis hinzustellen, traut sich kein anderer diese Punkte aus dem eigenen Programm ansprechen und auch in der Regierungsarbeit anzugehen.
      Kaum ergreift Mikl-Leitner realpolitisch sinnvolle Maßnahmen, wird sie als Rechte beschimpft und als eine, die in der braunen Suppe der FPÖ fischen geht. Sprich durch den linken Populismus und die linke Verallgemeinerung und Zuspitzung ist es inzwischen fast unmöglich geworden, die durchaus real vorhandenen Probleme mit Zuwanderung, Integration und Asylmissbrauch anzugehen oder auch nur anzusprechen, weil dann jeder fürchten muss, sofort als Nazi hergestellt zu werden…
      Und Populismus ist eine politische Debatte? Ja, leider, aber aushalten? Meiner Meinung nach ist das eines der Hauptprobleme unserer aktuellen Gesellschaft! Nämlich diese ganze Hetze von beiden Seiten, links und rechts, basiert auf Vereinfachung und Zuspitzung ‘Stoppt den Islam!’ zum Beispiel… prinzipiell: Es gibt viele, zu viele radikale Strömungen im Islam, und die muss man auch stoppen – aber den ganzen Islam deshalb zu verurteilen hat für mich nichts mit einer politischen Debatte zu tun… genauso wenig, wie Demonstranten einen Ball boykottieren, Ballgäste mit Objekten beschmeißen und ihnen dabei ‘scheiß Nazischweine!’ an den Schädel brüllen – das ist genauso eine Vereinfachung: Jeder der auf den Ball geht, ist ein scheiß Nazischwein – eine unter den Linken weit verbreitete Meinung, nicht nur unter den Demonstranten. Diese Vereinfachungen und Zuspitzungen erzeugen unfassbaren Hass, auf beiden Seiten, und auf beiden Seiten komplett sinnlos.
      Vor allem, das schreibe ich nochmal: Gerade die Linken differenzieren doch so gerne, wenn die Statistik zeigt, wie viele Asylwerber kriminell werden (dürfen anfangs nicht arbeiten, schwere Zustände in der Heimat, psychische Belastung, feindliche Umgebung in Österreich, etc.) Aber wehe einer ist FPÖ-Wähler – na das geht gar nicht, bah da geh ich haß, diese Scheißnazis… tausendfach so gehört und gelesen – ergibt halt nur keinen Sinn. Weder die Verallgemeinerung in die eine, noch in die andere Richtung. Erzeugt und schürt nur Hass, Ressentiments und Spannungen, nützt im Endeffekt niemandem, außer kurzfristig den Populisten, die jene Verallgemeinerungen aussprechen um ihre Basis zu bedienen.
      Und wenn man sagt: Das muss es heute aushalten: Warum ist es dann so ein Skandal, wenn jemand sagt: ‘Die ganzen Asylanten sind Drogendealer und Sozialschmarotzer?!’ Weil es gibt genug davon, also kann man es vereinfachen und zuspitzen? Sorry, da bin ich schwerstens dagegen…

      Sry for spelling mistakes, sent from smartphone 😀

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