Ist das Arbeitslosengeld zu hoch?

Nein.

Das war jetzt aber noch nicht die ganze Erklärung. Vorweg: Sollte es einem Arbeitnehmer in Österreich passieren, plötzlich ohne Anstellung dazustehen, so erhält er vom Staat 55% der Nettobezüge, die er in seinem letzten Arbeitsverhältnis erhielt. Von heute auf morgen muss man dann seinen Alltag mit der Hälfte seines Geldes bestreiten. Ich weiß ja nicht, ob Sie das schon mal erlebt haben, oder sich das ausgerechnet haben, aber – das ist eigentlich überhaupt kein Spaß. Die wenigsten von uns legen pro Monat knapp die Hälfte ihres Einkommens lachend beiseite und sagen “Was soll ich denn mit all der Kohle, das brauch ich doch gar nicht”, im Gegenteil, laut letzten Statistiken wird bei jungen Menschen unter 35 mehr als die Hälfte ihres Einkommens alleine für die Miete aufgewendet. Alleine für die Miete! Das heißt im Falle einer Arbeitslosigkeit können sie gerade noch wohnen, aber nicht mehr heizen, duschen, essen oder trinken. Von heute auf morgen.

Fairerweise gilt das nur für eine gewisse Gruppe. Denn, wenn man von Anfang an sehr wenig hat, eignet man sich einen anderen Lebensstandard an. Auch die soziale Herkunft spielt da eine Rolle. Bei manchem Menschen wird das zielgenaue Einhalten und Umgehen von sozialen Förderungsgrenzen quasi als Familientradition weitergereicht, während Lebenspartner nicht angemeldet, angegeben und in der Wohnung gemeldet werden, nur damit man diesen und jenen Zuschuss nicht verliert. Das nennt man, zurecht, systematisches Ausnützen, und damit natürlich auch letzten Endes Vernichten, des Sozialstaats, oder, etwas umgangssprachlicher, das Ausruhen in der sozialen Hängematte.

Aber wenn man auf diese Hängematte tatsächlich angewiesen ist, ohne sie auszunützen, dann ist sie so gemütlich gar nicht. Schon mal in einer Hängematte geschlafen? Das geht auf’s Kreuz. Die soziale Hängematte geht halt auf Lebensqualität und -standards (sofern nicht llegal über Schwarzarbeit massiv zuverdient wird). Keine Urlaube, kaum Restaurant- oder Lokalbesuche, kein Geld für ausreichend Obst und Gemüse sowie gesundes Fleisch, größere Anschaffungen wie eine Waschmaschine oder ein Kühlschrank können existenzgefährdend werden. Klingt nicht gemütlich.

“Ja, schön und gut, aber ich arbeite 40 Stunden die Woche und kann mir das alles auch nicht leisten, weil ich kaum mehr als 1.200 netto im Monat verdiene! Was soll das also?!” Genau das ist das Problem. Nicht das Arbeitslosengeld ist zu hoch, sondern die Gehälter sind zu niedrig. Dafür verantwortlich sind mehrere Faktoren.

Einerseits die teilweise exorbitante Inflation, die in den letzten Jahren oftmals zwischen 2% und 4% betragen hat, wobei diese Werte zum Teil absolut realitätsfern berechnet werden, da Lebensmittel um bis zu 30% teurer wurden, welche man sich täglich kaufen muss, was aber in der Statistik wiederum aufgehoben wurde durch Elektronikartikel wie Fernseher und Latops die billiger wurden, die man sich aber auch nur, wenn überhaupt, alle 3-10 Jahre kauft. Die reale Inflation an täglichen Gütern, Lebensmittel, Treibstoff, Mieten ist dramatisch höher und steht in keinerlei Verhältnis zu der Lohnentwicklung der letzten Jahre, wobei hier das Wort Entwicklung angesichts jahrelang stillstehender Gehälter eine Verhöhnung ist. Nach aktuellen Umfragen können kaum noch Österreicher größere Sparanlagen tätigen und müssen sich auch immer öfter Geld aus privaten oder institutionalisierten Quellen ausleihen, um einen gewissen Lebensstandard aufrecht zu erhalten.

Zweitens schrumpft die Welt durch die Globalisierung immer weiter zusammen. Inzwischen wird mit quasi allen Ländern der Erde, bald auch mit dem Iran, rege Handel betrieben, was natürlich zu einem massiven Preisdumping einiger Produktsparten führt, sodass Firmen sich einem enormen Druck ausgesetzt sehen, die Lohnkosten niedrig zu halten, um konkurrenzfähig zu bleiben und jedes Jahr die Gewinne zu steigern, um die vom Konzern vorgegebenen Quoten zu erfüllen. Ein Symptom des Ultrakapitalismus, dem die Welt seit einigen Jahrhunderten unterliegt: Ständiges Wachstum, egal wie. Ein durch zehn Sekunden Nachdenke ad absurdum zu führendes Prinzip, aber nichtsdestotrotz Realität. Nebenbei gilt es zu erwähnen, dass gerade in Österreich die Lohnkosten ein beliebtes Einsparungspotenzial bei den Geschäftsführungen der heimischen Wirtschaft darstellen, weil die zugehörigen Lohnnebenkosten exorbitant hoch sind. Drittens ist die Ostöffnung des Arbeitsmarktes, ganz akut im Burgenland, aber auch in Wien oder NIederösterreich, in den letzten Jahren zu einem immer größeren Problem geworden. Teilweise exzessives Lohndumping durch Arbeitskräfte aus Ungarn, der Slowakei, Tschechien oder Rumänien sorgen dafür, dass eine Lohnerhöhung nicht von Nöten ist, denn – es wird immer jemand gefunden, der auch für weniger arbeitet.

Die Schuld an diesen und natürlich vielen anderen, kleinen Umstände, ist, wie so oft, bei unserer Regierung zu suchen. All diese Probleme, die ja nicht plötzlich auftauchten, wurden ignoriert, keine dringend notwendigen Gegenmaßnahmen eingeleitet und keine sinnvollen Lenkungseffekte in Bewegung gesetzt. Wovon spreche ich?

Österreich benimmt sich so, als würde es noch in der MItte des 18. Jahrhunderts leben. Wir versuchen händeringend Landwirtschafts- und Industriezweige in unserem Land zu erhalten, die bei uns keine Zukunft haben. Das kostet uns massive Förderungsgelder, die eine eigentlich katastrophal defizitäre Bilanz vertuschen sollen, für Wirtschaftssparten, die sich bei uns in dieser Form nie wieder rentieren können. Das ist langsam aber sicher unser Untergang.

Warum kassieren bei uns im Supermarkt noch immer Menschen die Produkte und fordern das Geld dafür von uns ein? Warum machen das nicht schon längst Maschinen? Und warum ist Österreich nicht die führende Forschungs- und Entwicklungsnation im Bereich der Automatisierung und Mechanisierung physischer Vorgänge in der Arbeitswelt, die eben genau diese Maschinen entwickelt, produziert und in die gesamte Welt exportiert?

Wenn Sie jetzt schreien: “Dann haben wir ja noch mehr Arbeitslose!!”, dann haben Sie noch nicht verstanden, worauf ich hinaus will. Statt obsolete, überholte Wirtschaftszweige, Produktionswege oder Dienstleistungssparten wie einen Hirntoten am Leben zu erhalten, sollten wir die Trends der Zukunft erkennen und rasch reagieren, indem wir neue Arbeitsplätze in neuen, bisher noch nicht dagewesenenen Wirtschafts- und Entwicklungssparten schaffen und dafür das richtige ökonomische und marktwirtschaftliche Umfeld erzeugen.

Warum versuchen wir noch krampfhaft junge Menschen in Lehren für Jobs zu locken, die ihnen nach ein paar Jahren eine billigere Arbeitskraft aus dem Osten einfach und ohne Probleme abnehmen kann? Warum fokussieren wir uns nicht viel eher darauf, die junge Generation in hochspezialisierte Ausbildungen zu führen, die ihnen so schnell niemand kaum bis gar nicht Ausgebildeter abknöpfen kann? Für die Ernte braucht man zwei Hände und jede Menge Muskelschmalz. Für die Planung, Entwicklung, Konzeptionierung, Programmierung und Produktion einer hochtechnisierten Erntemaschine braucht man ein enorm komplexes, diffiziles und breit aufgestelltes Skillset, dass sich in den Entwicklungsländern so leicht keiner aneignen kann. Der Weg der Maschinisierung ist eine Realität, ob einem das gefällt oder nicht. Genauso aber der Weg der alternativen Energieproduktion und -verwertung, der Erforschung und Erzeugung funktioneller Materialien, sowie komplexer Softwarelösungen und -konzepten.

Wir sind, noch, ein äußerst wohlhabendes Land mit einem der höchsten Lebensstandards der Welt. Wenn wir diesen halten wollen, dann müssen wir, ich entschuldige mich für diese Phrasendrescherei, aber es passt so gut, dann müssen wir mit der Zeit gehen, oder wir werden mit der Zeit gegangen.

Statt Lehrlinge zu bezahlen und von Studenten auch noch Geld dafür zu fordern, wenn sie sich weiterbilden, sollte es ebenso eine Studienaufwandsentschädigung geben, die in späteren Jahren von dem erfolgreichen Softwareentwickler, dem Nanotechniker oder dem Mechatronic-Ingenieur an den Staat zurückgezahlt werden kann, um auch der nächsten Generation zinsenfreie Studienkredite geben zu können. Wo ist das Anreizsystem für anerkannte Wissenschafter, ihre Forschnung hier bei uns zu betreiben? Wo das Standortattraktivitätsprogramm, dass Technologie- und Softwarekonzerne zu uns holt, sodass in Österreich eine Infrastruktur der Zukunft entsteht, damit auch für die nächsten 200 Jahre unser Wirtschaftsstandort, unser Sozialstaat und unsere Lebensqualität gesichrt wird? Sie versickern ungesehen und ungehört in dem Sumpf unserer Stillstands- und Machterhaltungskorruption unserer etablierten politischen Systemerhalter.

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Österreicher, kuscht!

Wenn der Kellner Sie fragt, wie ihr Essen geschmeckt hat, was antworten Sie? “Sehr gut, danke.”, unabhängig dessen, ob es Ihnen wirklich sehr gut geschmeckt hat, oder ob vielleicht das Fleisch zu trocken, das Gemüse zerkocht oder die Pommes kalt und zäh waren. “Geh, wos wüst’n sogn? Bringt jo eh nix…” Mhm…
Oder wenn Ihnen ihre Bestellung nicht korrekt serviert wurde? Sie haben dezidiert die Champignons abbestellt, oder eine Portion Röstzwiebel dazu, bekamen sie aber schon, oder eben nicht. Zurückschicken? “Aber geh, is ja wuascht, spucken da hechstens eine waunnst wos sogst…” “Wie hat’s geschmeckt?” “Sehr gut, danke!”
Ja, mag sein, dass wenn Sie als Einzelner anmerken, dass das Essen ekelhaft war, dass kaum etwas passieren wird. Im Idealfall wird es an die Küche weitergeleitet, wo es ein abgebrühter Küchenchef achselzuckend oder beleidigt wahrnimmt und im nächsten Augenblick vergisst, während er das nächste Filet bis zur bitteren Staubestrockenheit ausbrät.
Aber wenn sich diese Beschwerden häufen? Wenn pro Abend 5, 10, oder 20 Gäste ihr Essen als “nicht gut” deklarieren, ja einige nach dem zweiten Bissen sogar den Kellner rufen und erklären, diese Speise sei ungenießbar? Was dann? Würde davon nicht auch der Chef Wind bekommen? Wäre das auch noch egal, oder würde der Küchenchef wohl bald beim AMS anstehen?
Aber der Österreicher ist in seiner demütigen, selbstwertlosen Unterwürfigkeitshaltung gefangen. Mit nicht allzu geringer Wahrscheinlichkeit wird man, wenn man sich in größerer Runde befndet, am Tisch auch noch belächelt oder als Vaserl oder Häferl oder pingeliger Hund bezeichnet. Da kuschen wir halt lieber. Bringt ja eh nix.
Und so zieht dich das durch unsere gesamte Existenz. Bis hin zum Umgang mit unserer Politik. Viele wählen, wenn überhaupt, dann die, die sie immer gewählt haben, “weu’s eh wuascht is. Mochen eh olle wos wuin.” Andere wählen nicht mehr, aus dem selben Grund. Zurecht, wie man feststellen muss.
Denn die heimischen Politiker sind Herren über ein gefühlt wachkomatöses Volk, dass sich in einer psychosomatischen Demokratie-Ohnmacht befindet. Klar machen sie, was sie wollen, weil die größte Reaktion der Österreicher, die sie zu befürchten haben, eine kurze Schimpftirade am Wirtshaustisch oder in der Laube im Kleingartenverein ist, gefolgt von einem “Najo, wos wüst mochn… do, schenk ma no an Spritza ei…”
Wo ist das politische Erdbeben? Wo ist der Demonstration auf der Ringstraße vor’m Parlament? Wo ist der Sturz der Regierung durch Neuwahlen vom Volk aus, dass sich diese grenzenlose Korruption, Inkompetenz, Geldvernichtung, Ideenlosigkeit, Machtverliebtheit und Selbsterhaltung um jeden Preis nicht mehr bieten lässt?! Es gibt sie nicht.
Doch, ein politisches Erdbeben steht uns bevor: Der gewaltig massive Erdrutschsieg einer Partei, die den aktuellen Regierungsparteien in Inkompetenz, Ahnungs- und Ideenlosigkeit und Korruption um nichts nachsteht oder sogar einiges voraus ist, die aber scheinbar besser verkaufen kann, die Probleme der Menschen zu kennen.
Ich sage nur ProstMahlzeit. Denn wenn man aus der Geschichte eines über Populisten lernen kann, dann, dass sie nur glänzen, solange sie nichts entscheiden müssen. Ab dann geht’s nämlich steil bergab (fragt mal die Kärntner). Und dann… ja… dann… dann nix. Kuschen wir weiter. Nur halt über andere.

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Last Exit – Grexit

Vorweg: Griechenland ist bankrott. Das ist ein Fakt. Seit 5 Jahren. Die EU zögert nur das Unvermeidliche hinaus, wie eine Herz-Lungen-Maschine bei einem Hirntoten. Nur weniger erfolgreich.
Es wird Zeit, der Realität ins Auge zu sehen, 5 Jahre und 216 Milliarden Euro zu spät.

Um es kurz zu sagen: Wenn die EU die Griechen, den Euro und sich selbst retten will, muss Griechenland raus aus der Eurozone und damit der EU und den Staatsbankrott erklären.

Warum? Es ist eigentlich recht simpel. Wenn die EU Griechenland weiterhin unterstützt, ihnen weiterhin Geld borgt, was sich ad absurdum führt, wenn sie dem Land einen weiteren Schuldenschnitt gewährt und wenn die EU um, buchstäblich, jeden Preis Griechenland in der EU halten will, wird die EU scheitern.
Nicht etwa, weil Griechenland die Wirtschaft der anderen Länder sofort in den Abgrund reißt,  sondern weil irgendwann Spanien, Italien und Portugal ebenfalls anklopfen und einerseits mehr Geld und anderseits Schuldenschnitte haben wollen werden. Klarerweise. Und wenn sich das als en vogue durchsetzt, dann ist die EU gescheitert. So einfach ist das.

Aber so oft hört man, dass die EU gescheitert ist, wenn der Grexit tatsächlich stattfindet? Was ist da dran?
Wenig bis gar nichts. Es ist nur eine sehr plakative Behauptung für jene, die aus irgendeinem Grund weiterhin massiv Geldvernichtung betreiben wollen.
Die EU ist ja nicht ein Staatensozialprojekt, wo sich reichere Länder zusammengetan haben, um ärmere zu erhalten oder zu retten. Es ist eine Wirtschafts- und teilweise eine Währungsunion, die sich immer mehr zum transnationalen Sozial- und Zukunftsprojekt entwickeln will. Aber wieso sollte ein Ausstieg eines bankrotten Mitgliedsstaats diese Union gefährend?!?
Weil die ganze Welt das Vertrauen in die EU verlieren würde, liest man da oft. Achso? Eine Staatengemeinschaft von 29, die es über 5 Jahre nicht schafft, eine ihrer kleinsten Volkswirtschaften auf die Beine zu bringen, soll also vertrauenserweckend sein und eine, die klare Regeln zum Mitspielen hat und die diese Regeln strikt befolgt, um die Stärke und Schlagkraft zu erhalten, soll unvertrauenswürdig sein? Klingt irgendwie dämlich, oder?
Und nebenbei erwähnt, was glauben Sie, wie sich Spanien, Italien und Portugal plötzlich anstrengen werden, wenn sie sehen, dass die EU kein Schlaraffenland ist?

Welche Zustände werden dann in Griechenland herrschen? Das Land wird kollabieren!, rufen viele.
Falsch. Das Land ist bereits kollabiert. Die Lage im Wiegenland der Demokratie ist katastrophal. Krankenhäuser bleiben geschlossen, Menschen werden nicht ärztlich versorgt, Gehälter werden nicht ausbezahlt, Pensionen werden nicht ausbezahlt, die die ausbezahlt werden sind massiv gekürzt, 50% Jugendarbeitslosigkeit, 25% Arbeitslosigkeit im Ganzen und viele Menschen können sich oft Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten.
Das ist der Ist-Zustand. Jetzt. Mit all den Geldern, die die EU Athen geschickt hat. Und es wird aber nicht besser. Die Griechen haben bis jetzt keine einzige sinnvolle Umstrukturierung durchgeführt, sondern stecken in einem vertrackten System aus Vetternwirtschaft, massiver Überbürokratisierung, Ineffizienz und staatswirtschaftlicher Unfähigkeit fest und kriegen in dieses System einfach nur mehr Geld reingepumpt, das dort völlig sinn- und nutzlos versickert.
Das führt, wie bewiesen, zu nichts. Es muss ein Schlussstrich gezogen werden. Griechenland erklärt den Staatsbankrott, wertet den Drachmen ab, ist somit ein interessanter Investitonsmarkt und kann stark exportieren und die Wirtschaft wieder aufleben lassen. Wenn das Land wieder erstarkt ist, kann es ja ohne Probleme wieder EU-Mitglied werden.

Aber schuld an dem Disaster ist ja die EU mit ihren bösen Sparvorgaben! Ohne denen würde es den Griechen ja super gehen, liest man sehr häufig.
Falsch. Wenn es ihnen so gut gegangen wäre, hätten sie ja das Geld der EU primär einmal gar nicht gebraucht. Schuld daran ist die verantwortungslose Politik der griechischen Regierung ab der Einführung des Euro 2001. Ab da bekam das Land Kredite wesentlich billiger als davor und sofort wurde das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeschmissen. Der Staat erhöhte die Gehälter seiner Bediensteten und stellte en masse Leute ein, die er davor nicht hatte. Die Privatwirtschaft musste das, völlig überhöhte, unhaltbare Gehaltsniveau anpassen und sehr bald wurden dadurch die Produkte teurer, was dazu führte, dass sie sich kein Grieche mehr leisten konnte, was die Firmen in den Konkurs trieb. Nebenbei die 70 Milliarden Steuergeld, die der Staat einfach unfähig ist einzutreiben und die massive Vetternwirtschaft in dem Land sind einzig allein daran schuld, dass Griechenland vor dem Bankrott steht.
Dass die Sparvorgaben nicht zielführend waren ist eine andere Geschichte.

Rettet Griechenland, rettet den Euro und rettet die EU. Lasst Griechenland aussteigen und bankrott gehen, lasst sie neu beginnen und unterstützt sie bei ihrem wirtschaftlichen Aufschwung mit gezielten, sinnvollen Investitionen. Das ist der Weg. Das war er schon vor 5 Jahren. Und vor 216 Milliarden Euro Hilfsgeldern.

p.s.: Eine Staatspleite würde natürlich nochmal eine kurzzeitige Verschlechterung für die griechische Bevölkerung bedeuten, allerdings: Am Höhepunkt der argentinischen Staatspleite war der Zustand nicht mehr dramatisch schlimmer als aktuell in Griechenland. Plus: Argentinien ist am Weg der Besserung. Während es Griechenland nach 5 Jahren Rettung jeden Tag schlechter geht.

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Sie sind ja selbst schuld

Unter den jungen Menschen beträgt die Arbeitslosigkeit aktuell an die 50% in Griechenland. Spitäler und Krankenhäuser sind unterbesetzt oder teilweise komplett geschlossen. Die Polizei im Land arbeitet nur vermindert bis gar nicht. Öffentliche Institutionen funktionieren kaum mehr. Gehälter werden nicht ausbezahlt. Leute können sich ihr Essen nicht mehr leisten.

Das ist der aktuelle Stand in Griechenland. Selbst schuld, sagen viele. Sie haben es ja über Jahrzehnte verbockt. Haben ihre Steuern nicht bezahlt, haben Pension für Verstorbene kassiert, usw. Jetzt müssen sie die Suppe eben auslöffeln. Aber wir helfen denen auf jeden Fall nicht mehr. Was sollen wir ihnen nicht noch alles an Milliarden in den Rachen schieben während sie nicht bereit sind, ein paar Einsparungen hinzunehmen. Anzumerken wäre hier, dass diese ‘paar Einsparungen’ jenen Zustand ergeben, den ich gerade vorhin beschrieb.

Selbst schuld ist ein äußerst interessanter Vorwurf, das muss man ihm schon lassen. Einerseits ja, die Griechen haben ihre Steuern über Jahrzehnte nicht gezahlt. Sie haben tatsächlich Pensionen für bereits Verstorbene kassiert. Und sie haben ihren Sozialstaat ausgenutzt. Genadenlos. Dazu kam dann eine verantwortungslose Kreditpolitik in den Anfangsjahren des Euro und danach die große Finanzkrise. Boom – Staatspleite.

Anderseits – ist es nicht eigentlich die Schuld ihrer Politiker? Immerhin wäre es ja nicht so schwer, Steuern einzufordern. Oder Steuerhinterziehung zu überprüfen. Ist ja wohl kein Ding der Unmöglichkeit. Auch die Lebendigkeit eines Rentners ist wohl staatlich feststellbar. Und genau so wenig war es notwendig, das Geld mit beiden Händen zum Fenster rauszuwerfen, als der Euro da war.

Anders gefragt: Sind die Bürger schuld an den Handlungen ihrer Politiker? Immerhin haben sie sie gewählt. Also so gesehen, ja. Und damit wären die Griechen ja auch wieder an ihrem eigenen Schicksal schuld. Jedes Volk erhält die Regierung, die es verdient.

280,2 Milliarden Euro. 280 Milliarden 200 Millionen. 280 200 000 000. Das letzte ist kein IBAN, das ist der aktuelle Schuldenstand Österreichs numerisch ausgeschrieben. Neuer Rekord (applaudier). Sind fast 85% dessen, was wir jedes Jahr als Staat umsetzen. Erlaubt sind laut Maastricht 60%. Hypo hin oder her, der Schuldenberg wächst jedes Jahr kontinuierlich weiter.

Fühlen Sie sich für diese Schulden… schuldig? Ich wende nur die gleiche Logik auf Österreich an, wie auf Griechenland. Unsere Politiker sind schuld an dieser katastrophalen, fast schon pervers fahrlässigen Haushaltspolitik. Aber Sie haben sie ja gewählt. Selbst wenn Sie nicht rot oder schwarz gewählt haben. Blau hat uns schon zwei mal bewiesen, welche Katastrophe sie für unser Land und unsere Wirtschaft bedeuten und ihre aktuellen Ideen sind noch weit haarsträubender, wenn man an einen Euro- oder EU-Austritt denkt. Die Grünen beweisen uns gerade in Wien, dass sie die vielleicht sinnlos verschwenderischste Partei in der Geschichte der zweiten Republik sind. Universitätsbeauftragte, Radfahrbeauftragte, Fußgängerbeauftragte, Fugänger-Wegschilder, etc.

Rot und Schwarz sind natürlich aber die beiden Haupttäter, die unseren Staat und unser Land systematisch vernichten, zerstören, zerschmettern und mit aller Macht und Gewalt in den Erdboden fahren. Ungespitzt. Diese Parteien und ihre Akteure belügen, betrügen, bescheißen und bestehlen uns wo es nur geht. Ja, das ist die einfache, simple Wahrheit. Die Freunderlwirtschaft ist das Einzige was zählt, dort wird gepackelt, daneben gesackelt und das ultimative, und nebenbei auch einzige, Ziel ist der kurzfristige Selbst- und Machterhalt. Lippenbekentnisse zu Reformen sind reine Verhöhnung, nirgendwo wird eingespart oder abgeschlankt. Wenn etwas passiert, dann werden Steuern erhöht.

Von der Verwaltungsreform höre ich schon länger, als ich denken kann. Nichts dergleichen ist je ernsthaft in Angriff genommen worden. Im öffentlichen Sektor werden weiterhin Posten vergeben und verschenkt, dass einem die Magensäure ein Loch in den Bauch brennt. Bei der ÖBB liegt das durchschnittliche Pensionsantrittsalter weiterhin bei unglaublichen 53 Jahren, inklusive fetter Pension und sonstiger diverser Begünstigungen. Die durchschnittliche Arbeitssituation der öffentlich Bediensteten (Spitalsärzte ausgenommen) kann man aus dem Privatsektor nur in einem Zustand explosionsartiger Implosionsgefahr beobachten, weil man nicht weiß, ob man so schreien möchte, dass es einen zerreißt, oder so weinen, dass man in sich zusammenfällt.

Das sind eure Parteien, die ihr wählt. Die SPÖ. Die ÖVP. Die FPÖ. Die Grünen. Alle vier. Gleichermaßen. Macht euch da nichts vor! Und ihr seid schuld daran, dass sie das alles tun können. Ihr alleine lasst das zu. Nein, im Gegenteil, ihr ermöglicht es. Mit eurer Stimme, die ihr einer dieser Parteien schenkt.

In Griechenland haben sicher auch viele gesagt “Ja, was soll man machen, ich wähl’s halt, die anderen sind ja um nix besser” und seht wo sie jetzt stehen. Nicht am Abgrund. Nein, fünf Meter dahinter. Im freien Fall.

Hört auf, diese etablierten, angefetteten, selbsterhalterischen, systemzerstörenden Parteien an der Macht zu halten. Seht euch neue Alternativen an. Lest euch neue Parteiprogramme durch. Tut etwas! Oder haltet die Klappe wenn euch die Regierungsarbeit nicht passt. Immerhin habt ihr sie gewählt.

p.s.: Der ‘Grexit’ ist ein schon lange überfälliger und notwendiger Schritt. Was die Troika getan hat ist nichts Anderes, als das Leid der Griechen zu verlängern. Denn die aktuellen Zustände in Griechenland gleichen jenen, wie wir sie bei der Staatspleite in Argentinien vor einigen Jahren gesehen haben. Mit einem gewaltigen Unterschied. Argentinien konnte sein Geld abwerten, die Exporte steigern und somit die Wirtschaft ankurbeln und befand sich nach einigen Jahren griechischer Zustände wieder auf einem Weg der Besserung.
Seit die EU den Griechen hilft, ist es ihnen immer nur kontinuierlich schlechter gegangen und das ohne jegliche Aussicht auf Erholung
Der Vertrauensverlust in die EU wäre marginal, der Euro würde kurzzeitig etwas abgeschwächt, was den Exporten nicht schaden würde und er würde sich bald wieder erholen. Warum wäre der Vertrauensverlust in die EU so marginal?
Was wirkt vertrauenswürdiger? Eine Staatengemeinschaft, die es über 5 Jahre nicht schafft, einen kleinen, nicht-systemrelevanten Staat wieder auf die Beine zu kriegen? Die völlig hilf- und sinnlos Geld hineinpumpt, ohne irgendwelche Verbesserungen zu erreichen, sondern im Endeffekt eine mittlere Katastrophe in dem Land auslöst? Die damit der ganzen Welt zeigt, dass sie keine schlagkräftige, entscheidungsfreudige und vor allem kompetente Union ist, sondern ein Haufen ahnungsloser, planloser, zielloser und hilfloser Kleinkinder mit großen Geldsäcken, die ihnen die eigenen Steuerzahler auffüllen?
Oder eine Staatengemeinschaft, die sagt ‘Freund, du kannst derzeit nicht mit uns mithalten in der Wirtschaftsleistung. Wir setzen deine Mitgliedschaft auf Eis, bis du dich erholt hast und werden dich dabei natürlich wo es geht unterstützen. Und gestärkt kommst du wieder zu uns und verstärkst unsere Gemeinschaft.’ und die somit ihre Stabilität und Stärke sicherstellt und nach außen repräsentiert?
Entscheiden Sie selbst.

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