Last Exit – Grexit

Vorweg: Griechenland ist bankrott. Das ist ein Fakt. Seit 5 Jahren. Die EU zögert nur das Unvermeidliche hinaus, wie eine Herz-Lungen-Maschine bei einem Hirntoten. Nur weniger erfolgreich.
Es wird Zeit, der Realität ins Auge zu sehen, 5 Jahre und 216 Milliarden Euro zu spät.

Um es kurz zu sagen: Wenn die EU die Griechen, den Euro und sich selbst retten will, muss Griechenland raus aus der Eurozone und damit der EU und den Staatsbankrott erklären.

Warum? Es ist eigentlich recht simpel. Wenn die EU Griechenland weiterhin unterstützt, ihnen weiterhin Geld borgt, was sich ad absurdum führt, wenn sie dem Land einen weiteren Schuldenschnitt gewährt und wenn die EU um, buchstäblich, jeden Preis Griechenland in der EU halten will, wird die EU scheitern.
Nicht etwa, weil Griechenland die Wirtschaft der anderen Länder sofort in den Abgrund reißt,  sondern weil irgendwann Spanien, Italien und Portugal ebenfalls anklopfen und einerseits mehr Geld und anderseits Schuldenschnitte haben wollen werden. Klarerweise. Und wenn sich das als en vogue durchsetzt, dann ist die EU gescheitert. So einfach ist das.

Aber so oft hört man, dass die EU gescheitert ist, wenn der Grexit tatsächlich stattfindet? Was ist da dran?
Wenig bis gar nichts. Es ist nur eine sehr plakative Behauptung für jene, die aus irgendeinem Grund weiterhin massiv Geldvernichtung betreiben wollen.
Die EU ist ja nicht ein Staatensozialprojekt, wo sich reichere Länder zusammengetan haben, um ärmere zu erhalten oder zu retten. Es ist eine Wirtschafts- und teilweise eine Währungsunion, die sich immer mehr zum transnationalen Sozial- und Zukunftsprojekt entwickeln will. Aber wieso sollte ein Ausstieg eines bankrotten Mitgliedsstaats diese Union gefährend?!?
Weil die ganze Welt das Vertrauen in die EU verlieren würde, liest man da oft. Achso? Eine Staatengemeinschaft von 29, die es über 5 Jahre nicht schafft, eine ihrer kleinsten Volkswirtschaften auf die Beine zu bringen, soll also vertrauenserweckend sein und eine, die klare Regeln zum Mitspielen hat und die diese Regeln strikt befolgt, um die Stärke und Schlagkraft zu erhalten, soll unvertrauenswürdig sein? Klingt irgendwie dämlich, oder?
Und nebenbei erwähnt, was glauben Sie, wie sich Spanien, Italien und Portugal plötzlich anstrengen werden, wenn sie sehen, dass die EU kein Schlaraffenland ist?

Welche Zustände werden dann in Griechenland herrschen? Das Land wird kollabieren!, rufen viele.
Falsch. Das Land ist bereits kollabiert. Die Lage im Wiegenland der Demokratie ist katastrophal. Krankenhäuser bleiben geschlossen, Menschen werden nicht ärztlich versorgt, Gehälter werden nicht ausbezahlt, Pensionen werden nicht ausbezahlt, die die ausbezahlt werden sind massiv gekürzt, 50% Jugendarbeitslosigkeit, 25% Arbeitslosigkeit im Ganzen und viele Menschen können sich oft Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten.
Das ist der Ist-Zustand. Jetzt. Mit all den Geldern, die die EU Athen geschickt hat. Und es wird aber nicht besser. Die Griechen haben bis jetzt keine einzige sinnvolle Umstrukturierung durchgeführt, sondern stecken in einem vertrackten System aus Vetternwirtschaft, massiver Überbürokratisierung, Ineffizienz und staatswirtschaftlicher Unfähigkeit fest und kriegen in dieses System einfach nur mehr Geld reingepumpt, das dort völlig sinn- und nutzlos versickert.
Das führt, wie bewiesen, zu nichts. Es muss ein Schlussstrich gezogen werden. Griechenland erklärt den Staatsbankrott, wertet den Drachmen ab, ist somit ein interessanter Investitonsmarkt und kann stark exportieren und die Wirtschaft wieder aufleben lassen. Wenn das Land wieder erstarkt ist, kann es ja ohne Probleme wieder EU-Mitglied werden.

Aber schuld an dem Disaster ist ja die EU mit ihren bösen Sparvorgaben! Ohne denen würde es den Griechen ja super gehen, liest man sehr häufig.
Falsch. Wenn es ihnen so gut gegangen wäre, hätten sie ja das Geld der EU primär einmal gar nicht gebraucht. Schuld daran ist die verantwortungslose Politik der griechischen Regierung ab der Einführung des Euro 2001. Ab da bekam das Land Kredite wesentlich billiger als davor und sofort wurde das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeschmissen. Der Staat erhöhte die Gehälter seiner Bediensteten und stellte en masse Leute ein, die er davor nicht hatte. Die Privatwirtschaft musste das, völlig überhöhte, unhaltbare Gehaltsniveau anpassen und sehr bald wurden dadurch die Produkte teurer, was dazu führte, dass sie sich kein Grieche mehr leisten konnte, was die Firmen in den Konkurs trieb. Nebenbei die 70 Milliarden Steuergeld, die der Staat einfach unfähig ist einzutreiben und die massive Vetternwirtschaft in dem Land sind einzig allein daran schuld, dass Griechenland vor dem Bankrott steht.
Dass die Sparvorgaben nicht zielführend waren ist eine andere Geschichte.

Rettet Griechenland, rettet den Euro und rettet die EU. Lasst Griechenland aussteigen und bankrott gehen, lasst sie neu beginnen und unterstützt sie bei ihrem wirtschaftlichen Aufschwung mit gezielten, sinnvollen Investitionen. Das ist der Weg. Das war er schon vor 5 Jahren. Und vor 216 Milliarden Euro Hilfsgeldern.

p.s.: Eine Staatspleite würde natürlich nochmal eine kurzzeitige Verschlechterung für die griechische Bevölkerung bedeuten, allerdings: Am Höhepunkt der argentinischen Staatspleite war der Zustand nicht mehr dramatisch schlimmer als aktuell in Griechenland. Plus: Argentinien ist am Weg der Besserung. Während es Griechenland nach 5 Jahren Rettung jeden Tag schlechter geht.

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