Österreicher, kuscht!

Wenn der Kellner Sie fragt, wie ihr Essen geschmeckt hat, was antworten Sie? “Sehr gut, danke.”, unabhängig dessen, ob es Ihnen wirklich sehr gut geschmeckt hat, oder ob vielleicht das Fleisch zu trocken, das Gemüse zerkocht oder die Pommes kalt und zäh waren. “Geh, wos wüst’n sogn? Bringt jo eh nix…” Mhm…
Oder wenn Ihnen ihre Bestellung nicht korrekt serviert wurde? Sie haben dezidiert die Champignons abbestellt, oder eine Portion Röstzwiebel dazu, bekamen sie aber schon, oder eben nicht. Zurückschicken? “Aber geh, is ja wuascht, spucken da hechstens eine waunnst wos sogst…” “Wie hat’s geschmeckt?” “Sehr gut, danke!”
Ja, mag sein, dass wenn Sie als Einzelner anmerken, dass das Essen ekelhaft war, dass kaum etwas passieren wird. Im Idealfall wird es an die Küche weitergeleitet, wo es ein abgebrühter Küchenchef achselzuckend oder beleidigt wahrnimmt und im nächsten Augenblick vergisst, während er das nächste Filet bis zur bitteren Staubestrockenheit ausbrät.
Aber wenn sich diese Beschwerden häufen? Wenn pro Abend 5, 10, oder 20 Gäste ihr Essen als “nicht gut” deklarieren, ja einige nach dem zweiten Bissen sogar den Kellner rufen und erklären, diese Speise sei ungenießbar? Was dann? Würde davon nicht auch der Chef Wind bekommen? Wäre das auch noch egal, oder würde der Küchenchef wohl bald beim AMS anstehen?
Aber der Österreicher ist in seiner demütigen, selbstwertlosen Unterwürfigkeitshaltung gefangen. Mit nicht allzu geringer Wahrscheinlichkeit wird man, wenn man sich in größerer Runde befndet, am Tisch auch noch belächelt oder als Vaserl oder Häferl oder pingeliger Hund bezeichnet. Da kuschen wir halt lieber. Bringt ja eh nix.
Und so zieht dich das durch unsere gesamte Existenz. Bis hin zum Umgang mit unserer Politik. Viele wählen, wenn überhaupt, dann die, die sie immer gewählt haben, “weu’s eh wuascht is. Mochen eh olle wos wuin.” Andere wählen nicht mehr, aus dem selben Grund. Zurecht, wie man feststellen muss.
Denn die heimischen Politiker sind Herren über ein gefühlt wachkomatöses Volk, dass sich in einer psychosomatischen Demokratie-Ohnmacht befindet. Klar machen sie, was sie wollen, weil die größte Reaktion der Österreicher, die sie zu befürchten haben, eine kurze Schimpftirade am Wirtshaustisch oder in der Laube im Kleingartenverein ist, gefolgt von einem “Najo, wos wüst mochn… do, schenk ma no an Spritza ei…”
Wo ist das politische Erdbeben? Wo ist der Demonstration auf der Ringstraße vor’m Parlament? Wo ist der Sturz der Regierung durch Neuwahlen vom Volk aus, dass sich diese grenzenlose Korruption, Inkompetenz, Geldvernichtung, Ideenlosigkeit, Machtverliebtheit und Selbsterhaltung um jeden Preis nicht mehr bieten lässt?! Es gibt sie nicht.
Doch, ein politisches Erdbeben steht uns bevor: Der gewaltig massive Erdrutschsieg einer Partei, die den aktuellen Regierungsparteien in Inkompetenz, Ahnungs- und Ideenlosigkeit und Korruption um nichts nachsteht oder sogar einiges voraus ist, die aber scheinbar besser verkaufen kann, die Probleme der Menschen zu kennen.
Ich sage nur ProstMahlzeit. Denn wenn man aus der Geschichte eines über Populisten lernen kann, dann, dass sie nur glänzen, solange sie nichts entscheiden müssen. Ab dann geht’s nämlich steil bergab (fragt mal die Kärntner). Und dann… ja… dann… dann nix. Kuschen wir weiter. Nur halt über andere.

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One thought on “Österreicher, kuscht!

  1. ich mach das sicher nicht, ich sage dann eher witzig,schicken sie den koch noch mal in die kochschule oder …haben sie schon mal was von frischegarantie gehört…..ich gehe aber oft aus diesen gründen nicht mehr essen und koche meist selbst, da weiss ich was am teller ist

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