Paris – Krieg in Europa

Schock in Europa. Paris. Nicht irgendeine unaussprechliche Stadt in Syrien oder im Irak, der Terror ist angekommen. Nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal auf so eine koordinierte Art und Weise, dass es einen erschaudern lässt. Unser Mitgefühl gilt all den unschuldigen Opfern und ihren Familien.

Schnell gibt es Reaktionen auf Facebook. Bei den einen ist sofort klar, dass die unkontrollierten und unregistrierten Flüchtlingsströme direkt verantwortlich sind für diese Greueltaten und dass man jetzt auf Flüchtlinge mit aller Härte reagieren müsse. Bei den anderen steht sofort als oberste Priorität, auf gar keinen Fall zu reagieren, denn wenn wir Reaktion zeigen, dann hätten die Terroristen gewonnen.
Da ist einem schon ohnehin schlecht, wenn man diese grässlichen Nachrichten liest und dann wird einem gleich noch viel schlechter, wenn man die Reaktionen darauf liest.

Sachlich betrachtet: Bisher wurde jeder, der angedacht hat, ob nicht auch kriminelle, terroristische Kräfte die seit Monaten komplett offenen Wege durch Europa für sich nutzen könnten, sofort als rechter Hetzer abgemahnt. Dass dies jetzt nun doch nicht so abwegig ist, war jedem vernünftigen Menschen von vornherein klar, wird aber durch diese Tragödie nochmal verdeutlicht – der Terror will nach Europa, der Terror kommt nach Europa, der Terror ist in Europa. Das ist Fakt.
Wer aber deswegen jetzt meint, jeder Syrer und jeder Moslem sei Terrorist, der möge sich vor Augen halten, dass trotz eines Priklopils oder Fritzls nicht jeder Österreicher in seinem Keller Kinder zu Vergewaltigungszwecken eingesperrt hat.
Allerdings stellt man sich schon die Frage, ob nicht eine lückenlose Registrierung aller Flüchtlinge, ein ganz normaler rechtstaatlicher Vorgang, doch zumindest die Sicherheit etwas erhöhen würde. Denn wer immer noch steif und fest behauptet, dass es doch lächerlich sei anzunehmen, dass auch Kriminelle und Terroristen sich in den Flüchtlingsströmen einen Weg nach Europa suchen könnten, der ist wohl Yogini und verharrt gerade im Strauß, tief im Sand mit dem Kopf.

Überhaupt stell ich mir die Frage, was im Kopf eines Menschen vorgeht, der meint: Man dürfe jetzt auf keinen Fall irgendwie reagieren, sondern müsse alles so belassen, wie es ist, sonst habe der Terror gewonnen.
Der Terror hat gerade eben gewonnen! Er hat, nach jetzigem Stand, 140 Menschen getötet. Unschuldige Bürger. Europäer. Mitten  in Europa.
Das ist aber kein Schulhofbully, bei dem man sagen kann ‘Einfach so lange ignorieren, bis es ihm fad wird, dann hört der von ganz alleine auf.’ Das hat schon am Schluhof nicht funktioniert und in einem dermaßen komplexen Thema wie dem internationalen islamistischen Terrorismus ist es gerade zu eine Verhöhnung der Opfer solcher Anschläge wie aus Paris.
Sicher, auch mit lückenloser Registrierung und Kontrolle kann es gut sein, dass die Anschläge in Paris nicht zu verhindern gewesen wären. Aber nur weil es für Terroristen auch andere Wege gibt, nach Europa zu gelangen, soll man ihnen auch gleich diesen Weg zusätzlich offen lassen? Weil eh schon wurscht?!?

Ich frage mich, wie lange wir noch so tun wollen, als wäre Europa nicht längst im Krieg mit dem Terrorismus. Es ist ja schön so zu tun, als wäre alles in Ordnung und als wären alle Terroranschläge halt tragische Hoppalas in der ansonsten ach so sicheren, friedlich freudigen Eierkuchenwelt Europas. Aber ob das auf lange Sicht die Lösung ist?! Der Terror wird nicht weggehen, nur weil man ihn ganz, ganz fest ignoriert.
Im Gegenteil – in Syrien und im Irak wächst gerade ein Terrorgeschwür heran, das sofortiges Handeln verlangt. Ironischerweise ist genau dieses Geschwür sogar für den größten Teil der Flüchtlingswelle verantwortlich, die gerade zu uns kommt. Doch dieses Geschwür wird, genau so wenig wie Krebs, einfach von selbst verschwinden, wenn man es lange genug ignoriert. Nein. Es wird wuchern und wuchern und wuchern, wenn man ihm nicht Einhalt gebietet und es mit allen Mitteln bekämpft.

Europa befindet sich längst im Krieg, es hat nur noch nicht begonnen, wirklich zurückzukämpfen. Vereinzelte Flugangriffe? Nett. Da und dort mal eine Stellung ausschalten. Ja, ist ok. Aber das soll es sein?
Wenn die EU wirklich das Friedensprojekt sein will, dann muss es diesen Frieden auch verteidigen. Und zwar mit einer europäischen Streitmacht von hochprofessionellen Soldaten mit modernsten Kampfmitteln, die den IS in relativ kurzer Zeit unter Kontrolle bringen könnte. Das wäre übrigens auch das Ende der Flüchtlingswelle und der beste Schutz der dortigen Bevölkerung.
Argumente wie: ‘Willst du etwa noch mehr Krieg in die Region bringen?!’ sind nicht nur fadenscheinig, sondern auch naiv. Dort herrscht bereits Krieg! Einer der schlimmsten, den man sich vorstellen kann. Die Terrorherrschaft frei wüten zu lassen, wird sicherlich keine Verbesserung für die Region bringen.
Und dass Europa sich dann noch vermehrt zum Ziel terroristischer Anschläge macht, wenn es sich massiv in diesen Konflikt involviert? Was wäre die Alternative? In die Ecke kauern und hoffen, das einen die Bösen vergessen und übersehen?!

Ja, Krieg muss die letzte, die eigentlich undenkbare Alternative sein, um einen Konflikt zu lösen. Diplomatie, Verhandlungen, Verträge und Abkommen sind und müssen unser höchster Anspruch an eine moderne friedliche Welt sein. Aber man hat nicht immer eine Wahl.
Keinen Krieg zu wollen ist das eine. Ihn zu ignorieren, wenn man mittendrin ist, das andere. Das eine ist vernünftig, das andere einfach nur realitätsverweigernd. Und wenn die Gegenseite einen ultimativen Vernichtungs- und Eroberungskrieg beginnt, kann man nicht sagen: ‘Na gut, red ma drüber!’ oder eine weiße Taube steigen lassen.
Das haben wir schon zwischen 1939 und 1945 gesehen. Damals wurde eine terrorunterjochte Bevölkerung Europas von Kräften von außerhalb gerettet. Wann sind wir soweit, dies nun für Syrien zu tun?

Es ist grauenhaft, dies sagen zu müssen – aber Europa muss geschlossen in den Krieg ziehen, um dem Terrorismus ganz klar entgegenzutreten. Und um das klar gesagt zu haben: Auch Österreich. Neutralität hin oder her, aber dieser Verantwortung können gerade wir uns nicht entziehen. Europa braucht eine gemeinsame Armee, aus allen Mitgliedsländern bestehend.
Soldaten müssen am Schlachtfeld den IS besiegen und Politiker am Verhandlungstisch Assad abservieren um Frieden und Stabilität in die Region zu bringen. Daran führt kein vernünftiger Weg vorbei. Wie der unvernünftige, daran vorbeiführende Weg aussieht, werden wir vermutlich in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren zu sehen bekommen.

p.s.: “Fighting for peace is like fucking for virginity”, ein sehr beliebter Spruch, der jetzt vielleicht vielen einfällt, die diesen Blog gelesen haben. Dass der Spruch allerdings mit der Realität nichts zu tun hat, sollte hoffentlich jedem sofort als nächstes einfallen.
Ein Sitzstreik gegen den Terror bringt Frieden, ja. In dem Sinne, dass wenn dann die Terroristen alle ihre Feinde erschossen haben, es dann klarerweise auch keinen Krieg mehr gibt. Aber wer sagt: ‘Wer für Frieden kämpft, erzeugt mehr Krieg’, dem sage ich: ‘Wer im Krieg für den Frieden die Waffe hinschmeißt, der gewinnt keinen Frieden, sondern verliert einfach nur den Krieg.’

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