Migrantenverbot Stadtbad Mödling

Auf Facebook vielfach geteilt, ein Aushang des Stadtbads Mödling, auf dem steht, dass “Aufgrund zahlreicher Beschwerden sowohl der Badegäste als auch des eigenen Personals der Eintritt ins Freizeitzentrum Stadtbad Mödling für Menschen mit Migrationshintergründen ausschließlich in Begleitung von entsprechenden Begleitpersonen und mit entsprechender Badebekleidung (Badehose/Bikini/Badeanzug) zu gewähren” ist.

“Jetzt reicht’s aber”, “Haben wir nichts aus der Geschichte gelernt?!”, “Wehret den Anfängen!”, “David Alaba und Julya Rabinowich und Anna Netrebko dürfen in Mödling also nicht alleine im Hallenbad schwimmen” schreibt Florian Klenk, und noch jemand kommentiert: “In was für einer Welt leben wir eigentlich?!”

Ja, das frage ich mich tatsächlich auch… in was für einer Welt leben wir eigentlich?! Geht es wirklich nur mehr darum, jeden Schmarren auf Facebook zu teilen und sich darüber zu empören, um das eigene Weltbild zu stärken?! Ist das wirklich alles, wozu theoretisch vernunftbegabte, wahlberechtigte, erwachsene Menschen fähig sind?!? Hat denn keiner mehr die Muße sich zu fragen, was denn eine entsprechende Begleitperson für einen Mensch mit Migrationshintergründen sein soll? Oder welche Beschwerden das waren, worüber und wieso? Oder ob das wirklich so gemeint sein kann, wie es den ersten Anschein hat? Ist denn keiner mehr fähig, sich 10 Sekunden Zeit zu nehmen, etwas zu googeln und zu überprüfen?

Nein. Nein, das wäre viel zu mühsam. Wobei, eigentlich nicht, eigentlich besteht dann nur die Gefahr, dass die Wahrheit nicht ins eigene Weltbild passt und man sich dann nicht aufregen kann und nicht schreien und geifern und schimpfen und hassen und hetzen kann, weil dann muss man vielleicht nachdenken, relativieren und differenzieren, und das will man nun wirklich nicht.

Würde man sich aber doch die paar Sekunden Zeit nehmen und mal kritisch nachschauen, was hinter diesem Schrieb steckt, so stellte man fest, dass das Profil sich die Mühe gemacht hat, mit dem Verfasser des Schreibens ein Interview zu führen. Man würde erfahren, dass es sich gar nicht um einen Aushang, sondern ein internes Memo an die Mitarbeiter handelt. Dass es zahlreiche Vorfälle gab, wo unbegleitete Asylwerber aus dem nahegelegenen Heim sich in den Frauenbereich begeben haben, das Reinigungspersonal belästigt und sich nicht an die Kleidervorschriften gehalten haben. Da sie natürlich noch kein Deutsch verstehen, war es nicht möglich, ihnen die Verhaltensregeln zu erklären. Man würde erfahren, dass die Mitarbeiter über die Problematik Bescheid wissen und auch das Memo richtig verstehen, obwohl “Menschen mit Migrationshintergründen unglücklich formuliert” sei. Gemeint seien nur unbegleitete Asylwerber, die kein Deutsch verstünden, da man mit jenen nicht kommunizieren könne, sollte es zu Missverständnissen bezüglich der Verhaltensregeln im Hallenbad kommen. Begleitpersonen seien Betreuer aus dem Heim, die dolmetschen könnten.

Boom, und schon schaut die Welt anders aus. Das Stadtbad Mödling will gar nicht alle Migranten oder alle Asylwerber aussperren. Dort will man auch nicht jemanden aufgrund seiner Herkunft oder religiösen Überzeugung diskriminieren. Eigentlich versucht nur jemand klare Verhaltensregeln durchzusetzen, die für jedermann gleichermaßen gelten.
Dass das die vielleicht saudümmste Formulierung aller Zeiten ist, um so eine Message unter den Mitarbeitern zu verbreiten, das steht wohl außer Frage. Dennoch ist es bei weitem nicht der heraufbeschworene Coup des vierten Reichs.

Na geh, das ist aber doof… weil jetzt kann ich ja gar nicht mehr empört auf Facebook vor den Nazis warnen… kann nicht mehr schockierte Emoticons posten und schreiben “so fängt es an”… ich kann ja jetzt gar nicht mehr mit Zorntränen in den Augen schreien, dass die ganzen Scheißnazis immer mehr werden und dass man die mit allen Mitteln bekämpfen muss.
Keine Sorge, kommt sicher bald wieder etwas, um sich zu empören. Auch wenn’s wieder nicht wirklich stimmt. Aber wenn man wirklich will und sich wirklich brav gegen Recherche und selbstständiges Nachdenken wehrt, findet man ganz schnell etwas, um sich zu empören. Egal, ob man von links oder rechts schreit.

Witzig ist ja nämlich, dass jene, die zum Beispiel dieses Foto geteilt haben, ganz leise waren auf Facebook, als die Vorfälle aus Köln, Salzburg und alle weiteren Vorfälle bekannt wurden. Das haben dann wieder die vom rechten Lager geteilt und sofort geschrieen “So fängt es an!”, “Jetzt reicht’s aber!”, “Haben wir nichts aus der Geschichte gelernt?” und “In was für einer Welt leben wir eigentlich?!”.
Wenn es nicht so dermaßen geschmacklos und traurig wäre, wäre es brüllend komisch, wie sich diese beiden gegenüberliegenden Lager in Verhalten, Wort und Tat so unfassbar gleichen, dass einem ganz mulmig werden könnte. Noch witziger, dass beide die andere Seite der Blind- und Blödheit bezichtigen, während sie jeweils selbst nicht sehen, dass sie um keinen Millimeter anders oder besser sind.

Standard

35 thoughts on “Migrantenverbot Stadtbad Mödling

  1. alexander hackenberg says:

    Wer auch immer das verfasst hat ist ein Volltrottel. Egal ob es ein Memo oder ein Aushang ist. Wahrscheinlich haben ein Drittel bis die Hälfte aller in Mödling ansässigen Personen Migrationshintergrund.

  2. Gernot says:

    Sehe ich gar nicht so. Du forderst von denen, die sich darüber empören, dass sie vorher darüber nachdenken sollen, was eventuell damit gemeint sein könnte ? Ich sage: von jemand der ein politisches Amt inne hat und eine schriftliche Weisung ausgibt, die übrigens sehr wohl im Mödlinger Bad öffentlich ausgehangen ist, ist zu erwarten, dass eine solche Weisung wohl überlegt ist. Der Verdacht liegt nahe, dass es auch bewusst so formuliert wurde. Sich darüber zu empören, ist nicht nur nachvollziehbar, sondern aus meiner Sicht auch erforderlich.

      • Michael Martinek says:

        Wir können ja Gott sei Dank zwischen Empörung und “sich lustig machen” unterscheiden. Damit ersparen wir uns endlos lange Statements über Wahrheiten und Kurzsichtigkeiten. Es bleibt uns Gott sei Dank auch unsere Meinungsfreiheit. Oder?!?

  3. Jennifer says:

    Sehr gut geschrieben! Objektiv, unparteiisch & direkt. War erfrischend mal einen Artikel zu lesen der nicht auf Hetze aus ist!

  4. Gery says:

    Ich frage mich, ob der Stadtbad-Betriebsleiter Robert Mayer (der Verfasser des Zettels, auch Stadtrat für Jugend und Sport) darüber nachgedacht hat, was er da geschrieben hat. Oder ob er überhaupt für diesen Posten geeignet ist.

  5. Sarah says:

    Es ist klar wie der Zettel gemeint war und dass da mehr Unbeholfenheit als böse Absicht dahinter gestanden hat. Für mich ändert das aber nichts an der Tatsache dass er total und völlig daneben war – schon überhaupt als Weisung an die Mitarbeiter, denen eigentlich nur 2 Möglichkeiten bleiben: Kopfschüttelnd ignorieren und weiterhin Menschenverstand und Gesetze berücksichtigen oder schulterzuckend daran halten und die Entscheidung dem Arbeitgeber überlassen (der das SO sicher gar nicht gemeint hat, was in der Praxis aber wohl schlecht korrekt an die Mitarbeiter kommunizierbar ist).

  6. Ulrike says:

    Es ist doch völlig egal, ob öffentlich ausgehängt oder internes Memo – die Intention dahinter ist zutiefst rassistisch

  7. Evelyne Pichler says:

    Eine Gruppe jugenlicher Asylwerber hat sich nicht gebührlich benommen. Deswegen dürfen also alle Menschen mit Migrationshintergrund nicht (allein) ins Bad. Aber das war nur falsch ausgedrückt, eigentlich sind es Menschen, die nicht Deutsch können und aus den Heim in Mödling stammen. Das soll jetzt okay sein? Also ich hab mal einen Flitzer in einem Bad gesehen, hat man danach alle Männer ausgesperrt? Ich glaub eher Sie haben das Problem des Verbotes, abgesehen von der echt unfähigen Formulierung, nicht verstanden. Ein Generalverdacht gegen alle aus einer bestimmten Gruppe ist einfach rassistisch. Wenn man denn nur die Bewohner des Heimes meint, könnte man ganz einfach auf das Problem dort hinweisen und sich um Aufklärung der Bewohner kümmern, und nicht einfach alle aussperren.

    • Woher wissen Sie, dass es “eine” Gruppe von jungen Asylwerbern war…
      Die Einschränkung ‘nicht Deutsch können, aus dem Heim UND ohne Begleitperson’ hat mit ‘General’verdacht eigentlich nichts mehr zu tun, dazu ist die viel zu spezifisch…

      • d.m. says:

        Generalverdacht ist alles, was nicht auf ein bestimmtes Individuum abzielt. Es ist eine zivilisatorische Errungenschaft, dass jeder nur für das verantwortlich gemacht werden darf, was er selber getan (bzw. unterlassen hat).

  8. Gerald says:

    Zusammenleben erfordert Regeln und diese müssen auch gelebt werden und wer sich diese, unsere Gesellschaftsregen nicht zu Herzen nimmt muss darauf aufmerksam gemacht werden. Wenn wir im Ausland Gast sind haben wir auch die Verpflichtung die Gastkultur zu berücksichtigen.
    Unser Kulturkreis ist ein traditioneller und ich möchte, dass dieser auch beibehalten wird.
    Toller Artikel der wirklich alles sagt!!!

  9. Thomas says:

    dass das Memo ein Schmarrn ist, kommt aber auch im profil gut raus, denn wie soll ein Mitarbeiter anhand von “Migrationshintergründen” entscheiden, wer würdig ist, einzutreten oder nicht – also meiner Ansicht tut der Blog genau das, was er anderen vorwirft: polemisieren und aufregen…

  10. Stefan says:

    Pardon, aber die Sache einfach mit dem Tenor „Was regt’s Euch denn so auf, es is ja eh net so gmeint gwesn“ abzutun, erachte ich als unzulässig. Ein Stadtfunktionär sollte in der Lage sein, zu erkennen, was er schreibt. Egal, ob es im öffentlichen Bereich oder intern ausgehängt wird. Eine Bevölkerungsgruppe zu diskriminieren verstößt nun einmal gegen geltendes Recht. Darauf muß man hinweisen dürfen, das muß man auch grotesk kommentieren dürfen (Meine Vorfahren z.B. stammen aus Mähren und Sachsen, also habe auch ich Migrationshintergründe). Wir zeigen heute noch mit dem Finger auf Südafrika oder die USA, weil es dort noch sehr lange üblich gewesen ist, die farbige Bevölkerung aus vielen öffentlichen Einrichtungen auszusperren. Folglich müssen wir konsequent mit dem Finger darauf zeigen, wenn Ähnliches jetzt hier passiert. Hätte jetzt ein Mathematiklehrer in Mödling ins Becken gepinkelt, man würde ja auch nicht pauschal allen Mathematiklehrern den Zutritt verweigern. Und von wegen „Man weiß ja eh, was gemeint ist“: Da hätte man das machen können, was weiter oben vorgeschlagen wird: Das Gespräch mit den Betreuern in der betreffenden Unterkunft suchen und das Problem damit elegant lösen. Aber das wäre vermutlich mühsamer gewesen, als ein pauschales Hausverbot für orientalisch aussehende Menschen zu verhängen. – Man muß die Sache sicherlich nicht hochstilisieren. Aber bagatellisieren darf man sie auch nicht.

    • Also der Definition des Verfassers im Interview nach wird keine Bevölkerungsgruppe und auch nicht generell orientalisch aussehende Menschen ausgeschlossen, sondern recht klar abgegrenzt ‘Asylwerber aus jenem heim, die nicht Deutsch können UND keine Begleitperson dabei haben’… das hat mit einem Generalverdacht o.ä. nichts zu tun…
      Wie gesagt, der Wortlaut des Memos ist… indiskutabel, aber solange es nicht so umgesetzt wird, sondern nach den im Interview erklärten Bedingungen, gibt es keinerlei Grund, den rechten Teufel an die Wand zu malen und eine rassistische Katastrophe auszurufen…

      • Stefan says:

        Wie schon gesagt, man muß nicht dramatisieren. Aber der Text alleine könnte von halbwegs fähigen Juristen zerpflückt werden. Und um den geht es in erster Linie. Daß man einen Tag später sagt, man hätte ja ganz was Anderes gemeint, erinnert mich an einen namhaften Oppositionspolitiker, der gerne etwas öffentlich sagt und am nächsten Tag dann erklären muß, was er eigentlich gemeint hätte… 😉

    • Sarah says:

      Guter Punkt. In Wien beispielsweise gibt es, trau ich mich mal zu behaupten, sowieso sehr wenig Leute, die (etwa 2 – 3 Generationen zurück) keinen Migrationshintergrund hätten. ..

  11. Max says:

    Ganz so harmlos und einfach, das hier dargestellt und interpretiert wird, ist die Sache auch wieder nicht und auch die Gleichstellung rechter Hetzer mit ihren Gegnern hinkt analytisch, finde ich, einigermaßen, wenn man sich die hier diskutierten, grundsätzlichen Phänomene des öffentlichen Diskurses genauer ansieht. Ich halte allein schon diese simplifizierte Links-Rechts-Dichotomisierung und diese konstruierte Ich-bin-die-vernünftige-Mitte-Haltung für wenig brauchbar. Und auch die Gleichstellung “linker” und “rechter” Empörung kann man so nicht auf einen Ebene stellen: Es soll also demokratiepolitisch gleich problematisch sein, wenn auf der einen Seite gegen gehässig zurechtkonstruierte Menschengruppen gehetzt wird – und dabei wohlgemerkt unsere moderne politische und juristische Errungenschaft mit Füßen getreten wird, dass wir Verantwortung heute eigentlich im Individuum verorten, anstatt in pauschalisierten, kollektiven Feinbildern – und auf der anderen Seite individuelle Fehler von politischen Verantwortlichen angefeindet werden? I don’t think so!

    Grundsätzlich würde ich mal meinen, dass es immer und überall Menschen gibt und geben wird, die vorschnelle Urteile bilden, sowie unreflektiert und unkritisch mit der Welt umgehen und entsprechend darauf reagieren. Das ist generell nicht gut zu heißen, aber bis zu einem gewissen Grad ist das wohl darauf zurück zu führen, dass jeder Mensch erst einmal auch lernen muss, selbstkritisch und differenziert mit Informationen umzugehen. (Und Manche machen das leider nie, oder sehr spät in ihrem Leben.) Das ist aber nicht wirklich das Problem, um das es hier geht – auch nicht in dieser konkreten Sache – weil öffentliche Empörung in dieser und ähnlichen Fällen sich – im Wesentlichen – absolut nicht nur auf dieser Ebene abspielt. Das ist eine Begleiterscheinung, aber definitiv nicht des Pudels Kern.

    Es geht auch wirklich nicht darum, die Welt in Nazi und Nicht-Nazi einzuteilen, sondern die feinen Nuancen aufzuzeigen, die Schritt für Schritt zu einem radikaleren politischen Diskurs führen bzw. diesen befördern. Und selbst, wenn man den Nazi-Vergleich beansprucht, ist das absolut nicht unberechtigt, wie wohl alle, die sich tiefgehend mit dem – tatsächlich jahrzehntelang dauernden – zumeist sehr subtilen Aufstieg des Nationalsozialismus beschäftigt haben, bestätigen werden können. Seinerzeit waren es auch kleine Schritte, die das politische Klima dahin gebracht haben, wo dann die bekannten Verbrechen erst möglich waren. Die Mehrheit waren immer Leute, die nichts dabei fanden, gelegentlich radikal über einen Kamm zu scheren und auf dieser Basis für imaginiert homogene Gruppen irgendwelche Dinge zu fordern, die dann retrospektiv oft “eh nicht so gemeint” waren. Immer ein kleines Schrittchen mehr, bis die martialischsten Forderungen irgendwann auch salonfähig waren. Das ist das eigentliche Problem. Und davor zu warnen, bevor wir die Schrittchen erleben müssen ist mehr als wichtig, wenn man gefährlichen gesellschaftlichen Entwicklungen vorbeugen möchte.

    Und konkret zum aktuellen Anlass: Ich bin mit einem Gemeinderatsmandatar aus Mödling persönlich befreundet, durch den die Sache mit ins Rollen gekommen ist und der bei aller Kritik und (berechtigter) Empörung sehr bemüht ist, diesbezüglich eine sachliche und diplomatische Lösung zu finden. Und dessen Position und Engagement teile ich ebenso, wie ich die Empörung über das Schreiben im Stadtbad Mödling berechtigt finde. Dazu gibt es einen Forderungskatalog, um vernünftige Maßnahmen in verschiedene Richtungen zu veranlassen, um dem eigentlichen Problem entgegen zu wirken. Zum Teil sind das Dinge, die sogar vorausschauend schon davor im Gemeinderat gefordert wurden und von der ÖVP-Stadtregierung (darunter übrigens auch der besagte Stadtbad-Chef, der die diskutierte Direktive zu verantworten hat) abgelehnt wurden.

    Anstatt also einer sachlichen Auseinandersetzung schon bevor es zur irgendwelchen Problemchen kommt, haben die Verantwortlichen es darauf ankommen lassen und letztendlich eben diese – ganz und gar unsachliche, undifferenzierte und politisch schlichtweg untragbare – Weisung ausgegeben, die nicht nur für nicht mit den Vorfällen vertraute Menschen – mindestens – einen sehr problematisch großen Interpretationsspielraum lässt – wie das Florian Klenk zum Beispiel sehr klar und sprachlich feinsinnig zum Ausdruck gebracht hat. Dieser Zettel hat offiziellen Charakter, selbst wenn er vorerst nur für Mitarbeiter gedacht war und wenn man sich ansieht, mit welcher sprachlichen Genauigkeit sonst in der Verwaltung gearbeitet wird bzw. werden muss, um eben ethischen Problemen und vor allem auch juristisch relevanten Vergehen entgegenzuwirken, dann kann man wirklich nichts an dieser Weisung im Stadtbad Mödling schön reden, wie auch immer sie “eigentlich” retrospektiv (!) gemeint gewesen sein könnte. Das wäre vielleicht bei einer unachtsamen, mündlichen Aussage noch irgendwie zu argumentieren gewesen, aber halt wirklich nicht bei einer von offizieller Seite unterzeichneten Weisung im offiziellen Corporate Design des Stadtbads.

    • Lieber Max, danke, dass Sie dem Timpel (Autokorrekt macht dauernd “simpel” daraus und ich denke dabei nicht ans Simpl 😉 etwas Nachhilfe im Denken und Schreiben zukommen lassen!
      Sascha
      PS: Wo findet man auf diesem Blog eigentlich das Impressum?

    • “Linke” und “Rechte” Empörung ist in dem Sinne gleichzusetzen, dass beide Verfechter oftmals ohne groß zu hinterfragen oder nachzudenken Aufregermeldungen, -berichte oder -bilder teilen und darüber Wettern, sofern sie ihrem bereits etablierten Weltbild entsprechen. Das ist brandgefährlich, wird aber von beiden Seiten ständig so gelebt.
      Ein “Linker” (schwer zu definieren, klar) wird rasend schnell diesen Schrieb aus Mödling teilen und geifern, wird aber zwanzig Mal hinterfragen, ob die Vorfälle in Köln real waren, ob das wirklich so war, wie da berichtet wurde, ob da nicht hochgeschaukelt wurde, was im Vorfeld geschehen ist, ob es vielleicht andere Erklärungen oder Aspekte der Geschichte gibt, uswusf. Andersrum wird ein “Rechter” (dito) sofort eine Meldung von unzensuriert.at teilen, die besagt “Asylwerber verlangt 3.000€ Taschengeld pro Monat und pinkelt zum Protest freiwilligen Helferin ins Gesicht” und wird ebenfalls darüber geifern, wird aber bei jeder Meldung von integrationswilligen und dankbaren Flüchtlingsfamilien nachfragen, wie dieses Einzelbeispiel ausgewählt wurde, wieviele andere Beispiele dafür nicht erwähnt wurden, wie die realen Verhältniszahlen zwischen flüchtenden Familien mit Kindern und zwischen alleine flüchtenden jungen Männern ist…
      DAS ist genau das Problem, links und rechts und das ist exakt der gleiche psychologische Mechanismus. Yeah, you should think so.

      Des Pudels Kern ist, dass dieser Schrieb in geistiger Umnachtung verfasst worden sein muss, aber er weder so umgesetzt wurde, wie er klingt, noch, in der Erklärung im Interview, eine große Gruppe über den Kamm schert… “Leute aus dem Asylheim, die nicht Deutsch können und ohne Begleitungperson sind”, das ist wohl kaum eine blindwütige Pauschalverurteilung, sondern relativ klar eingegrenzt.
      Wäre der Text genau so gemeint gewesen und umgesetzt worden, wie er auf dem Zettel stand, glauben Sie mir, ich wäre einer der Ersten, die davor warnen würden.
      Und dass Sie möglicherweise nicht in Nazi und Nicht-Nazi einteilen ist schön, aber nicht allgemeingültig.

      Niemand sagt, dass das Schreiben in irgendeiner Art und Weise in Ordnung wäre, aber: Es ist für mich ein gewaltiger Unterschied, ob etwas saudumm geschrieben wurde, aber niemals so gemeint war und umgesetzt wurde, oder ob etwas Praxis war.
      Denn für den Zettel hätte eine öffentliche, klare Forderung nach Erklärung, Klarstellung und Korrektur gereicht. Erst für die Praxis hätte es den Aufschrei benötigt, der stattfand.

  12. Feste Strukturen, klare Regeln sind leichter zu befolgen, wenn sie angemessen in Wort und Schrift weiter gegeben werden. Man muss nicht nur die Regeln verstehen auch die Sprache. Das ist wohl die akuteste Herausforderung für alle Beteiligten in Europa.
    So kann zum Beispiel ein Dolmetscher aus der Unterkunft jeweils mit einer Gruppe von mehreren Personen begleiten, wenn sie das Bad zum ersten mal besuchen und eine Führung durch selbiges zuvor anbieten.
    Dann wäre es hilfreich die Aushänge mit den AGBs oder Verhaltensregeln für Badegäste in den jeweiligen Landessprachen auszuhängen.
    Im Rahmen der Globalisierung sollte es auch dort möglich sein. Eventuell gibt es schon Vorlagen für die Texte in Bädern von Interhotels oder sie könnten anderweitig beschafft werden?
    Das Lernen der hiesigen Sprachen sollte für die Flüchtlinge erste Priorität haben.
    Wir stehen in Europa vor einer großen Herausforderung, und vor einer großen Chance für eine friedliche Zukunft. Warum nutzen wir sie nicht?!?

  13. PhloH says:

    Im Standard klingt es ein bisschen anders, da hat der Bürgermeister den “Aushang” entfernen lassen. Sich hier über mangelnde Recherche aufzuregen und dann selbst nur im Profil nachzulesen ist halt auch kein überragender Journalismus

  14. Goxy43 says:

    Ich bin einer mit Migrationshintergrund, allerdings zog es schon meine Urgroßmutter von Balkan nach Wien. Mein Familienname endet auf “ić”, darf ich unbegleitet ins Bad oder nicht?

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