Alternativen zum Krieg gegen den IS

Der gestrige Beitrag hier sorgte, naturgemäß, für Diskussionen. In gewisser Weise wurde mir unterstellt, ich wäre gerade zu gierig auf den Krieg und würde öffentlich euphorische Kriegshetze betreiben.
Es gäbe noch so viele Alternativen, die man vorher ausschlachten könne, war ein großer Konsens unter den kritischen Stimmen. Gut, dann will ich die mir gerne, offen und neutral, ansehen.

Den IS finanziell ausbluten

Man müsste dem IS erstmal die Geldhähne abdrehen und kein Öl mehr von ihm kaufen und auch keine Waffen mehr an ihn liefern. So ungefähr war eines der mehrfach gefallenen Argumente.
Der IS hat, für ein Terrorregime wenig überraschend, den größten Teil seines Geldes durch Enteignung, Erpressung und Beschlagnahmung erhalten. Durch die Raumgewinne in Syrien und dem Irak hat der IS natürlich auch Ölfelder und Raffinerien in seinen Besitz gebracht. Verkaufen kann er das aber nur illegal an jene Schmuggler, die bereit sind, die Gefahr auf sich zu nehmen, dass ihre Transporte von der Anti-IS-Koalition zerbombt werden. Ja, wie in jeder ersten Angriffswelle auf eine fremde Macht, versucht die von den USA angeführte Kampfkoalition gegen den IS seine Infrastruktur zu schwächen. Und das sind bisher die größten Erfolge gegen das IS-Regime, auch finanziell.
Ein weiterer Hauptabnehmer des Öls ist, spannenderweise, Syriens Regime unter Assad. Warum? Die Gebietsverluste an IS und Rebellen zwingen das Regime dazu.
Der restlichen Welt kann der IS weder Öl, noch sonst etwas verkaufen. Alle Handelswege, die der IS betreibt, finden in der Illegalität statt.

Der IS kann teilweise sogar den Finanzmarkt für sich nutzen, etwas, das natürlich bereits intensivst versucht wird zu verhindern, aber leider nicht gelingt, da der Finanzdschungel einfach zu undurchsichtig und die etablierten Kanäle zu vielschichtig sind.

Des weiteren hat der IS in seinem kontrollierten Territorium eine relativ moderne Bürokratie aufgebaut, in der natürlich Steuern von den Bürgern eingehoben werden. Es gibt öffentliche Spitäler und sogar eine Impfkampagne (Unfassbar, sogar der IS ist pro-Impfen, aber was uns das über Impfgegner sagt, ist wieder eine andere Geschichte.) Zusätzlich hebt natürlich auch der IS fleißgi die Zakat ein, die für muslime verpflichtende Abgabe eines Teil ihres Geldes für Bedürftige, in dem Fall leider Terroristen.

Außerdem, ebenfalls wenig überraschend für ein Terrorregime, verdient der IS relativ gut an Menschenhandel, Menschenschmuggel, Schmuggel, Diebstahl, Erpressung, Annexion, Beschlagnahme und Enteignungen der eigenen Bevölkerung.

Keine Waffen mehr an den IS liefern

Woher bezieht der IS seine Waffen? Den größten Teil seines Waffenarsenals bezog der IS aus zurückgelassenen Waffenlagern von geflohenen irakischen Sicherheitskräften, die ja großzügig ausgestattet waren.
Abgesehen davon beteiligt sich der IS natürlich aufgrund seiner vorhandenen illegalen Kanäle an eben selbigen. Offizielle Waffenlieferungen gibt es keine, schon gar nicht welche, die der Westen direkt kontrollieren könnte.

Konten des IS einfrieren

Wir könnten die Gelder des IS einfrieren und sie damit finanziell schädigen. Prinzipiell versuchen wir nichts anderes, als den IS, auch finanziell, zu schädigen, allerdings offizielle Konten, die man einfrieren könnte, dürften wohl kaum aufzufinden sein.
Wie in allen Berichten einstimmig geschildert, läuft der wirklich allergrößte Teil der Geldmaschinerie des IS in der Illegalität ab, was natürlich bereits jetzt schon ein großes Problem für das Kalifat darstellt, da es quasi keine offiziellen Handelspartner findet.

Krieg in Syrien nicht so einfach, man würde nur ein Übel gegen ein anderes tauschen

Ein sehr gutes Argument ist, dass ein Eintritt in den Drei-Parteien-Konflikt in Syrien alles andere als einfach ist. (was aber auch nie jemand behauptet hat.)
Auf der einen Seite steht das Regime von Assad, das von Russland und China unterstützt wird. Putin hat ja noch bis vor kurzem sogar für Assad die Rebellen in Syrien bombardiert.
Auf der anderen Seite stehen die Rebellen, die seit dem arabischen Frühling für die Unabhängigkeit von Assad kämpfen. Genau wie in fast allen anderen Länder jener Frühlingsrevolution gibt es aber auch unter diesen Rebellen bereits heftige, teils gefährliche religiöse Gruppen, die den Machtanspruch für die Zeit nach Assad stellen. Es gilt zu befürchten, dass bei einem Sieg der Rebellen auch in Syrien, wie im restlichen arabischen Raum, auf den arabischen Frühling ein islamistischer Hochsommer folgte.
Wie also vorgehen? Man kann weder Assad noch die Rebellen Vollgas unterstützen – beides wäre verheerend und würde den Zustand nur verschlimmbessern. Generell, weil in einem derartigen Bürgerkrieg eine Front massiv zu unterstützen in der älteren genau so wie in der jüngeren Geschichte zu meist noch größeren Problemen führte (unter anderem zum IS).
Wichtig wäre, meiner Meinung nach, vor allem, nicht wieder den USA die alleinige Anführerschaft in dieser Frage zu überlassen, denn wenn wir eines gesehen haben in den vergangenen Jahrzehnten, dann das ein Befreiungskrieg der USA meist zu einem Desaster für die dortige Bevölkerung wurde und vor allem, dass jene dann im der Befreiung folgenden Demokratieprozess alleine gelassen wurde – sprich: Es kamen genau jene an die Macht, die alles andere als Demokratie wollten.
Eine von europäischen Staaten geführte militärische Operation, die, und diesmal wäre es zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg tatsächlich so, einen Befreiungskrieg gegen den IS anführen würde, könnte sicherstellen, dass es nicht wie sonst üblich bei den USA abläuft – sprich: “Befreien”, Geldrückflüsse sichern, hinter uns die Sintflut.
Es wäre unumgänglich, gemeinsam mit der UN, einen fairen, echten Demokratieprozess zu starten, um das Aufkommen neuer militanter, totalitärer, extremistischer Fanatiker zu unterbinden und den Menschen in Syrien eine echte Chance zu geben und gleichzeitig dem Terror einen massiven Schlag ins Gesicht zu versetzen, der ihm Geld, Rekrutierungsmöglichkeiten und vor allem infrastrukturelle Stärke wegnimmt.

Wenn es doch nur so einfach wäre

Mir wurde vorgeworfen, ich würde Krieg als einfache und mir liebste Option darstellen. Nun, mir war nicht bewusst, dass man so etwas dezidiert klarstellen muss, vor allem, wenn man es nie behauptet oder geschrieben hat, aber: Nein, ich will keinen Krieg. Nein, ich möchte nicht, dass Europa in den Krieg zieht. Nein, mir wäre jede andere effiziente und funktionierende Option unendlich lieber. (What else?!)
Spannend finde ich nur, dass mir dabei sehr hohe Naivität vorgeworfen wurde. Ich, zum Beispiel, finde es nicht sehr realitätsnah, wenn man meint, man kann den IS einfach mit ein paar simplen Wirtschafts- und Finanzembargos in die Knie zwingen.
Ein Beispiel, um das zu verdeutlichen: Die Mafia, egal ob von den Russen, den Italienern, den Ostländern, whomever, ist eine bekannte, riesige Wirtschaftsmacht. Menschenhandel, Drogen- und Waffenschmuggel, Erpressung, Diebstahl, etc.pp. – jedes Land betreibt massive Bemühungen, um dem organisierten Verbrechen entgegenzutreten – und es funktioniert aber nicht einmal im Geringsten.
Da kommt mir natürlich die Frage auf: Wäre das so einfach, dass man derartige Verbrecherorganisationen mit solch simplen Mitteln ausschalten kann, warum haben wir es dann nicht schon lange bei den Mafien dieser Welt getan?!
Außer natürlich wir unterstellen dem IS, ein Haufen dämlicher Hinterweltler zu sein, denen man mit links mit unserer westlichen Intelligenz das Handwerk legen kann. Leider ist dem nicht so. Die Organisation des IS ist erschreckend gut auf- und ausgebaut.

Niemand will Krieg

Der Krieg ist das Schlimmste, was die Menschheit hervorgebracht hat. Niemand wünscht sich das, niemand will das. Auch ich ganz bestimmt nicht.
Aber nur, weil man etwas ganz fest nicht will, heißt das leider noch lange nicht, dass es einem nicht widerfährt.
Ja, wir können natürlich weiterhin hoffen, dass wir den IS irgendwie finanziell doch noch dran kriegen, und versuchen ihre digitalen Börsenspuren aufzuspüren, können schauen, dass wir halbjährlich eines ihrer Bargeldlager finden und zerbomben können und wir können darauf warten, dass das irgendwann zu einer Auflösung des Kalifats führt. Aber das könnte dauern. Massiv lange.
Die große Frage ist, ob die Zeit in diesem Fall auf unserer Seite ist. Ob die unfassbare Gehirnwäsche und Propagandamaschinerie und das eiserne Terrorregime des IS mit der Zeit schwächer… oder stärker wird. Wenn ich an das, für mich vergleichbarste Terrorregime der Neuzeit denke, die Nationalsozialisten, dann kennen wir die Antwort.
In dieser Zeit terrorisiert dieses Regime nicht nur seine eigene Bevölkerung, sprich jene Menschen, die leider dort leben, wo der IS Raumgewinn gemacht hat, sondern auch die Bevölkerung der umliegenden Regionen. In dieser Zeit wird dieses Terrorregime weiterhin Massenhinrichtungen durchführen, Steinigungen, Massenvergewaltigungen und, ja, nicht zu vergessen – Terroranschläge.

Hätten wir die gleiche Diskussion, wenn es nur darum ginge, dass der IS in seinem kleinen Territorium ein brutales Regime führt?! Würden wir dann auch darüber reden, ob man es vernichten müsste? Mit einem dicken Kloß im Hals schreibe ich: Vermutlich nicht.
Aber so wie es sich nun darstellt, führen wir diese Diskussion und wir suchen den effektivsten Weg, diesen Terrorschergen das Handwerk zu legen. Ja, nicht als heilige Samariter, weil wir die Syrer retten wollen, sondern auch aus Eigennutzen. Ob das das beste Motiv ist? Vermutlich nicht.
Aber dass es eines ist, dass zu einem positiven Ergebnis führen würde – nämlich zur Zerschlagung des IS und damit zu einer massiven Schwächung des weltweiten Terrors – das steht wohl außer Zweifel.

Nein, niemand will Krieg. Krieg ist nicht erstrebenswert. Krieg muss undenkbar bleiben, bis nichts anderes mehr denkbar ist. Krieg darf nie die erste, sondern muss die allerletzte Zuflucht sein.

Ich korrigiere mich – für uns.

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Europa muss in den Krieg ziehen

“Wir müssen einfach so weitermachen, wie bisher, sonst haben sie gewonnen!”, lese ich seit Paris und Brüssel immer wieder.
Auch lese ich ganz oft “Unsere Liebe und Freiheit ist stärker als ihr Hass!”.
Oder “Die Gewaltspirale muss ein Ende haben, wir müssen sie durchbrechen.”
Und natürlich “Love and peace will always win!”

Dass das alles mit der Realität nichts zu tun hat, ist wohl jedem halbwegs vernunftbegabten Menschen klar. Wer sich nur ein bisschen mit der echten Welt auseinandersetzt, realisiert sehr rasch, dass ein “so weitertun wie bisher”, “Love and Peace” oder “die andere Wange hinhalten” ganz schlechte Strategien gegen eine totalitäre, fanatische, faschistische Gewaltdiktatur sind, wie sie sich derzeit auf der ganzen Welt erhebt.

Oft lese ich auch, gerade nach den Anschlägen in Paris oder jetzt in Brüssel, dass vor den rechten Hetzern und Nazis gewarnt wird, die jetzt diese blöden Missgeschicke dazu nutzen würden, um morgen das vierte Reich auszurufen. “Wehret den Anfängen…” und “Unsere Kinder werden uns fragen, wie wir das zulassen konnten, wieso wir nichts getan haben”.

Und ja, es ist wahr – es erhebt sich eine Macht, die den Nationalsozialisten der 30er-Jahre gleicht. Eine Macht, die junge Menschen anlockt. Die ihnen das Gefühl von Zugehörigkeit vermittelt, von Sinn, von Bestimmung. Die ihnen das Gefühl gibt, auserwählt zu sein, elitär zu sein, auf der richtigen Seite eines totalen Krieges um die Welt zu stehen.
Eine Macht, die unsere heutige Vorstellungskraft übersteigt.
Krank. Brutal. Totalitär. Gnadenlos. Perfekt inszeniert.
Ein System aus Angst, Unterdrückung, Propaganda, Rekrutierung durch Verblendung und Schüren von Hass.

In Wahrheit ist es tatsächlich unbegreiflich, wie unsere westliche Welt nach wie vor in ihrer völlig sozialromantisch verträumten, ideologisch verklärten Wolke aus Zuckerwatte dahinschweben kann, ohne auch nur eine einzige sinn- oder wirkungsvolle Maßnahme gegen dieses totalitäre Regime zu ergreifen.

Der Westen stellt sich hin und meint “Wir stehen zusammen”, “Wir dürfen unsere Freiheit nicht aufgeben, denn das wollen sie” oder “Nur durch das Hochhalten unserer Werte können wir gewinnen” – Europa schleudert mit völlig leeren Wort-, statt mit Patronenhülsen um sich.

Nein, nicht der Islam bedroht uns. Nein, nicht die Muslime. Nein, nicht die Flüchtlinge.
Aber eine radikale Strömung an Menschen, die inzwischen so weit fortgeschritten und entwickelt ist, dass sie ihren eigenen Staat ausgerufen haben und dass sie ein Regime inklusive Propaganda aufgebaut haben, dass den Nazis die Neidesgrüne ins Gesicht getrieben hätte.
Eine Propaganda, die so erschreckend perfekt funktioniert, dass gebürtige Europäer dazu bereit sind, im Alter von 25 Jahren und bei bester Gesundheit, sich selbst auf brutalste Weise umzubringen, nur um ein paar “feindliche Ungläubige”, in Wahrheit ihre eigenen Nachbarn und Mitbürger seit Kindestagen, mit sich in den Tod zu reißen.

Ja, schön wär’s, wenn man durch simples Ignorieren des Terrors und Hochhalten der europäischen Werte (wie genau äußert sich das im alltäglichen Leben des Europäers?! Weiterhackeln, Dancing Stars schauen und a paar Spritzer saufen?! Ernsthaft?! Na bumm, das wird den IS aber hart treffen) gegen das Böse gewinnen könnte. Das wird’s aber so nicht spielen.
Das hat schon am Schulhof nicht funktioniert, den Schläger “einfach zu ignorieren, irgendwann wird dem das eh fad und dann hört er von ganz alleine auf.” Funktioniert noch schlechter in der Weltpolitik und gegen den Terror.
Für viele wär’s wohl noch schöner, wenn man weiterhin so tun könnte, als würden morgen die Nazis in Mitteleuropa wieder aufmarschieren, dass man schön brav unbeirrt und unreflektiert seine einstudierten, gut gelernten Anti-Nazi-Parolen schreien kann und damit alles gut wird und man mit keinem einzigen Wort den Radikalislamismus erwähnen muss, weil das könnte irgendwie ungut ausgelegt werden, so irgendwie… schon als rechte Hetze und so. Und DAS ist aber der wahre Feind.

Ich habe es schon oft geschrieben, aber mit jedem Tag, und mit Tagen wie dem 13.11.2015 oder dem 22.03.2016 ganz besonders, wird es immer klarer:
Die EU muss endlich in den Krieg eintreten, in dem sie sich schon lange befindet.

Ja, wir werden den Terror damit nicht endgültig ausrotten können. Ja, dabei wird es weitere Verletzte und Tote geben. Ja, das wird kein Kinderspiel.
Aber es wird den Terror massiv schwächen, wenn der IS und sein Netzwerk zerlegt, zerstreut und zerschossen ist. Es wird die unfassbar professionell gemachte Propaganda enorm schwächen, wenn der IS keine derart hochentwickelten und ausgebauten Strukturen mehr vorweisen kann, wie es ihm derzeit möglich ist. Und das wird zumindest den Zustrom zur Radikalisierung eindämmen, wenigstens vorübergehend.

Die ansässige Zivilbevölkerung würde darunter leiden? Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist, die leidet schon! Unter einem Terrorregime! Unter täglichen Hinrichtungen! Unter Massenvergewaltigungen, Zwangsehen, Entführungen usw.usf.

Es sind schon einige Staaten Angriffe geflogen und es hat offenbar nichts genützt? Also Russland hat die dritte Fraktion im syrischen Bürgerkrieg zerbombt, nämlich diejenigen, die gegen den Diktator Assad kämpfen und sich aber gleichzeitig auch gegen den IS wehren müssen. Und die restlichen Bombenangriffe auf den IS waren halbherzig und können nie eine schlagkräftige Militäroffensive ersetzen.

Außerdem, was ist denn die Alternative?! Schulterzucken?! “Terror wird’s immer geben” murmeln?! Na zum Glück waren die Alliierten nicht so unfassbar hirnlos, einen derartigen Schwachsinn von sich zu geben.

So weitermachen wie bisher?! Darf ich anmerken, dass “wie bisher” genau dazu geführt hat, dass sich, mitten in Europa, eine, zugegeben nicht besonders große, aber dafür brandgefährliche Parallelgesellschaft entwickelt hat, die bereit ist, ihre eigenen Staatsangehörigen brutalst durch Selbstsprengung zu zerfetzen, ihr, ja, tatsächlich, ihr eigenes Vaterland, anzugreifen und dagegen in den Krieg ziehen zu wollen?!

Intern muss einerseits die Bildung von Ghettos und Parallelgesellschaften mit allen Mitteln bekämpft werden – auf der einen Seite mit massiven Integrationsbemühungen, auf der anderen Seite mit der vollen Härte des Gesetzes – anderseits muss der Sicherheitsstaat massiv erhöht werden.
Oh nein, oh nein, unsere große, geliebte Freiheit! Dann sehen die ja, was ich alles mache im Internet?! -Keine Sorge, niemanden interessiert, zu welchen Seiten Sie sich einen runterholen. Aber ja, Einschnitte in die gewohnte europäische, pardon, westeuropäische Freiheit werden von Nöten sein. Aber damit gewinnen nicht die, sondern wir.
Diese völlig verquere Ansicht “wenn wir jetzt die Sicherheit erhöhen und damit unsere Freiheit einschränken, erreichen sie genau, was sie wollen, damit gewinnen sie!” ist nicht einmal mehr lächerlich, das ist einfach nur jenseitig.
Es muss, gleichzeitig zum eisernen Kampf gegen den IS vor Ort, ein ebenso eiserner Kampf gegen seine Ausläufer, Rekruteure, Hassprediger und Sympathisanten hier auf unserem Boden geführt werden. Aber diesen Kampf können wir nicht mit Bomben und Maschinengewehren kämpfen, den müssen wir mit Daten- und Informationsaustausch führen.
Ganz ehrlich,  ja, überwacht das Netz. Wenn es dazu führt, dass diese Anhäufung an Psychopathen schneller ausgeräuchert wird, dann ja, um Himmels Willen, überwacht. Ganz ehrlich, ich finde es eigentlich pervers, wenn man, angesichts der evidenten Bedrohung, nicht dazu bereit ist, ein klein wenig seiner “Freiheit” aufzugeben.

All unsere Theorien haben sich als falsch herausgestellt – die Terroristen sind nicht arme, ungebildete Bergbauern, die ihre Familien nach ihrem Selbstmordattentat versorgt wissen wollen, sie sind keine Zuwanderer, die böse und gemein ausgegrenzt wurden und aus Frust radikal wurden.
Es sind durch eine unfassbare Propaganda- und Rekrutierungsarbeit gehirngewaschen radikalisierte Fanatiker. Das ist die Realität.

Die EU ist ein Friedensprojekt, ja. Das heißt aber nicht, dass sie sich tatenlos von Terroristen zerbomben lassen muss, bis sie durch interne Reibereien zerbricht.
Und einem solchen abscheulichen Monstrum blödblind zuzusehen, wie es immer stärker wird, hat nichts mit Frieden zu tun, das ist einfach nur Fahrlässigkeit und selbstauferlegte Handlungsunfähigkeit durch völlig fehlgeleitete Träumereien einer Welt aus Friede, Freude, Eierkuchen.
Schön wär sie ja, aber nur weil ich die Augen zumache und sie mir ganz fest wünsche, wird sie nicht zur Realität.

Terror wird es immer geben, ja. Ihn deshalb völlig frei schalten und walten zu lassen wäre so, als würde ich sagen: “Es werden immer welche besoffen fahren, dagegen vorgehen bringt da auch nix.”

Es bleibt nur mit aller Kraft zu hoffen, dass die EU noch rechtzeitig erwacht und nicht nur intern versucht, per Fahndungen und Ermittlungen nach Terroranschlägen etwas zu tun, sondern dass sie auch beginnt, in die Offensive zu gehen.
Denn so ein Kampf könnte der schwerst zerrütteten EU auch ein Signal dafür sein, dass sie einander tatsächlich braucht und dem Terror, dass der Westen nicht so schwach ist, wie er sich derzeit präsentiert.

Anderseits… sind wir seit inzwischen anderthalh Jahren nicht dazu imstande, eine auch nur annähernd sinnvolle Flüchtlingspolitik zu betreiben.
Wozu ja auch ein Kampf gegen die Fluchtursache gehören würde. Was in diesem Fall der Terror des IS ist. Sehen Sie langsam, wie sich das alles zu einem Bild fügt?! Das Problem ist, es ist ein Bild der EU. Und es sieht nicht gut aus.

+++Lesen Sie weiter+++
Die Alternativen der in Diskussionen vorgetragenen Alternativen zum Krieg gegen den IS.

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Brüssel

Schon wieder. Schon wieder simultane Anschläge, die keinen Zweifel daran lassen, dass der Terror in Europa nicht nur Fuß gefasst hat, sondern uns zeigt, dass er uns in der Hand hat.
Erschreckend!

Verblüffend auch die ersten Reaktionen, die ich auf Facebook gelesen habe. Eine war ein sarkastisches “Wir schaffen das!” auf einen Bericht über die Toten und Verletzten. Makaber. Fehl am Platz.
Eine andere war Ärger darüber, dass es bei diesen Anschlägen sofort überall Live-Ticker gibt, während das bei den Anschlägen in der Türkei zuletzt nicht so war. Wirklich? Das ist aktuell die große Tragödie? Puh…

Doch zur ersten Reaktion, die natürlich stellvertretend für die Gedanken und ersten Emotionen ganz vieler stehen wird: Die Willkommenskultur des letzten Jahres hat Terroristen Tür und Tor geöffnet.
Wichtig ist dabei aber hervorzuheben, dass viele damit nicht die Flüchtlinge kritisieren, sondern die eigenen Politiker, die jegliche Bedenken über Bord warfen und unkontrolliert mehr als eine Million Menschen nach Europa holte. Das ist ein massiver Unterschied.
Wer schreit “Die Flüchtlinge sind schuld!”, dem ist ja wohl nicht mehr zu helfen und den Irrwitz einer solchen Aussage würdige ich nicht einmal einer weiteren Gegendarstellung. Wer allerdings “Die blindwütige Grenzöffnung der EU-Außengrenzen und das gedankenlose Durchwinken durch den gesamten Kontinent ist schuld!” schreit, der differenziert wenigstens. Aber ob er Recht hat?

Die Attentäter von Paris waren großteils gebürtige Belgier und Franzosen, nur zwei der Täter wurden als Iraker identifiziert. Anderseits ist einer der Attentäter durch halb Europa durchgefahren, vollbeladen mit Waffen. Wobei, das wäre ihm mit Schengen ja auch ohne Flüchtlingsstrom gelungen.
Wer die Attentäter von Belgien sind wissen wir noch nicht, aber der Verdacht liegt nahe, dass sie aus dem Dunstkreis des vor wenigen Tagen geschnappten Salah Abdeslam stammen, wobei dies aktuell reine Spekulation ist.

Was also tun? Schengen komplett aufheben? An allen Grenzen wieder massiv kontrollieren? Außengrenzen sowieso komplett dicht machen, wie quasi ohnehin der aktuelle Plan?
Dagegen halten viele, dass es Terroristen trotzdem schaffen würden, Anschläge durchzuführen. Ein Argument, dem ich nicht viel abgewinnen kann.
Nur weil eine Sicherheits- oder Vorsichtsmaßnahme keine 100% Schutz bietet, soll man sie gleich ganz weglassen?! Eher unlogisch. Trotz angelegten Sicherheitsgurts kann man bei einem Autounfall sterben, dennoch gilt die Pflicht, sich anzuschnallen.
Das Argument allerdings, dass die Attentäter gar nicht  mehr aus fremden Ländern zu uns kommen, sondern eigentlich gebürtige Europäer sind, das kann man nicht von der Hand weisen. Doch was sagt uns das?

Es sagt uns, dass wir ein ganz großes Problem haben. Nämlich Parallelgesellschaften, die so massiv sind, dass jemand, der in Europa geboren worden und aufgewachsen  ist und der hier rein theoretisch auch sozialisiert hätte werden müssen, sich so radikalisieren kann, dass er dazu bereit ist, sich selbst in die Luft zu sprengen und dabei so viele Menschen wie möglich mit in den Tod zu reißen.
Das sollte uns im zweiten Schritt in Wahrheit noch mehr schockieren, als die eigentlichen Anschläge. Uns läuft hier etwas gewaltig aus der Hand und es scheint keinen wie auch immer gearteten Plan zu geben, diese Katastrophe einzudämmen oder gar zu verhindern.
Bezahlte Deutschkurse alleine werden das Problem nicht lösen.

Und seit letztem Jahr strömen hier eine Masse an Menschen aus eben jenem Kulturkreis herein, in dessen Parallelgesellschaften sich diese Radikalisierung in Europa überhaupt erst entwickelt hat.
Um es ganz klar zu sagen: Das bedeutet bitte nicht, dass alle Flüchtlinge Terroristen sind oder dass die Flüchtlinge hier an irgendetwas Schuld hätten.
Aber es bedeutet, wenn wir uns die Zahlen zu den gekommenen Menschen ansehen, dass es bei weitem nicht nur Kinder und deren Mütter waren und anhand der negativen Asylbescheidszahlen sehen wir, dass es auch bei weitem nicht nur Flüchtlinge waren. Viele die kamen sind aus welchen Gründen auch immer gekommen. Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht einmal genau, wer gekommen ist.

Wir wissen aber, dass wer einmal hier ist, kaum wieder abgeschoben werden kann.
Und wir wissen. dass wir schon vor dieser Migrationswelle ein unfassbar massives, gefährliches Integrationsproblem in Europa hatten, das den Nährboden für diese exzessive Radikalisierung bildete.
Und es darf wohl äußerst stark bezweifelt werden, dass sich dieses Problem durch den völlig unkontrollierten Menschenzustrom des Jahres 2015 verbessern wird. Ganz im Gegenteil.

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Mensch Sucht Smartphone?

Smombie, ein neues Wort für einen Smartphone-Zombie. Blick stets gesenkt, nimmt nicht mehr am sozialen Leben teil, glotzt nur auf sein Smartphone. Ganz oft wird hier auch von Sucht gesprochen, doch ist man wirklich selbst smartphonesüchtig?

Fachlich beschrieben: “Abhängigkeit (ugs.: Sucht) […] beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums.”
Nun gut, also wenn man gerade auf den sozialen Charakter eingeht, dann dürfte das heute ja bei einigen sehr rasch erreicht sein. Oder?

Es gibt inzwischen sehr viele Analysen und Studien dazu, wie das Smartphone einen Menschen süchtig machen kann. Das Ertönen des Nachrichtensignals oder das Erblicken von neuen Nachrichten oder Push-Benachrichtigungen, die indizieren, dass interagiert wurde, lösen im Gehirn teilweise gleiche Belohnungsmechanismen aus wie gewisse Drogen.
Eine längere Unzugänglichkeit zum eigenen Smartphone wird als unangenehm empfunden, teilweise als unerträglich. Eine weitere Analogie zu Süchtigen, wie zum Beispiel Rauchern.

Doch dieser Übergang ist schleichend. Wie kann man erkennen, dass man süchtig ist?
Es gibt da einige einfach zu beobachtende Merkmale, die gerne vermischt werden, wobei die einen unbedenklich sind, die anderen allerdings die Alarmglocken schrillen lassen sollten.

Besonders gerne werden populistisch jene Menschen kritisiert, die in der Ubahn oder am Bahnsteig stehen und “deppat ins Kastl schauen…”. “Die kennan jo goa nimmer reden mit irgendwem!!!”, wird dann noch oft hinterhergeworfen.
Sollten Sie auch zu den Menschen gehören, die in diesen Leerzeiten wie öffentlichen Wegen oder Zuständen des Wartens “deppat ins Kanstl schauen”, keine Sorge. Sie haben bei weitem noch kein Problem, sondern nutzen ihre Zeit effektiv, um soziale Kontakte zu pflegen, Nachrichten zu lesen oder sich einfach unterhalten zu lassen, über Videos, Musik oder Spiele.
Denn was jene Suderanten gerne vergessen: Diese Kastln sind keine flachen Taschenlampen, die uns weißes Licht ins Gesicht strahlen – es sind Geräte, die uns Zugang zum größten Wissens-, News- und Unterhaltungsspeicher der Welt ermöglichen.
Nebenbei, was wäre denn die Alternative? Geistlos auf die gegenüberliegende Stationswand zu starren? Oder seine Mitfahrenden mit Blicken zu stalken? Wer beginnt denn mit Wildfremden in der Ubahn ein Gespräch?! Eben…
Oh, und weil es auch immer wieder als Argument kommt “fria homma des ois ned ghobt, do hot ned jeda deppat owegschaut, do hom die Leit no gredt mitanaund!”
smartphone-or-newspaper

Wo das Argument dann aber schon greift ist der Punkt, wenn man das digitale soziale Netzwerk dem realen vorzieht.
Mir fällt es teilweise selbst häufig auf, dass inzwischen an Abenden mit Freunden, wenn gerade gesprochen, sich unterhalten, ein netter Abend verbracht wird, einige, teilweise mitten in der Erzählung eines anderen, ihr Smartphone herausnehmen, ohne Anlass, ohne Nachrichtensignal, ohne Vibrationsalarm, und nachsehen, ob nicht doch irgendeine Nachricht gekommen ist, oder die, und das ist dann die Spitze, einfach während ein anderer spricht, Facebook checken. Und damit meine ich, dass sie ihren Newsfeed entlang scrollen.
Das finde ich äußerst bedenklich. Abgesehen davon, dass es an Unhöflichkeit nicht zu überbieten ist, wenn man absolut plakativ ein anderes Informationsmedium wählt, als einem Freund zuzuhören, ist es auch eine Frage der Gehirnleistung zur Aufmerksamkeitsspanne. Ist die Geschichte des Freundes wirklich so uninteressant oder habe ich einfach nicht mehr die Fähigkeit, einer normal erzählten Geschichte durchgehend zu folgen?

Tatsächlich wird von Wissenschaftern Alarm geschlagen, dass die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne durch die elektronischen Medien abnimmt.
Gleichzeitig sinkt auch die Wertschätzung realer, menschlicher Interaktionen. Denn selbst wenn(!) ich eine Nachricht bekomme, warum sollte die denn so viel wichtiger sein, als das Gespräch mit meinem Gegenüber? Ist sie das wirklich? Kann sie das überhaupt sein?!
Das ist gar nicht mehr die Frage. Für viele ist es selbstverständlich geworden, ihren Gesprächspartnern nicht mehr aufmerksam zuuzhören sondern gleichzeitig aus WhatsApp zu chatten, Mails zu lesen, zu beantworten oder eben sogar einfach nur Facebook abzuscrollen. Eine äußerst dramatische, bedenkliche und vor allem auch weit verbreitete Entwicklung.

Ich merke es immer wieder in einem Pubquiz, dass ich alle zwei Wochen veranstalte. Dort verlangen wir von den Mitspielern ihre Smartphones, mit dem Display nach unten, in der Mitte des Tisches abzulegen, sodass es ein faires Quiz bleibt.
Bei gar nicht einmal so wenigen Teilnehmern löst diese Aufforderung große Aufregung aus. “Was?! Das Smartphone dürfen wir nicht benutzen?! Wie lange dauert denn das?!” Wir sprechen hier von etwas unter 2 Stunden. “Pfff, na Oida, geh bitte…!”
Eine ähnliche Reaktion gibt es auf das im Lokal herrschende Rauchverbot. Niemand möchte während des Quiz rausgehen um zu Rauchen, da sonst eine Frage verpasst werden würde. Die ersten Male allerdings haben wir nicht an eine Rauchpause in der Hälfte des Quiz gedacht – die Beschwerden wurden laut, die Leute waren unzufrieden, unruhig, es war für sie unerträglich. Ähnlich wie es ihnen geht, wenn sie das Smartphone nicht benutzen dürfen. Für 2 Stunden!
Sobald ich die Fragebogen absammle, greifen geschätze 80% panisch zu ihrem Smartphone und sehen so aus, als würde ein Mensch nach 4 Tagen in der Wüste zum ersten Mal Wasser zu sich nehmen. Man kann ihnen die Erleichterung, die Befriedigung ansehen, die sie alleine dadurch verspüren, das Gerät wieder in Händen zu halten und in die damit verbundenen Netzwerke einzutauchen.

Ein kleines Problem ist natürlich dabei auch die Erwartungshaltung unserer elektronischen Kommunikationspartner. Vor allem, aber nicht nur, Arbeitgeber gehen heute sehr oft ganz selbstverständlich davon aus, dass man ständig und immer erreichbar zu sein hat. Das wird oft gar nicht mehr hinterfragt. “Warum hast du gestern nicht abgehoben?!”
Weil’s acht am Abend war!!! wäre die richtige Antwort. Oder auch weil ich einfach keinen Bock hatte!, aber das gibt es heute nicht mehr. In der Arbeit, wie privat, wird sehr oft erwartet, dass man abhebt oder auch in kürzester Zeit zurückschreibt auf Nachrichten. Dieser äußere Druck ist natürlich nicht sehr förderlich für unsere elektronische Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit. Zu den Analogien zu suchtgefährdenden Substanzen kommt auch noch diese gleichzeitige teilweise Notwendigkeit der Nutzung hinzu.

Hinzu kommt sogar noch der Umstand, dass diese absolute Unart, diese bodenlose Frechheit einem Gesprächspartner einfach mitten im Wort demonstrativ zu zeigen, dass er und seine Geschichte einem eigentlich scheißegal sind, in dem man das Smartphone checkt, absolut sozial anerkannt ist.
Viele versuchen noch den Anblick eines Anstands zu wahren, indem sie, Blick gesenkt, kompletter Fokus auf das Smartphone gerichtet, noch ein “Mhm” dazwischen herausgrunzen oder sagen “Wart, ich muss nur kurz…”.
Die Antwort lautet oft: “Klar, bitte…”, wobei sie eigentlich lauten sollte: “Passt schon, ich gehe derweil. Sobald es dir auffällt, dass ich weg bin, kannst du mich ja auf WhatsApp fragen, wo ich hin bin.”

Smartphones sind ein unfassbar nützliches Tool, sie sind perfekt, um sich Leerzeiten zu vertreiben und ja, da nutze ich es selbst äußerst intensiv, da mir das Leben zu kurz ist, um auf den Hinterkopf des vor mir sitzenden Passagiers der Ubahn oder an die vorbeiziehende schwarze Wand des Tunnels zu starren, genau so wie ich beim Training im Fitnesscenter in den Satzpausen quasi ständig auf mein Smartphone starre, da ich es als verschwendete Zeit empfinde, jedesmal 1-2 Minuten in die Luft zu schauen bis zum nächsten Trainingssatz.
Doch Smartphones bergen offenbar auch die große Gefahr, tatsächlich Sucht auszulösen. Denn wenn ich nicht mehr durchgehend 2 , 3 oder 4 Stunden ein angeregtes Gespräch führen kann, ohne ständig mein Kommunikationsmittel zu checken, oder wenn es mir sogar schon schwer fällt einer längeren Geschichte auch nur für ein paar Minuten zu folgen, ohne dass ich den Facebook-Newsfeed entlangscrolle, um nach einem neuen fix zu suchen, nach einem neuen High, dann habe ich ein Problem.
Nicht nur, dass ich ein absolutes Arschloch gegenüber meinen Freunden bin… sondern dass ich es gar nicht mehr mitbekomme, denn sonst würde ich es ja, hoffentlich, nicht tun.
Und ja, teilweise ertappe ich mich selbst bei ähnlichem Verhalten. Man muss höllisch aufpassen. In dieses Verhalten verfällt man schneller, als man denkt… und die Frage ist, ob man es auch leicht wieder los wird.

Na, selbst auch stellenweise erkannt? Achten Sie mal auf ihr eigenes Verhalten. Vielleicht ertappen Sie sich selbst bei einigen der beschriebenen, bedenklichen Verhaltensweisen.
Ein kleiner Selbsttest ab und zu, in dem man sein Smartphone mal für einen Tag zu Hause lässt oder es zumindest während eines Abends mit Freunden deaktiviert, kann wirklich niemandem schaden.
Sollte man bei solchen einfachen Tests ein absolutes Unwohlsein bemerken, den Zustand fast als unerträglich empfinden, dann hat man ein ernsthaftes Problem. Denn eine derartige Abhängigkeit… “beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums.”

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Merkel

Anlässlich des Weltfrauentags werfen wir doch mal einen Blick auf die mächtigste Frau der Welt, Angela Merkel.

Seit mehr als 10 Jahren ist sie mittlerweile Bundeskanzlerin der Republik Deutschland, der mächtigsten Nation in der Europäischen Union. Ihre Entscheidungen haben das letzte Jahrzehnt für Europa und die gesamte Welt drastisch geprägt. Aber in welche Richtung?
Gerade angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise gab es vor allem anfangs großen Jubel und Applaus für Merkels Willkommenspolitik.
Wir schaffen das!, war ihr großes Mantra. Tatsächlich? Schafft Deutschland das? Schafft Merkel das?

Ein kleiner Rückblick auf Angela Merkels bisherige größten Entscheidungen und Positionen:
Zu zeiten der Finanzkrise 2008 hat sich Angela Merkel, wie viele andere Staatsoberhäupter, stark für die Bankenrettung eingesetzt – eine unsinnige und extrem kostenintensive Fehlentscheidung, wie heute zahllose Ökonomen bestätigen. Klar, im Nachhinein ist man immer klüger, aber es gab ja auch damals bereits genug Stimmen, die dazu geraten haben, die Banken pleite gehen zu lassen. Hier hatte Angela Merkel nicht den richtigen Riecher.
Kurz darauf, die griechische Staatsschuldenkrise 2010, bei der Merkel an vorderster Front stand, um Griechenland mit Hilfszahlungen und Rettungspaketen quasi lebenserhaltende Notmaßnahmen zu spenden. Jene resultierten in derart harten Auflagen für Griechenland, dass dort gleiche, teilweise sogar schrecklichere Zustände herrschten, wie bei der argentinischen Staatspleite einige Jahre zuvor, mit einem gravierenden Unterschied:
Argentinien erklärte offiziell den Staatsbankrott, es wurde ein ordentliches Verfahren eingeleitet, die Währung wurde abgewertet und nach 3 Jahren der Krise begann das Land sich wieder zu erholen und stand weitere 2 Jahre wieder um einiges besser da, als heute Griechenland. Dort nämlich herrschen seit nunmehr 5 Jahren die gleichen fatalen Zustände, die beinahe einer humanitären Katastrophe gleichen, allerdings ohne Aussicht auf Verbesserung. Wie auch?
Die Darlehen kann das Land unmöglich in absehbarer Zeit sinnvoll begleichen, für die ersten Tranchenrückzahlungen mussten neue Darlehen aufgenommen werden und um die Auflagen der Troika halbwegs zu erfüllen, wurde die öffentliche Hand zu Tode gespart, was in einem brach liegenden Staat resultiert, dessen Bürger am Hungertuch nagen und dessen Krise noch nicht einmal ansatzweise gelöst ist.
Lassen Sie sich nicht dadurch täuschen, dass wir derzeit wenig über die griechische Staatsschuldenkrise zu lesen bekommen – die Flüchtlingskrise wiegt aktuell einfach schwerer und wischt die griechische Situation zwar aus den Schlagzeilen, aber nicht aus der Welt.
Auch hier, ein fataler Weg, der das Leiden des griechischen Volkes in die Unendlichkeit zieht und ziehen wird, mit keinem exakten Plan auf Verbesserung oder gar Lösung des Problems. Merkel setzte wieder auf den falschen Dampfer und schiebt diesen aber mit ihrer Macht brachial durch alle Zweifel hindurch.

Die Flüchtlingskrise:
Angela Merkel ließ von Anfang an wissen, dass sich Deutschland mit den Flüchtlingen solidarisch erkläre und helfen werde. Wie genau stand nicht fest, aber: Grenzen auf, Dublin außer Kraft, Refugees Welcome.
Was das für die Flüchtlinge bedeuten würde, für das Aufblühen des Schleppermarktes, für die Gefahrensituation der überlaufenen Routen nach Europa – kein Gedanke. Was das für ihre eigene Bevölkerung bedeuten würde, für die in Deutschland schon äußerst kritische Entwicklung von Parallelgesellschaften – kein Gedanke.

Wie ernst die Lage in Deutschland bereits heute ist, polemisieren nicht nur Rechtspopulisten sondern seit einigen Monaten auch seriösen Medien wie die ARD, das ZDF, der Spiegel, der stern, usw.usf., so wie eine ziemlich sicher unvoreingenommene Polizistin mit Migrationshintergrund, die ein eigenes Buch dazu geschrieben hat (Deuschtland im Blaulicht, Notruf einer Polizistin) – streng patriachalische Strukturen unter Migranten auch zweiter und dritter Generation, fehlendes Anerkennen deutscher Gesetze oder der Autorität des deutschen Staates, massives Aufkeimen undurchdringbarer Parallelgesellschaften.
Merkel egal, so weit denkt sie nicht. Sie setzt ihren Ruf ab, erntet Applaus.

Wie sie die Menschenströme bewältigen will? Keine Ahnung. Wird überhaupt registriert? Gibt es geordnete Verfahren und Prozesse? Nein. Gibt es einen langfristigen, nachhaltigen Plan zur Integration? Nein, denn den gibt es ja schon seit Jahren nicht.
Der einzige Plan scheint aus zwei Teilen zu bestehen: blindes, gedankenloses skandieren von Wir schaffen das!, ohne jegliche Ahnung wie – und strenges Aburteilen und Abmahnen all jener, die da nicht blindlings mitziehen.
Groß in Erinnerung die Aussage: Ich habe keinen Plan B., was natürlich besonders bitter ist, wenn man in Wahrheit nicht einmal einen Plan A hat. Denn was Merkel seit letztem Frühjahr abzieht mag nach vielem aussehen, aber in keinem Fall nach einem Plan.

Inzwischen haben sich aber so gut wie alle ehemals Verbündeten Merkels von ihr abgewandt. Schweden hat seine Grenzen dicht gemacht, Österreich führt Tageskontingente ein und reduziert damit den Flüchtlingsstrom massiv. Die große Schelte von Merkel kommt. Sie bleibe bei ihrer Politik der Menschlichkeit und bei der Einhaltung der Menschenrechte und der Genfer Flüchtlingskonvention. Und dann, direkt an Österreich gerichtet, folgende zwei Kritikpunkte:
-Es verstoße gegen Menschen- und EU-Recht, Tageskontingente im Bezug auf Flüchtlinge und Asylanträge einzuführen. Österreich müsse alle Menschen ins Land lassen, die dies wollten.
-Es könne nicht sein, dass Österreich alle Menschen einfach nach Deutschland durchwinke, die das wollen. Die Politik des Durchwinkens nach Deutschland müsse ein Ende haben.

Darf ich Ihnen das bitte noch einmal verdeutlichen?
Angela Merkel betont einerseits, die Politik der offenen Grenzen vehement fortzusetzen, koste es was es wolle, und kritisiert Österreich massivst dafür, selbst einige Schranken und Obergrenzen einzurichten.
Gleichzeitig (!) fordert sie ein sofortiges Ende des Durchwinkens der Flüchtlinge von Österreich nach Deutschland.

Das war die größte Huzpe, die einem in den letzten Jahren internationaler Politik wohl untergekoommen ist. De facto wurde verlangt, dass Österreich das Durchwinken bis in sein eigenes Land stillschweigend zu akzeptieren hätte, allerdings diese Praktik in Richtung Deutschland einzustellen hätte – also alle Flüchtlinge die die Balkanroute bestreiten würden, aufzunehmen und deren Asylanträge zu bearbeiten.
Eine Forderung, bei der man nicht wusste, ob sie ernst gemeint oder nur ein schlechter Scherz war.
Ich sage bei weitem nicht, dass Österreichs Lösung aktuell die Beste darstellt, wahrlich bei weitem nicht, aber so unbeholfen unsere Regierung nun einmal ist, war das ihre Reaktion auf die aktuelle Situation und das Resultat spricht in gewisser Weise für sich: Es wird über eine europäische Lösung verhandelt. Etwas, dass Österreich und Deutschland seit nunmehr einem Jahr fordern und bis dahin noch nicht erreicht haben.

Doch bei der europäischen Lösung kommen wir gleich zum nächsten Skandal der Angela Merkel – diese sogenannte europäische Lösung sieht nämlich vor, dass sich die gesamte EU auf die Türkei verlässt: Sprich: Wir fangen die Flüchtlinge in der Türkei ab, Griechenland darf Flüchtlinge in die Türkei zurückschicken und Europa nimmt nur jene syrischen Flüchtlinge auf, die tatsächlich Chance auf Asyl haben.
Das klingt erstmal gar nicht so schlecht, aber – auf den zweiten Blick: Die Türkei? Recep Tayyip Erdoğan?
Das ist die Lösung unserer Probleme?
Ein Mann, der gegen die eigene Bevölkerung Krieg führt, und zwar gegen die Kurden. Der, nicht anders als Assad in Syrien, seine ihm unliebsamen Landsleute abschlachtet. Der die Meinungsfreiheit derart mit Füßen tritt, dass die ganze Welt bereits mehrfach dagegen aufbegehrte. Der eine ihm gegenüber kritische Zeitung stürmen lässt, übernimmt und unliebsame Journalisten einfach wegsperren lässt? Der die Menschenrechte an manchen Tagen öfter bricht, als andere das Brot?
Mit diesem Mann soll sich die EU also nun ins Bett legen, um in Endeffekt… ja was denn eigentlich? Um im Endeffekt nicht die Flüchtlingskrise zu lösen. Nicht den Flüchtlingen besser oder effizienter zu helfen. Nicht um die humanitäre Katastrophe zu stoppen. Nein, sondern um sie einfach ein paar Kilometer vor die Außengrenze der EU abzuschieben.
Klar, wir geben ein bisschen Geld und dann passt das schon.
Gleichzeitig hat Frau Merkel sogar noch die bodenlose Frechheit sich hinzustellen und zu behaupten: Gar nichts ist geschlossen., obwohl de facto natürlich mit diesem, kommenden, Deal mit der Türkei die Balkanroute dicht ist.
Was ja auch notwendig ist. Aber sich so feige aus der Affäre zu ziehen, lautstark weiterhin von Wir schaffen das! und Die Grenzen bleiben offen! zu schreien, während man in Wahrheit mit einem, ja, quasi Diktator verhandelt, damit er seine Grenzen nach Europa für Flüchtlinge sehr wohl schließt, ist an Heuchelei nicht mehr zu überbieten.

Es scheint, als hätte Angela Merkels Plan in der Flüchtlingskrise sich von völlig planloser Willkommenskultur zu völlig planloser Abschottungskultur mit Lippenbekenntnis Willkommenskultur zur Wahrung des eigenen Gesichts gewandelt.
Schäbig, armselig und vor allem, weiterhin so verantwortungslos wie bisher.

Das natürlich alle europäischen Regierungen sich in der Flüchtlingskrise mit allem außer mit Ruhm bekleckert haben, steht außer Frage. Die völlige Abschottung in Osteuropa ist genau so ein Skandal wie die blinde Willkommenskultur Zentraleuropas.
Doch jetzt, nach über einem Jahr dieser humanitären Katastrophe, einen solchen menschenverachtenden, demokratieverachtenden Deal mit einem Land zu schließen, gegen das man eigentlich ein Handels- und Wirtschaftsembargo einrichten und dessen Anführer zu von der OECD strengstens beobachteten, unabhängigen, demokratischen Wahlen gezwungen werden müsste, das setzt dem Ganzen die Krone auf.

Nach wie vor werden keine ernsthaften Maßnahmen gesetzt um Frieden in die kriegsgebeutelte Region zu bringen, nach wie vor gibt es keine ernstzunehmenden Verhandlungen mit Assad, dass er den Krieg gegen seine eigene Bevölkerung einstellen müsse und nach wie vor gibt es keine ernstzunehmende Hilfe vor Ort für die Millionen von Menschen, die dort in der Katastrophe leiden.
Aber nachdem nicht einmal den Kurden geholfen werden kann, sondern im Gegenteil, mit ihrem Schlächter sogar schön freundlich händegeschüttelt und in die Kameras gelächelt wird, damit man sich das Elend ein paar Kilometer vor die eigene Haustüre kehren darf, sehe ich für die Syrer schwarz.

Die Folgen Merkels Politik?
-Das Aufkeimen der Rechten in Deutschland und in weiterer Folge in Österreich – denn eine völlig planlose, nicht nachvollziehbare Politik der Ahnungslosigkeit lässt die Menschen zu einfachen, simplen Antworten greifen, die in diesem Fall die Rechtspopulisten skandieren.
-Bis dato noch nicht absehbare kulturelle Konflikte und weiteres Wachsen nicht ungefährlicher Parallelkulturen im eigenen Land.
-Die Verlängerung der humanitären Katastrophe der Flüchtlinge, allerdings an einem anderen Ort, nämlich der Türkei.
-Die Legitimierung eines Erdogans und seiner Politik.

Wenn Angela Merkel tatsächlich bis vor kurzem die mächtigste Frau der Welt war, dann wohl nur, weil sich der Rest Europas ihr gegenüber in der Ohnmacht fühlte.
Doch dies dürfte langsam dem Ende zugehen. Wie wahrscheinlich auch bald Merkels Regentschaft über die EU und 2017 auch über Deutschland.

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