Europa muss in den Krieg ziehen

“Wir müssen einfach so weitermachen, wie bisher, sonst haben sie gewonnen!”, lese ich seit Paris und Brüssel immer wieder.
Auch lese ich ganz oft “Unsere Liebe und Freiheit ist stärker als ihr Hass!”.
Oder “Die Gewaltspirale muss ein Ende haben, wir müssen sie durchbrechen.”
Und natürlich “Love and peace will always win!”

Dass das alles mit der Realität nichts zu tun hat, ist wohl jedem halbwegs vernunftbegabten Menschen klar. Wer sich nur ein bisschen mit der echten Welt auseinandersetzt, realisiert sehr rasch, dass ein “so weitertun wie bisher”, “Love and Peace” oder “die andere Wange hinhalten” ganz schlechte Strategien gegen eine totalitäre, fanatische, faschistische Gewaltdiktatur sind, wie sie sich derzeit auf der ganzen Welt erhebt.

Oft lese ich auch, gerade nach den Anschlägen in Paris oder jetzt in Brüssel, dass vor den rechten Hetzern und Nazis gewarnt wird, die jetzt diese blöden Missgeschicke dazu nutzen würden, um morgen das vierte Reich auszurufen. “Wehret den Anfängen…” und “Unsere Kinder werden uns fragen, wie wir das zulassen konnten, wieso wir nichts getan haben”.

Und ja, es ist wahr – es erhebt sich eine Macht, die den Nationalsozialisten der 30er-Jahre gleicht. Eine Macht, die junge Menschen anlockt. Die ihnen das Gefühl von Zugehörigkeit vermittelt, von Sinn, von Bestimmung. Die ihnen das Gefühl gibt, auserwählt zu sein, elitär zu sein, auf der richtigen Seite eines totalen Krieges um die Welt zu stehen.
Eine Macht, die unsere heutige Vorstellungskraft übersteigt.
Krank. Brutal. Totalitär. Gnadenlos. Perfekt inszeniert.
Ein System aus Angst, Unterdrückung, Propaganda, Rekrutierung durch Verblendung und Schüren von Hass.

In Wahrheit ist es tatsächlich unbegreiflich, wie unsere westliche Welt nach wie vor in ihrer völlig sozialromantisch verträumten, ideologisch verklärten Wolke aus Zuckerwatte dahinschweben kann, ohne auch nur eine einzige sinn- oder wirkungsvolle Maßnahme gegen dieses totalitäre Regime zu ergreifen.

Der Westen stellt sich hin und meint “Wir stehen zusammen”, “Wir dürfen unsere Freiheit nicht aufgeben, denn das wollen sie” oder “Nur durch das Hochhalten unserer Werte können wir gewinnen” – Europa schleudert mit völlig leeren Wort-, statt mit Patronenhülsen um sich.

Nein, nicht der Islam bedroht uns. Nein, nicht die Muslime. Nein, nicht die Flüchtlinge.
Aber eine radikale Strömung an Menschen, die inzwischen so weit fortgeschritten und entwickelt ist, dass sie ihren eigenen Staat ausgerufen haben und dass sie ein Regime inklusive Propaganda aufgebaut haben, dass den Nazis die Neidesgrüne ins Gesicht getrieben hätte.
Eine Propaganda, die so erschreckend perfekt funktioniert, dass gebürtige Europäer dazu bereit sind, im Alter von 25 Jahren und bei bester Gesundheit, sich selbst auf brutalste Weise umzubringen, nur um ein paar “feindliche Ungläubige”, in Wahrheit ihre eigenen Nachbarn und Mitbürger seit Kindestagen, mit sich in den Tod zu reißen.

Ja, schön wär’s, wenn man durch simples Ignorieren des Terrors und Hochhalten der europäischen Werte (wie genau äußert sich das im alltäglichen Leben des Europäers?! Weiterhackeln, Dancing Stars schauen und a paar Spritzer saufen?! Ernsthaft?! Na bumm, das wird den IS aber hart treffen) gegen das Böse gewinnen könnte. Das wird’s aber so nicht spielen.
Das hat schon am Schulhof nicht funktioniert, den Schläger “einfach zu ignorieren, irgendwann wird dem das eh fad und dann hört er von ganz alleine auf.” Funktioniert noch schlechter in der Weltpolitik und gegen den Terror.
Für viele wär’s wohl noch schöner, wenn man weiterhin so tun könnte, als würden morgen die Nazis in Mitteleuropa wieder aufmarschieren, dass man schön brav unbeirrt und unreflektiert seine einstudierten, gut gelernten Anti-Nazi-Parolen schreien kann und damit alles gut wird und man mit keinem einzigen Wort den Radikalislamismus erwähnen muss, weil das könnte irgendwie ungut ausgelegt werden, so irgendwie… schon als rechte Hetze und so. Und DAS ist aber der wahre Feind.

Ich habe es schon oft geschrieben, aber mit jedem Tag, und mit Tagen wie dem 13.11.2015 oder dem 22.03.2016 ganz besonders, wird es immer klarer:
Die EU muss endlich in den Krieg eintreten, in dem sie sich schon lange befindet.

Ja, wir werden den Terror damit nicht endgültig ausrotten können. Ja, dabei wird es weitere Verletzte und Tote geben. Ja, das wird kein Kinderspiel.
Aber es wird den Terror massiv schwächen, wenn der IS und sein Netzwerk zerlegt, zerstreut und zerschossen ist. Es wird die unfassbar professionell gemachte Propaganda enorm schwächen, wenn der IS keine derart hochentwickelten und ausgebauten Strukturen mehr vorweisen kann, wie es ihm derzeit möglich ist. Und das wird zumindest den Zustrom zur Radikalisierung eindämmen, wenigstens vorübergehend.

Die ansässige Zivilbevölkerung würde darunter leiden? Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist, die leidet schon! Unter einem Terrorregime! Unter täglichen Hinrichtungen! Unter Massenvergewaltigungen, Zwangsehen, Entführungen usw.usf.

Es sind schon einige Staaten Angriffe geflogen und es hat offenbar nichts genützt? Also Russland hat die dritte Fraktion im syrischen Bürgerkrieg zerbombt, nämlich diejenigen, die gegen den Diktator Assad kämpfen und sich aber gleichzeitig auch gegen den IS wehren müssen. Und die restlichen Bombenangriffe auf den IS waren halbherzig und können nie eine schlagkräftige Militäroffensive ersetzen.

Außerdem, was ist denn die Alternative?! Schulterzucken?! “Terror wird’s immer geben” murmeln?! Na zum Glück waren die Alliierten nicht so unfassbar hirnlos, einen derartigen Schwachsinn von sich zu geben.

So weitermachen wie bisher?! Darf ich anmerken, dass “wie bisher” genau dazu geführt hat, dass sich, mitten in Europa, eine, zugegeben nicht besonders große, aber dafür brandgefährliche Parallelgesellschaft entwickelt hat, die bereit ist, ihre eigenen Staatsangehörigen brutalst durch Selbstsprengung zu zerfetzen, ihr, ja, tatsächlich, ihr eigenes Vaterland, anzugreifen und dagegen in den Krieg ziehen zu wollen?!

Intern muss einerseits die Bildung von Ghettos und Parallelgesellschaften mit allen Mitteln bekämpft werden – auf der einen Seite mit massiven Integrationsbemühungen, auf der anderen Seite mit der vollen Härte des Gesetzes – anderseits muss der Sicherheitsstaat massiv erhöht werden.
Oh nein, oh nein, unsere große, geliebte Freiheit! Dann sehen die ja, was ich alles mache im Internet?! -Keine Sorge, niemanden interessiert, zu welchen Seiten Sie sich einen runterholen. Aber ja, Einschnitte in die gewohnte europäische, pardon, westeuropäische Freiheit werden von Nöten sein. Aber damit gewinnen nicht die, sondern wir.
Diese völlig verquere Ansicht “wenn wir jetzt die Sicherheit erhöhen und damit unsere Freiheit einschränken, erreichen sie genau, was sie wollen, damit gewinnen sie!” ist nicht einmal mehr lächerlich, das ist einfach nur jenseitig.
Es muss, gleichzeitig zum eisernen Kampf gegen den IS vor Ort, ein ebenso eiserner Kampf gegen seine Ausläufer, Rekruteure, Hassprediger und Sympathisanten hier auf unserem Boden geführt werden. Aber diesen Kampf können wir nicht mit Bomben und Maschinengewehren kämpfen, den müssen wir mit Daten- und Informationsaustausch führen.
Ganz ehrlich,  ja, überwacht das Netz. Wenn es dazu führt, dass diese Anhäufung an Psychopathen schneller ausgeräuchert wird, dann ja, um Himmels Willen, überwacht. Ganz ehrlich, ich finde es eigentlich pervers, wenn man, angesichts der evidenten Bedrohung, nicht dazu bereit ist, ein klein wenig seiner “Freiheit” aufzugeben.

All unsere Theorien haben sich als falsch herausgestellt – die Terroristen sind nicht arme, ungebildete Bergbauern, die ihre Familien nach ihrem Selbstmordattentat versorgt wissen wollen, sie sind keine Zuwanderer, die böse und gemein ausgegrenzt wurden und aus Frust radikal wurden.
Es sind durch eine unfassbare Propaganda- und Rekrutierungsarbeit gehirngewaschen radikalisierte Fanatiker. Das ist die Realität.

Die EU ist ein Friedensprojekt, ja. Das heißt aber nicht, dass sie sich tatenlos von Terroristen zerbomben lassen muss, bis sie durch interne Reibereien zerbricht.
Und einem solchen abscheulichen Monstrum blödblind zuzusehen, wie es immer stärker wird, hat nichts mit Frieden zu tun, das ist einfach nur Fahrlässigkeit und selbstauferlegte Handlungsunfähigkeit durch völlig fehlgeleitete Träumereien einer Welt aus Friede, Freude, Eierkuchen.
Schön wär sie ja, aber nur weil ich die Augen zumache und sie mir ganz fest wünsche, wird sie nicht zur Realität.

Terror wird es immer geben, ja. Ihn deshalb völlig frei schalten und walten zu lassen wäre so, als würde ich sagen: “Es werden immer welche besoffen fahren, dagegen vorgehen bringt da auch nix.”

Es bleibt nur mit aller Kraft zu hoffen, dass die EU noch rechtzeitig erwacht und nicht nur intern versucht, per Fahndungen und Ermittlungen nach Terroranschlägen etwas zu tun, sondern dass sie auch beginnt, in die Offensive zu gehen.
Denn so ein Kampf könnte der schwerst zerrütteten EU auch ein Signal dafür sein, dass sie einander tatsächlich braucht und dem Terror, dass der Westen nicht so schwach ist, wie er sich derzeit präsentiert.

Anderseits… sind wir seit inzwischen anderthalh Jahren nicht dazu imstande, eine auch nur annähernd sinnvolle Flüchtlingspolitik zu betreiben.
Wozu ja auch ein Kampf gegen die Fluchtursache gehören würde. Was in diesem Fall der Terror des IS ist. Sehen Sie langsam, wie sich das alles zu einem Bild fügt?! Das Problem ist, es ist ein Bild der EU. Und es sieht nicht gut aus.

+++Lesen Sie weiter+++
Die Alternativen der in Diskussionen vorgetragenen Alternativen zum Krieg gegen den IS.

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2 thoughts on “Europa muss in den Krieg ziehen

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