Der Radiotest, der Meischberger, die Politik, ein Schlägertrupp und Sie

Der Radiotest ist also die letzten Jahre über inkorrekt durchgeführt worden, hat das durchführende Institut nun offiziell zugegeben. Warum man damit nach Jahren rauskommt ist verwunderlich, muss aber wohl an einem Whistleblower liegen, dem man zuvorkommen wollte. Better to admit and apologize, than to deny and get caught.
In der Branche intern zwar Ärger, aber eigentlich nirgendwo Verwunderung. Warum?
Weil es absolut jeder gewusst hat. J e d e r.

Dass die Anrufer, die die “repräsentativ” ausgewählten Menschen Österreichs befragten, oftmals suggestiv meinten “Sind Sie sicher?! Meinen Sie nicht Ö3?!” oder dass einige Fragebögen mal eben ohne Anrufe ausgefüllt wurden, natürlich in die Richtung, die dem Mainstream folgt, weil dann fällt’s nicht so auf. Das alles ist Wissen, dass seit je her in der Radiobranche allgegenwärtig ist.
Warum hat dann bisher keiner was getan, fragen Sie?!

Von wie vielen Korruptions-, Bestechungs- und Schmiergeldvorfällen wissen Sie persönlich aus eigener oder erzählter Erfahrung Bescheid? Alles unter 3 glaube ich Ihnen nicht. So, warum haben Sie nichts gemacht?!

Warum hat man nicht sofort gemeldet, als man vom Magistrat aufgefordert wurde, eine ganz bestimmte Firma mit den Umbauten im neuen Geschäftslokal zu beauftragen, sonst bekäme man die Genehmigung nicht? Richtig, sonst bekäme man die Genehmigung nicht. Man hat gerade mit Erspartem oder Kredit etwas aufgebaut, versucht nun damit an den Start zu gehen und kann sich unmöglich leisten, jetzt ein derartiges, langwieriges Prozedere durchzufechten.

Warum hat man nicht sofort gemeldet, als die Umweltschutzorganisation XY ihre Bedenken beim Bau neuer Windkrafträder bezüglich der Brutplätze der Linksrechtssperinge in dem Augenblick verlor, als man ihr eine halbe Million Euro im Geldkoffer übergab?! Weil man seine Windräder bauen wollte und nicht in ein derartiges Prozedere verwickelt werden wollte.

Warum legt man nicht tatsächlich jedesmal Beschwerde ein gegen einen Polizisten, der einen aus reiner Langeweile oder Übellaunigkeit sinnlos schikaniert? Weil man weiß, dass man sowieso am kürzeren Ast sitzt.
Ist nicht so?! Achso?! Wieso laufen dann so Leute wie ein Grasser oder, ganz aktuell, ein Meischberger frei herum?!

Weil der aktuelle Partei- und Bürokratieapparat so unglaublich verfilzt, verpackelt und korrumpiert ist, dass es geradezu absurd lächerlich ist, dagehen vorgehen zu wollen. Die etablierten, alten Parteien, egal ob Regierung oder Opposition, sind in dieses System aus Postenschacher, Freunderlwirtschaft, Schieberei, Packelei und Schmierei nicht einmal mehr eingeflechtet, nein, sie SIND dieses System, durch und durch.

Jene, die die Gesetze am meisten biegen und brechen sind jene, die sie machen. Und jeder der einer der vier Altparteien wieder und wieder seine Stimme gibt, gehörte eigentlich abgewatscht, wenn er das nicht eh die nächste Amtsperiode am laufenden Band von den von ihm gewählten Systemkorrupten werden würde.
Die Defintion von Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und sich ein anderes Ergebnis zu erwarten.

Mir ist egal, ob die Neos, die Kommunisten, die Piraten oder wen auch immer, aber als Staatsbürger haben Sie die gottverdammte Pflicht, nicht nur für sich, sondern auch für ihre Gesellschaft zu sorgen. Und dazu gehört, sich auf den Hintern zu setzen und Parteiprogramme zu lesen, auch von nicht so großen Parteien oder unbekannteren Kandidaten.

Es hat keinen Sinn die zu wählen, weil die eh nicht ins Parlament kommen?! Ja, das ist aber nur deshalb so, weil 90% der Österreicher zu faul sind, sich auch nur ein kleines Stück weit tiefergehend mit der heimischen Politik zu befassen. Aber natürlich im Aufregen über das verdreckte, verfilzte Korruptionssystem, da sind wir dann wieder stark. Und dann doch wieder Kreuzerl bei SPÖ/ÖVP/FPÖ/Grünen gemacht.

Ist eh egal, sind eh alle gleich?! Ja, jene, die seit Jahrzehnten packeln und schieben, haben das eindeutig bewiesen. Umso mehr ein Grund, neuen Parteien eine Chance zu geben. Jeder, der das nicht behirnt, der darf wöchentlich zur nächsten Schlägertruppe gehen, ihr einen Hunderter geben und sich dann dafür in die Fresse hauen lassen, weil darauf steht er ja offensichtlich.

Ach, und nur zur Klarstellung: Das hier ist keine Wahlempfehlung. Das ist eine verdammte Denkaufforderung.

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One thought on “Der Radiotest, der Meischberger, die Politik, ein Schlägertrupp und Sie

  1. Das greift viel zu kurz, Timpel, viel zu kurz. Es gibt keine “richtige Stelle” an der wir unser Kreuzerl machen können. Das Kreuzerlsystem, das aus mehr oder weniger idealistischen und aufrichtigen Kandidaten Mächtige macht, die für und über viele andere entscheiden dürfen, ja müssen!, dieses System ist das Problem.

    Alternativen? In der Wirtschaft gibt es erste Ansätze, eine Entwicklung die seit Frederic Laloux’s “Reinventing Organizations” an Dynamik gewonnen hat. Wenn diese Entwicklung in der Politik, also in der Nachbarschaft, im Bezirk, in der Region und überregional angekommen sein wird, werden wir durchgebrochen sein und völlig neue Qualitäten des politischen Miteinanders erleben.

    Das Paradies wird da durch auch nicht ausbrechen, aber wir werden es in den ersten Jahrzehnten vermutlich so erleben. Bis wir merken, dass es noch immer menschelt, wenn auch merklich schwächer. Aber das ist eben die Evolution der Kultur – Schritte in die richtige Richtung, but still way to go.

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