Die blaue Gefahr

Gestern ist also das, was viele vor der Wien-Wahl befürchtet haben, tatsächlich passiert. Ein erdrutschartiger Sieg für die FPÖ, Personenwahl hin oder her.
Die Reaktionen darauf im Sekundentakt, könnte kotzen, auswandern, leben in Österreich nur Idioten?! und dazu natürlich passend eine über 6.000 Mal geteilte Statistik die zeigt: Je dümmer desto FPÖ, je g’scheiter, desto Grün und Griss.

Lest ein Geschichtsbuch oder Die Österreicher sind das einzige Volk, das aus Erfahrung dümmer wird! und dergleichen liest man überall. So fängt es an. Wie rechts ist Österreich?!
Ist das denn wirklich so?! Sind wir ein total vertrotteltes, saudummes Land, rechtsradikal, rassistisch und faschistisch bis zum geht nicht mehr und steht uns jetzt tatsächlich wieder ein faschistisches Regime bevor, wie vor 80 Jahren?!

Gehen wir mal ein auf die Dummheit. Das habe ich gestern besonders oft gelesen. Wie dumm kann man sein?, dummes Österreich!, uswusf. Bewiesen mit einer ORF/SORA/ISA-Statistik. Die Dummen wählen die FPÖ, alle G’scheiten wählen Grün und Griss. Na gut, dann muss es wohl so sein.
Außer, dass diese Statistik eigentlich nichts über die Intelligenz der Wähler aussagt, sondern über ihre Bildung. Das sind zwei Dinge, die, wie jeder intelligente Mensch weiß, absolut gar nichts miteinander zu tun haben. Aber woran liegt es dann, dass unter den weniger gebildeten so viele die FPÖ wählen, während dieses Wahlverhalten mit der Bildung rapide abnimmt? Doch Intelligenz?

Mitnichten. Die Bildung sagt nämlich wesentlich mehr über den wahrscheinlichen Arbeitsplatz aus, als über die Intelligenz. Menschen mit Pflichtschulabschluss oder einer Lehre arbeiten im Schnitt natürlich in weit weniger gut bezahlten Jobs als Menschen mit Matura oder einem abgeschlossenen Studium. Das sagt uns, in welcher sozialen Schicht sie leben.
Was sagt uns das noch? Nicht, dass jene mit Studium intelligenter sind, sondern dass Sie die Möglichkeit hatten, auch finanziell, sich die Dauer eines Studiums zu leisten. Wir wissen ganz genau, dass Bildung vererbt wird. Denn in Arbeiterfamilien, wo das Einkommen gerade mal so für den Erhalt der Familie reicht, ist man froh, wenn einer nicht mehr nur kostet, sondern auch etwas einbringt – das Kind wird zur Lehre oder direkt in den Beruf gedrängt, man braucht das Geld. Hingegen ist es in einer Familie mit einem sehr hohen Haushaltseinkommen um einiges einfacher zu sagen: “Lass dir Zeit, studiere in Ruhe, ich zahle dir derweil deinen Lebensunterhalt.”

Aber wie gibt uns das Aufschluss über das Wahlmotiv? Nun, wer im schlechteren Job arbeitet, weniger verdient und generell auch kaum Aussichten auf Alternativen, Aufstiegschancen und Selbstverwirklichung hat, der ist natürlich auf lange Sicht gesehen frustriert, unzufrieden und unglücklich. Wem es besser geht, der wird beneidet, teilweise sogar verachtet. Hinzu kommt natürlich die Wohnsituation in einer Wohngegend, die man sich leisten kann – also eine schlechte Wohngegend, mit vielen ähnlich Frustrierten und mit einem enorm hohen Ausländeranteil.
Wichtig zu bedenken: In diese Gegenden ziehen keine gut integrierten Migranten, die die hiesige Kultur tatsächlich mit offener Vielfalt bereichern – nein, in diese Gegenden ziehen die migrierten Pendants zu jenen Einheimischen, die schon hier wohnen und gewohnt haben.
Daraus resultiert aber, dass die Erfahrung im Umgang mit Migranten zwischen jenen, die schlechte Bildung, daher schlechte  Jobs, daher wenig Geld haben und deshalb in schlechten Wohngegenden leben, massiv divergiert gegenüber jenen, die eine gute Bildung, daher gute Jubs, daher viel Geld haben und in guten Wohngegenden wohnen. Denn diese fragen sich oft, wo überhaupt das Problem mit Migranten liegen soll. Genau das, was auch die Grünen oder ein Alexander Van der Bellen dauernd skandieren.
Die meisten Vorfälle von Gewalt unter/von Migranten, von denen man liest, passieren nicht im 7., 8. oder 9. Bezirk, sondern eher am Praterstern, in Favoriten, Meidling, in Transdanubien.

Hinzu kommt natürlich, dass jemand, der das drei- oder vierfache eines Arbeiters verdient, sich kaum Sorgen darum macht, welche Ausgaben Flüchtlinge oder Migranten für den Staat bedeuten. Sie haben genug. Worum sollen sie sich sorgen?!
Die Arbeiter haben aber nicht mehr genug. Die reale Inflation liegt seit Jahren massiv über der behaupteten, Mieten und Lebensmittel sind die größten Preistreiber, Dinge, die auch der Arbeiter täglich kaufen muss, im Gegensatz zu den Inflationssenkern wie Flatscreens und Autos.
Das bedeutet, dass diese Leute nur sehen: Für mich ist kein Geld da, mir wird genommen und ich komme kaum mehr mit meinem Geld aus. Jeden Monat muss ich bangen, dass ich überhaupt genug übrig habe um Rechnungen zu bezahlen und da kommen 90.000 Flüchtlinge daher und werden mit allem versorgt, bekommen die Jahreskarte umgerechnet um 48 Euro und bekommen die Mindestsicherung genau so wie ich, oder sogar noch eher als ich, wenn ich in einem Haushalt mit einer zweiten verdienenden Person lebe. (Anm.: In diesem Fall wird nur die halbe Mindestsicherung ausbezahlt, also ca 400,-€. Eine Lächerlichkeit.)
Von den Gutverdienern wird so ein Gerede natürlich nur belächelt. “Aber geh, wir haben für so vieles andere so viel Geld über, des bissl wird ah noch drin sein.” Klar, ihnen fehlt es auch an nichts. Sie haben auch wenig Sorge, in die Arbeitslosigkeit zu schlittern und irgendwann tatsächlich auf eine Mindestsicherung angewiesen zu sein.
Es ist aber in Wahrheit natürlich relativ schwer zu erklären, warum jemand, der gerade neu ins Land gekommen ist, ohne qualifikativ eine Bereicherung oder einen Mehrwert für das Land zu liefern, plötzlich exakt die gleichen Ansprüche auf Sozialleistungen hat, wie jemand, der hier seit 20 Jahren in den Sozialtopf einzahlt.

Hinzu kommt gleichzeitig, jaja, Schrödingers Flüchtlinge, dass natürlich weniger und wenig qualifizierte Menschen eine absolut berechtigte Angst haben, dass ihnen von ebenfalls schlecht qualifizierten Menschen, mit zusätzlich sehr niedrigen finanziellen wie arbeitstechnischen Ansprüchen , der Job weggenommen wird.
Eine Angst, die jemand mit guter oder sehr guter Qualifikation wohl eher nicht haben wird. Vor allem wenn wir uns die realen Zahlen ansehen, dass der größte Teil der im letzten Jahr in Österreich angekommenen Menschen äußerst schlecht bis gar nicht gebildet und damit für unseren mittleren und höheren Arbeitsmarkt unqualifiziert sind.

Wenn man es sich also ein bisschen überlegt, dann gibt es absolut nachvollziehbare Gründe, warum weniger gebildete Leute eher die FPÖ wählen, als besser gebildete. Dummheit gehört sicher nicht dazu. Dies zu erkennen bedarf aber natürlich einer gewissen Intelligenz. Daher sehe ich, wenn jemand diese Bildungsstatistik plakativ und mahnend auf Facebook teilt, schon Dummheit. Aber eher beim Poster, als bei den weniger gebildeten Menschen, die er damit als dumm abstempeln will.

Kommen wir nun zum Rechtsruck. Zum Rechtsradikalismus. Zu dem, wie es beginnt. Fast 40%. Fast 40%! Die alle sind rechts. Weil, wer FPÖ wählt, ist dumm und die FPÖ ist rechtsradikal und wer sie wählt ist es auch. Auch das keine äußerst intelligente Schlussfolgerung.
Der erste Fehler den viele begehen: Die FPÖ ist eine rechtspopulistische Partei, keine rechtsradikale oder rechsextreme. Betonung auf Partei. Dass da einige Mitglieder in der Partei die Grenzen teilweise ausgelotet und überschritten haben steht außer Zweifel.
Aber die Partei an und für sich ist rechtspopulistisch, genauso, wie die Grünen linkspopulistisch sind.
Das bedeutet: Die FPÖ versucht die Probleme der Zuwanderung, von Flüchtlingen und einer pluralistischen Gesellschaft herauszukehren. Die Grünen versuchen jene zu ignorieren und fokussieren sich auf die möglichen Vorteile. Beide machen also das, was ihre Kernwählerschaft von ihnen erwartet – sie sprechen sie in ihrer eigenen Lebenswelt an, entsprechend ihrer alltäglichen Erfahrung, ihrer eigenen, gefühlten Realitäten.
Die FPÖ konzentriert sich also darauf, die, durchaus realen, vorhandenen, massiven Probleme mit den Flüchtlingsströmen, mit der Integration, mit der misslungenen Integration, mit der Ghettobildung, mit steigender, importierter Drogenkriminalität und mit der gestiegenen Ostkriminalität zu behandeln, redet offen darüber und gibt somit den Menschen, die diese Probleme täglich erleben, das Gefühl, sich ihrer Sorgen anzunehmen, für sie da zu sein und sich um sie zu kümmern.
Die Grünen konzentrieren sich darauf, all diese Probleme kleinzureden, wenn sie sie überhaupt behandeln, weil die eigene Kernwählerschaft sich freut, wenn da ein usbekisches Restaurant um die Ecke aufmacht, wenn sie toll integrierte, neue Mitbürger in ihrem Viertel begrüßen dürfen und wenn vor allem das eigene, vom Konsum und Überfluss geplagte Gewissen beruhigt ist, weil sie am Westbahnhof ein paar Brote und ein paar Wasserflaschen verteilt haben.
Deshalb ist für die Grünen jede Idee, die nach Zustromregulation oder nach schnelleren Asylverfahren klingt sofort ein undenkbarer, menschenverachtender, faschistischer, zu verteufelnder Bruch aller Grundchartas dieser Erde. Weil das die eigene Kernwählerschaft bedient, die sich in ihrer bedingungslosen Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit moralisch gut und überlegen fühlt.

Der Punkt ist aber, dass die FPÖ-Wähler damit nicht alle Nazis und Rechte oder sontiges sind, sondern es sind Leute, die sozial schlechter gestellt sind, daher in schlechteren Wohngegenden leben und damit mit einer ganz anderen Realität konfrontiert sind, als andere. Die Wahrheit liegt, wie immer, irgendwo in der Mitte.
Denn jedem vernünftigen Mensch muss klar sein, dass die blinde Willkommenskultur, aus vielerlei Gründen, ein Fehler war und dass eine Weiterführung selbiger ohne nachhaltiger Konzepte zur Beendigung des Konflikts in Syrien eine reine Bankrotterklärung der europäischen Union und auch der einzelnen Staatsregierungen wäre.

Aber warum bin ich dann zum Beispiel so massiv gegen die FPÖ? Wenn ich doch ohnehin alles so schön relativiere und in Zusammenhang stelle, was ist dann mein großes Problem mit der Partei?

Es ist die Tendenz, Österreich in den wirtschaftlichen Untergang zu führen. Denn die wahre, große Gefahr einer FPÖ geht davon aus, dass sie ständig gegen die EU wettern, weg von einer zentralistischen Regierung wollen und lieber Nationalstaaten fördern, die jeder für sich wirtschaften, nur halt ein bissi zusammenarbeiten.
Dass dieses Modell nicht funktioniert haben wir in den letzten großen Krisen in Europa gesehen.
Europa ist ein Haufen von auf Good-Will-Basis zusammensitzender Staatschefs, von denen jeder einzelne einer sinnvollen Maßnahme erst zustimmen muss, bevor sie in Kraft tritt, wohlgemerkt, dass jeder davon auf europäischer Ebene Partei- und Klientelpolitik für die nächsten Wahl in der Heimat betreibt. Ein Konzept, dass unmöglich funktionieren kann.
Genau so ist es unmöglich, dass eine europäische Union keine Probleme mit Lohndumping und Sozialdumping haben wird, wenn nicht Arbeits- und Sozialrecht angeglichen werden.
Genau so ist es unmöglich, dass kleine Einzelstaaten wie Österreich auf lange Sicht gesehen am internationalen Markt mithalten und bestehen könnten, ohne eine Neuausrichtung der Kernkompetenzen des heimischen Arbeitsmarktes, wofür man aber sehr wohl wieder umfassende und intensive Partnerschaften innerhalb Europas benötigen wird.
Und genau so ist es unmöglich, dass ein kleiner Einzelstaat wie Österreich es als Nationalstaat schafft, Probleme wie den internationalen Terrorismus zu lösen, oder das ständig voranschreitende Erstarken des Islamismus im Nahen Osten.

Die einzige Chance für Österreich, um, auch für die Arbeiter und den kleinen Mann, langfristig am internationalen Markt und in der immer schneller werdenden, immer enger vernetzten und in den immer härter werdenen Konkurrenzkampf verwickelten Welt zu bestehen und sich behaupten zu können, ist eine massive Kompetenzumverteilung in Richtung EU.
Denn ein derart träger, machtloser und teilweise fast schon sinnloser Verband aus primär Eigeninteressen vertretenden Mitgliedern hat keinerlei Chance sich aber auch nur irgendwie auf dem Weltmarkt zu behaupten.

Das ist die wahre blaue Gefahr für Österreich und ganz Europa, ganz so, wie es Van der Bellen auch oft gesagt hat.
Allerdings, und das möchte ich schon ganz ausdrücklich betonen:
Wenn der Wähler sich nunmal so entscheidet, dass er diesen Weg beschreiten will, dann hat das der Bundespräsident zu akzeptieren. Denn alles andere, sprich ein Mann an der Spitze des Staates, der den Wählerwillen ignoriert, ist tatsächlich diktatorisch, da hat die FPÖ sogar Recht.

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13 thoughts on “Die blaue Gefahr

  1. NOTTIP says:

    Der internationale Terrorismus und der voran schreitende Islamismus im Nahen Osten, wäre auf Nationalstaatlicher Ebene nie zu uns gekommen.Der heutige Terrorismus rührt aus den NATO Bündnissen, dem angelsächsischen Raubtierkapitalismus und der Enteignung der Palästinenser.

  2. Manfred Ongermann says:

    Könnten Sie noch einbauen, dass es einfach gscheit wäre, die Migranten finanziell zu versorgen, damit sie eben Arbeit finden und NICHT in die Kriminalität abrutschen? Außerdem ist die Kriminalität 2015 nachweislich nicht gestiegen – siehe Bericht BMI – , auch wenn man durch die Zeitungsberichte das Gefühl hat.

    Liebe Grüße!

  3. Dr Rabottnik says:

    Anstatt der Toleranz gegenüber den Blauwählern und Verstärkung der Vorurteile gegenüber Grünen wäre es doch auch gar nicht blöd drauf einzugehen, das die FPÖ ja nicht nur gegen den “bösen Ausländer” ist sondern neben der hier erwähnten Anti-EU Politik (dem ja viele allein weigen Rauchverbot und anderer Ängste gegenüber Regelungen der Freuden des kleinen Mannes positiv gegenüber stehen) auch für eine Reduzierung der Sozialleistungen gegenüber des hier so vehement verteitigten kleinen Mannes steht. Das wäre Verbreitung wert.
    Wenn die FPÖ nicht rechtsextrem ist, wie kann es dann sein das der Präsidentschaftskandidat einer deutschnationalen Burschenschaft angehört, das seiner Meinung nach das NS-Verbotsgesetz als Beeinträchtigung für die Meinungsfreiheit steht und er unter anderen Grossdeuschlandverherrlichende Künstler gut findet?
    Die Festung Europa darf es nicht geben, eine Willkommenskultur muss vorhanden sein, auch wenn Menschlichkeit in Ihren Augen lächerlich ist. Natürlich muss es eine Regelung geben weil unser Land nicht allein verantwortlich sein kann. Aber wie wäre es da mit Fakten und Zahlen, wer überhaupt hier bleibt und warum zB die Balkankrise, mit deutlich mehr Flüchtlingen kein Problem war. Hier wird an der Oberfläche gekratzt und ein vermeintlich “tolerantes” “realistisches” Weltbild geschaffen und sich selbst auf arrogante Art und Weise auf die Schulter geklopft.

    • Das wäre ja mal was ganz was Neues, zu skandieren, dass es schon einmal Flüchtlingskrisen gab.
      Paar simple Fakten dazu: Da kamen wirklich Flüchtlinge, die aus einem Kriegsgebiet flohen – davon hatten wir im letzten Jahr nur, variierende Zahlen, 50%-70%. Der Rest kam aus Ländern, für die es so gut wie keine Chance auf Asyl gibt.
      Die, die hier bleiben, waren immerhin 90.000, die allerwenigsten davon Ärzte, Anwälte und Professoren, wie es oftmals skandiert wurde.
      Der deutsche Chef des Verfassungsschutzes hat erst vor kurzem bestätigt, dass sich der IS der Flüchtlingsströme massiv bedient habe, um hier subversive Elemente nach Europa einzuschleusen, auch wenn die Paris- und Brüssel-Attentäter fast alle Europäer waren.
      Aber ganz ehrlich, das habe ich hier nicht behandelt, weil es einfach schon tausendfach behandelt wurde, auch hier auf diesem Blog.
      Zum Nazi-Hofer – kreativ, I’m shocked.
      Zu den Sozialleistungen – ja, das wird gerne ins Treffen geführt, ist aber natürlich Schwachsinn – denn die FPÖ ist vieles, aber nicht dumm… und direkt nach dem Wahlerfolg a la Palpatine gegen mittlerweile 60%-70% der eigenen Kernwählerschaft zu entscheiden wäre weit mehr als dumm.

      • NOTTIP says:

        Sehr gut, einzige Chance gegen die “Nazijäger” der Linken ist, sie zu desavouieren 😉 1like

  4. Fipsowitsch says:

    Die primitive Verunglimpfung der FPÖ-Wähler ist natürlich abzulehnen, aber die hier dargebrachte Analyse ist schon recht tendenziös und bei weitem nicht so differenziert, wie sie sich gibt. Manche Argumente klingen auf den ersten Blick schlüssig, halten einer kritischen Prüfung nicht stand.

    Die Verknüpfung von Bildung, Einkommen, Status und Zufriedenheit ist schlüssig, die Beschränkung der Ursachenzuschreibung auf die aktuelle Flüchtlingskrise, die ja beherrschendes Wahlkampfthema war, ist allerdings eine beschämende Verkürzung, die nicht auf große Intelligenz schließen lässt.

    Das Argument mit der direkten persönlichen Erfahrung mit Migranten/Flüchtlingen scheint kaum haltbar zu sein, denn die besten Ergebnisse hat Herr Hofer nicht in den Ballungszentren eingefahren, in denen traditionell der Migrantenanteil höher ist, sondern in der Pampa, wo die meisten Leute Flüchtlinge nur aus dem Fernseher kennen.

    Darüber hinaus darf doch an der Intelligenz jener gezweifelt werden, egal welcher Bildungsgrad, die populistischen Parolen auf den Leim gehen. Mögen diese nun von rechts oder links kommen. Die letzte Regierungsbeteiligung der FPÖ ließe mich nun nicht darauf schließen, dass es diese Partei sein wird, die Österreich voran bringt und für mehr Wohlstand der Bevölkerungsmehrheit sorgt.

  5. Anton Neureiter says:

    In der Grundtendenz trifft es dieser Kommentar ganz gut. Der linke und alternative Teil des politischen Spektrums versteht schlicht und einfach die normalen Leute nicht mehr und macht sich leider mit ziemlicher Arroganz über sie lustig oder schiebt sie ins Nazieck. Das Wahlergebnis setzt sich m.E. aus einer Vielzahl von großen und kleinen Ursachen zusammen, die den massiven Unmut der Leute erregen und durch sie sich gepiesackt, verraten, abgezockt und ausgeliefert sehen: Das beginnt mit der Allergenverordnung, der Antirauchergesetzgebung, der Debatte um die Registrierkassenpflicht für Klein- und Kleinstbetriebe und Vereinsveranstaltungen, die Pflicht, jede auch noch so lächerliche Rechnung vom Würstelstand mitzunehmen, Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Autobahnen, führt über das genaue Gegenteil dessen, was die Österreicher bei der Volksabstimmung über die Wehrpflicht wünschten (nämlich sicherlich nicht die Demontage des Bundesheeres durch die SP-Minister Darabos und Klug) bis hin zur Kapitulation der staatlichen Organe im Sommer und Herbst letzten Jahres bei der Flüchtlingskrise mit der zuerst Refugee Welcome – Euphorie von Faymann und Co. hin zu dessen 180-Grad-Schwenk zu einer Hardlinerpose (unglaubwürdiger kann ein Regierungschef wohl nicht mehr sein). Dazu kommen die Mindestsicherungszahlungen an Flüchtlinge und Asylwerber, während Menschen, die 40 Jahre gearbeitet und Beiträge bezahlt haben oder wegen der Kinderbetreuung auf die Berufstätigkeit verzichtet haben, ihr Dasein mit der Mindestpension und der Ausgleichszulage fristen müssen (besonders betroffen sind hier Frauen), die Arbeitslosigkeit in Rekordhöhe, Übergriffe durch Immigranten, Bandenbildungen und Gewalttätigkeiten von Ethnien mit Asylstatus wie den Tschetschenen in Wiener Einkaufszentren, das Problem mit illegalen Nordafrikanern, die Zustände an den Schulen in den ballungszentren – besonders in Wien, u.v.a.m.. Letztendlich lehnen die Leute auch die Auslieferung der EU an die Türkei und deren Präsident Erdogan, der sich aufführt wie ein osmanischer Sultan zur Zeit der Türkenkriege, grundlegend ab, ebenso wie Assoziierungsabkommen der EU mit dem Krisenland Ukraine und die daraus sich ergebende Konfrontation der EU mit Russland bzw. den US-verursachten Boykott Russlands bis hin zum TITIPP, bei dem ohnehin niemand genau durchblickt, das aber im Stil der klassischen Kabinettsdiplomatie des absolutistischen Zeitalters durchgepeitscht werden soll. Daraus und vielem mehr speist sich der Unwille und der Frust der Bevölkerung. Und leider hat die Linke total den Zugang – auch den sprachlichen und emotionalen – zu den Leuten verloren. Daher braucht man sich über das “blaue Wunder” nicht zu wundern. Und völlig unangemessen, dumm und arrogant ist es, die Wähler der FPÖ als Dummköpfe und ungebildete Primitivlinge oder Nazis zu bezeichnen – das sind sie nämlich in ihrer absoluten Mehrheit sicherlich nicht!

  6. Dr rabbottnik says:

    Ich gebe @fispowitsch in den meisten Dingen recht.

    Die Antwort auf die meine, empfinde ich eher als die einer beleidigten Leberwurscht.
    Zuerst zu behaupten die FPÖ ist nicht rechtsextrem, dann aber zu kritisieren das meine Argumentation “kreativ” ist, zeugt schon von einem gewissen Starrsinn.

    Sich besonders tolerant, verständnissvoll und demokratisch zu geben, gegenüber einer Partei die augenscheinlich menschenfeindlich handelt, kann ich nicht Nachvollziehen.

    Die blaue Regierungsbeteiligung hat bewiesen, das sie alles andere als die Partei des kleinen Mannes ist. Causa EUROFIGHTER, BEHÖRDENFUNK TETRON, PORR Affäre, BUWOG Affäre, Causa Birnbacher, Casinos Austria usw

    Aus sämtlichen Versprechen ist damals nichts geworden, keine versprochene große Staatsreform. Die Pensionsreform könne wir ausbaden, wenn überhaupt gibts nur noch minimale Pensionen für die zukünftigen Rentner. Sozialpartnerschaft ist nicht im Interesse der FPÖ (Kollektivverträge usw. ), Arbeiternehmerrechte wurden extrem beschnitten, die FPÖ ist verantwortlich für eine Gesundheitspoltik die alles andere als sozial ist (Ambulanzgebühr, Selbstbehalterhöhung, Rezeptgebührerhöhung), die FPÖ bekämpft aktiv ein Bildungssystem der Fortschritts (vielleicht auch nur ein cleverer Schachzug um die Kernwählerschaft zu erhalten..), …

    Die Liste könnte ich jetzt noch fortführen, aber das weiss man ja alles eigentlich oder kann es zumindest nachlesen.

    So, unterm Stricht bleibt nur die Asylpolitik als populistisches Thema, leicht verständlich in einfachen Wörter verpackt. Ein Anti-Eu Politik und der Traum vom grossdeutschen Reich. Der IS als Bruder im Geiste ist da nicht so weit hergeholt, es gibt auf jeden Fall gemeinsame Interessen.

    Weil es also auch unter Asylbewerbern auch Arschlöcher gibt sollte man die Grenzen dicht machen, Schutzsuchende verrecken lassen und schauen das wir unsere Talerchen zusammenhalten?

    Das es bisher ein Totalversagen aller europäischen Kräfte ins Sachen “Flüchtlingskrise” gibt ist Tatsache.

  7. Kai Claussnitzer says:

    Ihren Artikel finde ich höchst interessant. Ich muss dazu sagen, dass ich aus Deutschland schreibe und die FPÖ mit der AfD vergleiche. Ich gebe Ihnen recht, dass viele Menschen “abgehängt” sind und trotz Sparsamkeit nicht wissen, wie sie einen Monat lang über die Runden kommen sollen. Zumindest hier hat sich in den vergangenen 15 Jahren dank Gerhard Schröders Hartz-Gesetzen ein unglaublicher Niedriglohnsektor entwickelt, an den man in den 90er Jahren nicht hat glauben können. Die Profite großer (!) Unternehmen schießen in die Höhe, dem Arbeiter bleibt unterm Strich immer weniger (wie sie beschreiben: Kostensteigerung Miete, Lebensmittel, Transport, etc.) und der Kleinunternehmer gibt auf, weil er zerquetscht wird zwischen steigenden Kosten (Miete, Pacht, …) und geringeren Margen.

    Allerdings erstaunt mich die Folge. Die Konsequenz müsste eine Hinwendung zu tiefroten, also sozialistischen, kommunistischen Parteien sein, die versprechen, die “Großkopfeten” so richtig zu schröpfen und nach Robin-Hood-Manier den Kleinen entsprechend alles zu geben. Wenn ich nix habe, will ich ja nicht, dass es demjenigen, der auch nix hat, noch schlechter geht als mir, sondern ich will diejenigen richtig schröpfen, die viel haben und auf die ich ein Neidgefühl entwickeln kann.

  8. E. Ohlmann says:

    Das steht viel Richtiges, aber auch was Falsches.

    FPÖ-Wähler sind nämlich rechts. Vielleicht keine Nazis, keine Rechtsradikalen, aber sie stehen politisch rechts. Denn jemand, der mehr Heimatgefühl, mehr Volksidentität, weniger Ausländer, weniger Steuern, weniger Sozialschmarotzertum, weniger Rauchverbote, weniger Binnen-Is, mehr Nationalstaatlichkeit will, steht ganz eindeutig politisch rechts.

    Und was auch nicht stimmt, ist, dass FPÖ-Wähler allesamt Arbeiter in schlechten Wohngegenden sind. Wäre das so, dann hätte die FPÖ deutlich weniger Wähler. Die FPÖ wurde erst erfolgreich, als sie die Stimmen der Angestellten und Kleinbürger gewinnen konnte. In Wien hat die FPÖ die höchsten Stimmanteile nicht den Wahlsprengeln mit düsteren Wohnsilos, sondern in jenen mit Einfamilienhaussiedlungen.

    Im übrigen empfehle ich, mal das Buch “Blödmaschinen” zu lesen. Da wird nämlich bestechend erklärt, warum die Zukunft Parteien wie der FPÖ und der AfD gehört.

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