Die Hetze hat verloren

Tag 1 nach dem wahrscheinlich mit der größten Spannung erwarteten Wahlergebnis der zweiten Republik, bei dem vorerst “Julia – Wege zum Glück” und “Weißblaue Gschichten” geschaut wurde und dann wahrscheinlich das leere Mischpult im Innenministerium auf den diversen Livestreams eine höhere Einschaltquote hatte, als ORF 2.

Dann die große Erleichterung bei vielen (schätzungsweise bei 50,3% der Wähler) – es ist nicht Norbert Hofer geworden.
Bei ganz vielen wurde rasch der Ruf nach “können wir uns jetzt alle wieder lieb haben” laut, angekommen ist jener allerdings nicht – denn unzählige Menschen auf Facebook konnten “kotzen”, sahen darin eine “vertane Chance für die Zukunft des Landes” und posteten diverse Memes, die den VdB-Wählern dazu gratulierten TTIP, einen Zentralstaat Europa und eine weiterhin schrankenlose Welcome-Politik gewählt zu haben.
Aus dem anderen Lager wurde einerseits gefeiert, anderseits weiterhin darauf gepocht, dass es im Land immer noch “50% Trotteln” oder “Nazischweine” oder “rechte Vollidioten” und dergleichen gäbe. Hämische Verspottung des knappen Wahlverlierers war ebenfalls vielfach im Netz zu finden.

Auch internationale Reaktionen waren geprägt von großer Erleichterung – gerade aus Deutschland kamen Wortmeldungen wie “Österreich sei haarscharf an einem deutlichen Rechtsruck vorbeigeschrammt” und so besorgte Fragestellungen wie “Ob nicht auch in Deutschland bald österreichische Verhältnisse herrschen könnten.”
Ich darf vielleicht daran erinnern, dass in Deutschland eine AfD in 8 Landesparlamente eingezogen ist, weitgehend mit zweistelligen Ergebnissen, in Sachsen Anhalt mit sogar 24,3%, wobei es hier anzumerken gilt, dass die AfD eine Partei ist, die die FPÖ deutlich rechts überholt. Dieser sorgenvoll bemutternde Blick Deutschlands auf Österreich über diesen gesamten Stichwahlkampf entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Viele sind sich aber einig, dass auf jeden Fall die Hetze verloren hat. Der Rassismus. Der Hass. Das Rechtsextreme.
Seltsamerweise habe ich irgendwie überhaupt nicht das Gefühl, dass der Hass verloren hat. Oder die Hetze. Nein, eigentlich ganz im Gegenteil. Was glauben Sie, warum alle dauernd von “tiefen Gräben” in unserem Land sprechen?
Weil die Linke sich so friedlich, entspannt und tolerant präsentiert hat in diesem Wahlkampf? Und damit meine ich gar nicht alleine die Partei und die Funktionäre und die aktiven Unterstützer der VdB-Fraktion, sondern auch die Wähler, die Anhänger. Hatten Sie das Gefühl, dass da von überzeugten VdB-Wählern viel Toleranz ausgestrahlt wurde? Ehrliche Weltoffenheit?

Ich erinnere mich an jede Menge Hass, Hetze und Beschimpfungen gegen jeden der auch nur in Erwägung zog einem Norbert Hofer die Stimme zu geben. Wüste Beschimpfungen gegen politisch Andersdenkende, furchtbare Horrorszenarien darüber, wie das dritte Reich wieder auferstehen würde – das alles fällt unter Angst- & Panikmache, Hetze und Hass.
Auch von der Partei wurde das natürlich zu einem großen Teil betrieben, wenn man daran denkt, wie oft versucht wurde, Hofer zu unterstellen, er wäre Mitglied einer Burschenschaft, die statuell Österreich nicht als Nation anerkenne. So schwachsinnig das jedem vernunftbegabten Menschen auch offensichtlich erschien, so sehr funktionierte es bei der eigenen Stammklientel. Da wurde gegeifert “und wieder ein Beweis, wie Nazi die eigentlich sind!”. Erbärmlich.

Nein, ich sehe, dass Hass und Hetze perfekt funktionieren, nach wie vor – und das an beiden Enden des politischen Spektrums.

Übrig geblieben ist für mich die Stimmung: “Guat is gangen, nix is g’scheh’n.” – denn ein Alexander Van der Bellen wird original genau gar nichts machen. Nicht einmischen, nicht viel Aufsehen erregen, brav vor sich hin verdienen und Auftritte absolvieren.
Ja, eh, was soll er auch anderes machen?
Oh, achja… eine neue, demokratisch legitimierte Regierung nur dann angeloben, wenn sie ihm persönlich zu Gesicht steht.
Na dann… haben wir zumindest bis, spätestens, 2018 Ruhe.
Dann werden wir sehen, wie das Amtsverständnis eines Herrn Van der Bellen tatsächlich aussieht.

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Die Kern-Schmelze

Bei der Pressekonferenz, wo die SPÖ zeigen wollte, wie sie in die Zukunft kommt, hat sie in Wahrheit das Ausmaß ihrer schieren Panik und Verzweiflung offenbart.
Witzig ist, dass es ja jede Menge positiver erster Reaktionen auf Kern gab. Sympathisch ist er ja. Ein netter Kerl. Hat eine House-of-Cards-Referenz eingebaut, die ich auch sehr witzig fand.
Aber wenn man ganz genau zugehört hat, ist einem etwas ganz anderes aufgefallen. Eine Analyse der sinngemäßen und zusammengefassten Kern-Aussagen von gestern. (ich lass es jetzt dann auch gut sein mit den Kern-Wortspielen, versprochen)

Christian Kern auf die Frage, wie die SPÖ in Zukunft mit der FPÖ umgehen wird:
Wir müssen einen Kriterienkatalog erstellen (…) alles genau ansehen und prüfen (…) klar ist, nicht mit Parteien, die gegen Menschen oder Minderheiten hetzen (…).
Wow. Keinen Tag im Amt und gleich wieder das klassische, so sensationell erprobte, also als Wahrwerbung für die FPÖ erprobte, strikte Ausgrenzungsprinzip der Blauen. Na bumm, ein großer Wurf.

Christian Kern auf die Frage, wie man jetzt mit der Flüchtlingskrise, dem derzeit, und wahrscheinlich auch in den nächsten Monaten und Jahren brennendsten Thema der Republik, umgehen will:
Wir bei der ÖBB haben das mit zweierlei Zugängen geregelt (…), Menschlichkeit oberstes Gebot (…) gleichzeitig gewährleisten, dass Österreicher rechtzeitig zur Arbeit kommen (ernsthaft?! Mit der ÖBB?! Na wenigstens besitzt er Selbstironie) und das Gleiche gilt auch generell: Die Menschlichkeit zu wahren ist uns natürlich ein oberstes Gebot, aber auch das Bedürfnis nach Sicherheit und Ordnung der Menschen ernst zu nehmen.
Ziemlich genau original und 1:1 das selbe Wischiwaschi, das wir uns jetzt eigentlich seit Beginn der Flüchtlingskrise anhören. Konzepte müsse man da auch noch erarbeiten. Manchmal hat man das Gefühl, die SPÖ kommt direkt aus der Waldorf-Schule und bildet, wenn der Dachstuhl und der erste Stock des Hauses brennt, erst einmal einen Arbeitskreis mit Buntstiften und Ölkreide und zeichnet ihre ersten Ideen als Mandalas auf. Kern malt scheinbar brav mit.

Christian Kern auf die Frage, was die Pläne in puncto Arbeitslosigkeitskrise seien:
Ich bitte um Nachsicht, ich bereite mich auf diesen Job seit Freitag vor (…) ich will mich nicht hierherstellen und behaupten, ich könne über Wasser gehen und wüsste alles besser (…) aber das werden wir uns natürlich anschauen.
Da war für mich der erste Paukenschlag. Zugegeben, dass er sich seit Freitag darauf vorbereitet kam erst später, aber ich habe es hier dazugezogen, weil er es sinngemäß ebenfalls angedeutet hat und es hier perfekt passt.
Paukenschlag deshalb, weil in diesem Augenblick klar wurde, dass hier ein Mann steht, der durchaus sympathisch ist, der einen netten und amikalen Eindruck vermittelt, der sich bestimmt auch gut auf Wahlplakaten und Pressefotos macht, aber der in Wahrheit mit Null Konzept, Null Ahnung und Null Masterplan von heute auf morgen, ohne jegliche, ich möchte das bitte noch einmal betonen, ohne jegliche Legitimation durch einen einzigen Wähler, die Führung unseres Landes übernommen hat.
Das zeigt, in welchem absolut panischen und überstürzten Verfahren die SPÖ hier eine Entscheidung getroffen hat, um… ja, um was eigentlich?

Warum hat die SPÖ Christian Kern an ihre und die Spitze unseres Landes gesetzt? Weil er seit Jahren politisch aktiv ist und immer wieder mit genialen Konzepten oder originellen und zielorientierten Lösungsvorschlägen zu den unterschiedlichsten staatstragenden Problemen aufgefallen ist? Weil er zur Parteispitze ging und ihnen ein vorbereitetes Konzept präsentiert hat, mit dem er Österreich aus der Krise führen will?
Nein, aus derartigen oder ähnlichen Gründen nicht. Während der Pressekonferenz habe ich mir dann selbst im vollen Ernst und ohne Sarkasmus die Frage gestellt, warum die SPÖ jetzt genau diesen Mann gewählt hat, der in der gesamten Pressekonferenz keine einzig klare, lösungsorientierte Antwort geben konnte, außer als es darum ging, welche neuen Posten er besetzt hat. Ganz was Neues, man kümmert sich in der SPÖ einmal primär und zu allererst um Postenschacher. I’m shocked.
Witzigerweise gab dann Christian Kern aber selbst unabsichtlich die Antwort auf die Frage, für welche Aufgabe er eigentlich geholt wurde.

Christian Kern auf mehrere Fragen wie Parteispaltung, nocheinmal FPÖ und Gräben innerhalb der Partei:
Ich bin dazu angetreten, um die SPÖ zu einen (…) damit wir erste Kraft im Land bleiben (…) und damit wir die breite Masse ansprechen.
Zack, Paukenschlag Nummer zwei, so laut, dass mir noch immer die Ohren sausen. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen.
Die SPÖ hat niemanden geholt, der das Land aus der Krise führen kann, oder der die Probleme des Landes lösen kann.
Nein, sie haben jemanden geholt, der die Probleme der Partei lösen kann. Jemanden, der dort Ansehen hat und wahrscheinlich mit allen recht gut kann und der dort in alle Richtungen positive Signale aussendet, damit man nicht als Nachfolger der Grünen in puncto innerer Zerrissen- und Zerstrittenheit in die Geschichte eingeht.
Sie haben einen Manager geholt. Einen, der ein großes Team leiten kann. Der ein Unternehmen leiten kann, das Kohle machen muss und dafür funktionieren muss. Einen Parteimanager haben sie geholt. Und sonst nichts.

Das fatale daran, abgesehen davon, dass mir das selbst nicht schneller klar war? Die SPÖ sieht all ihre Probleme offenbar als PR und Marketingproblem. Seit Tagen, Wochen und Monaten hört man von der SPÖ “Wir erreichen die Menschen scheinbar nicht mehr” oder “Wir hatten Schwierigkeiten, unsere Botschaften anzubringen” und alle möglichen und unmöglichen Aus- und Weiterformulierungen derartiger Floskeln.
Ich sage Ihnen das jetzt ganz ehrlich, aber ich war wirklich schockiert in diesem Augenblick, als mir Folgendes klar wurde:
Die SPÖ hat noch immer nicht realisiert, dass die Menschen nicht gegen ihre Botschaften protestwählen, sondern gegen ihre Arbeit.

Sie hat offenbar nicht mitbekommen oder verstanden, dass sie an den Menschen nicht vorbeiredet, sondern vorbeiarbeitet. Vorbeiagiert. Dass sie niemanden mehr mit ihrer Politik, wenn man es so nennen kann, abholen können. Dass die Bevölkerung nicht mit der Partei unzufrieden ist, sondern mit dem, was sie leistet, oder eben auch nicht zu leisten im Stande ist.
Und sie haben also jetzt einen Parteimanager geholt, der dazu antritt, um die Partei zu einen und in die Zukunft zu führen und weiterhin auf dem ersten Platz zu halten, indem die Botschaften besser an die Menschen vermittelt werden.

In der Situation, in der sich das Land und die SPÖ befindet, führt diese Entscheidung, ja, unweigerlich, zur Kern-Schmelze. (pardon)

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Der rote Tod, das blaue Wunder und das Ende Österreichs

Die Regierung ist am Ende, die Sozialdemokratie ist tot und die EU liegt im Sterben. Spätestens 2018 wird Strache Kanzler, 2020 wird er Präsident im neu zusammengelegten Superamt aus Regierungschef und Präsident, wofür ihm Hofer den Weg ebnet und 2021 wird Österreich der EU ein unerfüllbares Ultimatum stellen, was Strache für eine Volksabstimmung nutzen wird, um die ohnehin nur noch lose existente EU zu verlassen und Österreich nach Schweizer Modell umzugestalten, nur ohne dessen finanzielle und wirtschaftliche Mittel und Möglichkeiten – sodass Österreich in die substanziellste Staatskrise der zweiten Republik schlittern wird.

Doch der Reihe nach – beginnen wir mit den Ereignissen des heutigen Tages:
Werner Faymann ist zurückgetreten. Nicht aufgrund einer der zahlreichen Krisen, in denen er zielsicher jedesmal gegen die Wand gefahren ist (Banken, Griechen, Flüchtlinge), sondern aufgrund parteiinterner Reibereien. Ganz in österreichischer Manier, erst kommt einmal die Parteipolitik, die nächste Wahl, das eigene Gretzel, die eigene Macht, dann kommt lang nix, dann die Posten der Freunde… und dann, irgendwann… vielleicht auch Österreich.

Gut, ganz so ist es natürlich nicht – die internen Reibereien gab es natürlich schon aufgrund der aktuellen Flüchtlingskrise und den daraus resultierenden Problemen und innerparteilichen Unstimmigkeiten. Und natürlich auch aufgrund der Bundespräsidentschaftswahlen und dem unterirdischen Abschneidens des sozialdemokratischen Kandidaten, dem seine Nominierung so wurscht war, wie seine Niederlage – wobei auch dieses Abschneiden, nach einhelliger Meinung aller Politbeobachter, als klare Absage an die derzeitige Regierung und ihre nicht existente Arbeit gewertet werden muss.

Situation also: Die SPÖ ist führungslos. Ein dauerbesoffener Schwerstalkoholiker, der in seiner eigenen Stadt eine Wahlniederlage nach der anderen einstecken musste, übernimmt interimistisch. Das sagt eigentlich schon alles über den Zustand der Sozialdemokratie in Österreich.

In allen bisherigen Umfragen führt die FPÖ in theoretischen Nationalratswahlen mit gewaltigem Vorsprung. Auch der nächste Bundespräsident wird Norbert Hofer heißen, daran besteht in Wahrheit kein Zweifel.
SPÖ und ÖVP sind nur noch ehemalige Großparteien, ihr Hauptproblem: Sie haben niemanden, der sie aus ihrer Krise führen kann.

Die SPÖ hat kein einziges junges Gesicht, keine einzige Zukunftshoffnung für die kommende Wahl oder auch nur die 2 Jahre bis dahin, sollte es so lange dauern.
Schieder?! Profilloser Parteisoldat. Keine Option. Viele schreiben von der Wahl zwischen Christian Kern und Gerhard Zeiler.
Sollte es der ÖBB-Chef Kern werden, macht er es seinem Unternehmen gleich – und kommt zu spät. Gerhard Zeiler als ehemaliger ORF-Intendant wird ein gleiches Schicksal wie Mitten im 8. blühen – jede Menge Kohle und keine Aussicht auf Erfolg.
Warum? Beide kommen aus dem, dem absoluten Großteil der Bevölkerung inzwischen so abgrundtief verhassten, roten Sumpf, der so symptomatisch für die sozialdemokratische Mafia geworden ist. Das ist auch genau das Problem der SPÖ: Sogar wenn sie nach außen hin behaupten, neue Kandidaten nicht nur aus den eigenen Gremien holen zu wollen, greifen sie, entsprechend ihrer völlig überholten und verkommenen Strukturen, zu Genossen aus der eigenen Sumpflandschaft. Wirklich Neues – Fehlanzeige.
Eine Partei, die seit Jahren an der Bevölkerung und auch und vor allem der eigenen Wählerschaft vorbeiredet und -regiert und die so mit ihrem Machterhalt und der Aufrechterhaltung und Auffettung der eigenen Strukturen beschäftigt war und ist, dass es ohnehin nur eine Frage der Zeit war, bis sie zu einem kläglichen Abklatsch ihrer selbst wurde. Die Zeit ist um.

Die ÖVP wird mit Sebastian Kurz, sollte er nicht abspringen und in die Wirtschaft wechseln, zumindest den zweiten Platz bei den nächsten Wahlen ergattern können und damit zum Juniorpartner der FPÖ ohne Option, einen Schüssel zu bauen und sich erpresserisch den Kanzler zu holen, denn die ÖVP wird 2018 nicht die einzige Koalitionsoption der FPÖ sein, wie wir in den öffentlich geführten Parteistreitigkeiten der SPÖ gelernt haben.

Doch egal wer oder wie, der Niedergang von Rot und Schwarz ist besiegelt, das erkennt jeder mit einem halbwegs intakten Verstand. Die blaue Machtgewinnung ist unaufhaltsam, dafür haben eben jene beiden Regierungsparteien, fleißig unterstützt von den Grünen, eifrigst mit ihrer gnadenlosen Realitätsverweigerung, Schönrednerei und der ewigen Ausgrenzung der FPÖ, gesorgt.

Das eingangs beschriebene Szenario mag vll nicht 1:1 so eintreffen, klar, ich bin ja auch kein Hellseher – doch dass es diese Richtung und Gangart sein wird, darüber besteht kein Zweifel.
Ja, vll lässt Strache die Ämter Kanzler und Präsident getrennt – es wird ihm herzlich egal sein, wenn das höchste Amt im Staat sein enger Vertrauter Hofer bekleidet. Aber der Rest? Raus aus der EU? Garantiert. Und das wird der Bevölkerung in den nächsten Jahren leichter denn je zu verkaufen sein, wenn sich diese Institution mangels Machtkompetenzen und Handlungsfähigkeit weiterhin so ad absurdum führt, wie in den letzten Jahren.

Die einzige Hoffnung – neue politische Kräfte wie eine Irmgars Griss oder die NEOS. Doch dass die Bevölkerung dafür noch nicht bereit ist, haben wir gesehen. Ob sie das schnell genug wird und ob es bis 2018 genug ernstzunehmende, sinnvolle Alternativen gibt? Oder ob jene Alternativen überhaupt bis 2018 Zeit haben, sich zu formieren? Mehr als fraglich.

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Trump, Van der Bellen & Hofer

Donald Trump ist also jetzt offiziell der Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Sollte er, wie es aller Voraussicht nach aussieht, gegen Hillary Clinton antreten, hat er auch massiv hohe Chancen, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Dem mächtigsten Land der Erde. Etwas, dass jeder vernunftbegabte Europäer für eine amüsante Scherzvorstellung gehalten hatte, scheint quasi Realität zu werden.

Warum er so hohe Chancen gegen Clinton hätte? Weil er die Arbeiterklasse mit scheinbar simplen, populistischen Lösungen anspricht, was Clinton nicht tut. Sie wirkt abgehoben, sie ist zu stark mit Sponsoren belastet und sie ist das Establishment, gegen das auch in den USA eine breite Ablehnung herrscht.
Man kann wahrlich nur hoffen, dass dennoch eine Mehrheit der Amerikaner feststellt, dass ein Donald Trump als Präsident eine brandgefährliche Sache wäre. Meine Aussage mag seltsam anmuten, wenn man sich die jüngsten Umfragen ansieht, bei denen Clinton einen knappen Vorsprung vor Trump in der gesamten Wählerschaft der USA hat.
Dann wiederum haben wir aber in den letzten Wochen eines gelernt: Meinungsumfragen sind weniger wert, als das Papier, auf dem sie gedruckt sind. Und der als weitgehend Intellektueller eingestufte Bernie Sanders? Er hätte in Umfragen fast 15% Vorsprung auf Trump. Doch der wird das Rennen wohl nicht mehr machen.

Gleichzeitig in Österreich? Ein Kampf zwischen Gut und Böse, wie es einige gerne hinstellen. Persönlich, halte ich es ja für einen Kampf Böse gegen ganz Böse, aber dazu gleich mehr.
Mit Umfragen hält man sich derzeit offenbar bewusst zurück – es gibt derzeit einfach quasi keine (bis auf eine 50/50-Einschätzung von “Österreich”, na gut) – aber die gefühlte Realität?

Sieht für mich so aus, dass die Realität zum Wahlhelfer Norbert Hofers wird. Denn wer im Moment die Zeitung aufschlägt, der liest einerseits täglich von neuen Vergewaltigungen und Gewalttaten von Asylwerbern, während zwei Seiten weiter steht: “Kriminalität geht zurück, nur die rechtsradikalen Delikte steigen an. Straftaten unter Flüchtlingen gesunken.”
Da tut man sich halt schon ein bissl schwer, das nachzuvollziehen – vor allem, wenn man bedenkt, dass aufgrund abgemildeter Suchtmittelgesetze beispielsweise die unzähligen Drogendealer rund um die Thaliastraße höchstens weggewiesen werden, wenn sich die Polizei überhaupt hinbemüht (habe mir extra ein Bild im Lokalaugenschein davon gemacht). Oder wenn man weiß, dass mit gesunken gemeint ist “pro Kopf” – wir haben so signifikant mehr Flüchtlinge, dass es zwar pro Kopf weniger Verbrechen gab, aber in absoluten Zahlen natürlich dramatisch mehr. Ob sich das dann immer noch so gut anfühlt?
Gleichzeitig gilt zu erwähnen, dass ein größerer Teil der als rechtsradikal eingestuften Strafhandlungen unter den Paragraph der “Verhetzung” fielen, was bedeutet: Jemand hat jemand anderen deshalb angezeigt, was im letzten Jahr recht beliebt geworden ist.

Wir beobachten hier das exakt gleiche Phänomen wie nach den ersten Monaten der Flüchtlingswelle. Überall wurde in den Medien von all den Akademikern, Ärzten, den fochqualifizierten Flüchtlingen berichtet, die quasi Wirtschaft, Land und Leben bereichern würden – natürlich blank erfunden, wie die Zahlen im Nachhinein gezeigt haben.
Jetzt legt man nach und behauptet quasi: Sinkende Zahlen bei Straftaten von Nicht-Österreichern und Asylwerbern, die große Gefahr geht von Rechts aus. Die Politik dankt es und benutzt jene Zahlen zur “Deeskalation”. Oder so.

Wozu führt das? Zu einem schnurstracks geraden Wahlsieg Norbert Hofers. Warum? Die Leute haben die Nase gestrichen voll von manipulativen Schlagzeilen und Berichten, die ihnen eine Realität vorgaukeln wollen, die sie so einfach nicht empfinden können.
Die meisten Wähler Norbert Hofers sind weder rechts, schon gar nicht rechtsradikal oder -extrem, sie halten nur einfach diese Realitätsverweigerung der restlichen Parteien und einiger Medien nicht mehr aus.
Einerseits immer größerer sozialer Druck durch kaum relevant steigende Reallöhne, die massiv gestiegenen Wohnungs- und Lebenserhaltungkosten gegenüberstehen. Anderseits massiver Druck am Arbeitsmarkt, durch die perverse Situation, dass wir die höchste Beschäftigtenzahl in Österreich haben und gleichzeitig die höchste Arbeitslosigkeit mit über 500.000 Menschen ohne Job, wo sich niemand auszusprechen traut, dass dafür ein massiver Arbeitskräftestrom aus dem Osten verantwortlich ist. Und dann natürlich die Realität, dass Österreich in der Flüchtlingskrise massive Fehler begangen hat und immer noch begeht und dass wir uns massive, massivste Probleme und ein auf keinen Fall zu unterschätzendes soziales Spannungspotential ins Land geholt haben.

Denn wenn man einem Van der Bellen heute zuhört, hat man immer noch nicht das Gefühl, dass er in der Realität angekommen ist, was das Thema Flüchtlinge anbelangt. Obergrenzen? Darf es nicht geben. Registrieren ja, aber ansonsten muss jeder kommen können, der das will. Darf nicht in Frage gestellt werden. Alles zu bewältigen. Notstandsgesetz der Regierung ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit.
Und damit macht er sich für ganz viele Leute unwählbar.

Der, der jetzt noch da steht und, quasi, meint “Wir schaffen das”, dem ist absolut nicht mehr zu helfen.
Der betreibt dann quasi Wahlwerbung für einen Kandidaten, der das einzige Hoffnungsinstrument unseres Landes und des gesamten Kontinents in Frage stellt, nämlich die EU. Der das generalle Tragen von Kopftüchern verbieten will (Wenn man am Land in Österreich unterwegs ist, sieht man Kopftücher zu Hauf. Auf den Köpfen älterer Damen. Aus Österreich.). Der Ausländern Sozialleistungen massiv kürzen und dem AMS gleichzeitig verbieten will, ihnen Jobs zu vermitteln (Das ist ja, nebenbei, die dümmste Forderungskombination in der Geschichte der Menschheit – was ist dann ihre Option?).

So läuft es also darauf hinaus, dass in den USA womöglich ein Donald Trump Präsident wird, der eine fette Mauer um sein Land bauen will, alle Mexikaner des Landes verweisen will, Muslimen generell die Einreise verbieten will und noch so vieles Abartiges mehr. Und in Österreich einer, der vielleicht nur ein Steigbügelhalter für die Zusammenlegung der Posten Kanzler und Präsident zum Superamt für einen Heinz Christian Strache 2018 ist.

Das sind keine guten Zeiten.

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