Warum bei dieser Wahl das Nichtwählen in Ordnung ist

Weil das jetzt so viele teilen – ich muss Michael Niavarani leider widersprechen.

Sinngemäß propagiert er “Wenn man nicht wählen geht, ist man in jedem Fall enttäuscht – weil es einer von beiden wird. Wenn man wählen geht und das geringere Übel wählt, ist man nicht enttäuscht, weil das geringere Übel gewonnen hat.”

Jetzt mal abgesehen davon, dass man genauso enttäuscht werden könnte, wenn man das für sich geringere Übel wählt – nämlich wenn der andere gewinnt – ist diese Aussage, für mich, schlichtweg falsch.

 

Wenn man beide Kandidaten, für sich, als absolut unwählbar einstuft, was bei einem Rechtsaußen- und einem Linksaußen-Populisten nicht allzu schwer ist, ist man definitiv enttäuscht, wenn man “das kleinere Übel” wählt, weil man Positionen und eine Haltung unterstützt hat, die man als unvereinbar mit der eigenen Haltung und Meinung definiert hat. Eine unmögliche Aufforderung! Seine eigenen Überzeugungen und Werte zu verraten für ein, vermeintlich, geringeres Übel – wenn das nicht enttäuscht, was dann?

 

Durch das Nichtwählen wird man nicht enttäuschter, als man es ohnehin schon über den Umstand ist, dass letzten Endes nur noch diese beiden Kandidaten zur Wahl stehen und man weiß, dass einer der beiden der nächste Präsident dieses Landes wird. Das Nichtwählen zeigt, dass man zumindest seine eigenen Prinzipien nicht verrät und weder einen rechten Hetzer noch einen linken Realitätsverweigerer unterstützt.

Hofer, der nur noch von Radikalislamismus schwadroniert und das, ja vorhandene, Problem der Radikalisierung und des Islamismus’ in apokalyptische Höhen redet, verallgemeinernde Unterstellungen gegenüber ganzen Volksgruppen tätig (kein Muslime arbeitet in der Pflege) und der einem Trump und Putin brav die Hände reichen will – so jemanden kann ich unmöglich unterstützen.

Van der Bellen, der nach wie vor davon schwadroniert, dass es bei den Flüchtlingenströmen der letzten Jahre ja immer um Menschen geht, die vor Krieg flüchten, die uns bereichern und dass es die Pflicht Europas sei, jene Menschen aufzunehmen – völlig ignorant gegenüber der Zahlen und Fakten der letzten Monate und Jahre, wo wir definitiv und klar wissen, dass bei weitem nicht nur Kriegsflüchtlinge gekommen sind und dass sehr viele von ihnen schlecht bis gar nicht gebildet und kaum in unseren Arbeitsmarkt integrierbar sind – der Angela Merkels “Wir schaffen das”, die ja die letzten drei großen Krisen Europas (Banken, Griechenland und Flüchtlinge) federführend zu handfesten Katastrophen gemacht hat, immer noch als gut und richtig bezeichnet und der immer noch darauf beharrt, dass er ein demokratisches Wahlergebnis, das ihm nicht gefiele, quasi zu über- oder umgehen versuchen würde – so jemanden kann ich genauso unmöglich unterstützen.

Ganz im Gegenteil ist man nicht sogar wesentlich enttäuschter, wenn man von zwei unwählbaren Kandidaten einen wählt und dann, die nächsten 6 Jahre, bei jeder persönlich unvereinbaren Aussage dieses Menschen daran denken muss, dass man den auch noch unterstützt hat?
So erging es nämlich mir selbst seit der ersten Stichwahl im Mai – wo ich mich dazu verleiten habe lassen, meine Stimme Van der Bellen zu geben. Bei jedem Satz, der zutiefst gegen meine persönliche Überzeugungen ging, den er seither von sich gegeben hat, hat es mich tief in der Magengrube eingekrampft, weil ich mir jedesmal dachte: “Und so jemanden hast du unterstützt.”

Ja, wir sind in der glücklichen Lage, wählen zu dürfen – aber das heißt nicht, dass man, bei einem solchen Angebot, wählen muss.

Viel eher heißt das, dass vielleicht unser Wahlmodus überdacht werden sollte – zum Beispiel die Einführung einer Wahlmöglichkeit “Das politische Angebot ist mit meinen Überzeugungen unvereinbar” und solange dieser Posten mehr als 3% oder 5% hat, muss neu gewählt werden, bis die Parteien ihre Programme so angepasst und weiterentwickelt haben, dass genügend Menschen sich repräsentiert fühlen.
Wer in so einem Fall nicht zur Wahl ginge, ja, den könnte man definitiv verurteilen. Aber in der jetzigen Situation, wo man sich aussuchen darf, ob man das links- oder rechtspopulistische Lager unterstützt, ist das Nichtwählen vielleicht das beste Statement gegen eine derartige Form der Politik und des Populismus.

Wenn ich bei dieser Wahl nicht wähle, dann sage ich nein zu diesen beiden politischen Lagern, nein zu diesen beiden Personen und nein zu dieser Spaltung und Polarisierung des Landes und unserer Gesellschaft.
Wenn man all das ablehnt, dann bleibt einem diesmal leider, buchstäblich, keine Wahl.

[Update – aufgrund einiger Kommentare von Lesern ändere ich von Nichtwählen auf Weißwählen um, da diese Handlung das Potenzial zur Zeichensetzung hätte, würden es denn genug Leute machen!]

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