Die Tragödie Aleppos

Aleppo ist also von Assad erobert worden – zahlreiche Zivilisten haben ihr Leben verloren und werden es noch. Nicht aber erst seit gestern, nein, seit etlichen Monaten.

Doch die Tragödie vor Ort ist nicht die Einzige, wenngleich es natürlich die entsetztlichste ist, die sich dabei abspielt – aber auch bei uns im Land kommt es zu tragischen Szenen, wenn auch nicht humanitär, sondern politischer und intellektueller Natur.

Denn von einigen wird das Drama Aleppos jetzt für ein Revival der “Refugees Welcome”-Politik medial ausgeschlachtet, weil man da ja bedingungs- und diskussionslos helfen müsse – bei solchen Bildern gibt es keine Frage, ob man helfe oder nicht.

Absolut richtig, keine Frage – aber es ist sehr wohl die Frage, wie man hilft! Ist es wirklich hilfreich, wenn man diese Menschen nach den Gräueln des Krieges auch noch eine tausende Kilometer lange Flucht mit großen Gefahren und Risiken durchlaufen lässt? Mit ungewissem Ausgang? Ohne Aussicht auf erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt oder die Gesellschaft des Ziellandes?

Wäre es nicht wesentlich hilfreicher gewesen, schon vor Monaten oder gar Jahren in diesen grauenhaften Krieg eines Machthabers gegen seine eigene Bevölkerung einzugreifen und dem Abschlachten Einhalt zu gebieten?! Um Frieden in der Region herbeizuführen und für einen geordneten Übergang zu Wahlen zu sorgen, sodass die Menschen dort in ihrer Heimat bleiben können und ihre eigene und die Zukunft ihres Landes selbst mitgestalten können?
So als eine theoretische Supermacht zum Beispiel, mit dem vereint zweitgrößten Militär des Planeten und mit dem großen Ziel der Freiheit und der Menschlichkeit? Also als EU zum Beispiel?

Nein, da überlässt man es lieber Russland und Putin sich auf die Seite Assads zu stellen und für ihn per Luftangriff die eigene Bevölkerung niederzumetzeln und überlässt es den USA die Rebellen mit Waffen zu versorgen. Ein weiteres von immer mehr Beispielen, bei dem sich die EU ad absurdum führt und zu einer absolut lächerlichen Institution degradiert, die so tatkräftig ist, wie ein Kieselstein im Wachkoma.

Abgesehen davon werden natürlich jegliche Integrationsprobleme und Parallelgesellschaften, die es ohnehin schon gibt, ignoriert, wird die heraklische Aufgabe einer erfolgreichen Integration in unsere Gesellschaft heruntergespielt auf ein “einfach Bildung und Kurse anbieten”-Credo, dessen reale Erfolgsaussichten und Kosten dezent übergangen werden, genausowenig wie brandaktuelle Entwicklungen wie im Biber beschrieben, Stichwort: Generation Haram, also ein Einzug des islamischen Maßes an Lebensge- und -verboten in die muslimischen Communities an Brennpunktschulen in Wien, auch nur irgendwie aufgegriffen oder behandelt werden.
Nein, da zeigt sich ein Kanzler Kern beim Bürgerforum im ORF lieber tief brüskiert und schockiert beim Thema Flüchtlingsströme und Flüchtlingspolitik und meint “Da fehlen ihm an einem solchen Tag, wo Zivilisten abgeschlachtet werden, die Worte”, was bei einigen Wählern sicher emotional sehr schön ankommen mag, aber mit Realpolitik absolut nichts zu tun hat. Klassischer Populismus eben.

Ganz im Gegenteil, jegliches vorhandene Problem wird gekonnt heruntergespielt, übergangen oder ignoriert, weil man mit der links populären Stimmungsmache für Flüchtlingsaufnahme beschäftigt ist und die Problemthemen lieber den Rechtspopulisten überlässt, die einen von oe24 entstellten Artikel teilen und von Islamisierung schwafeln und davon, dass “jetzt schon muslimische Kinder unseren einheimischen Kindern die Scharia aufzwingen!”.

Es ist so frustrierend, nach einem Jahr Wahlkampf der beiden außen liegenden Lager, des links- und des rechtspopulistischen Extrems, ist scheinbar keine Seite schlauer geworden. Die einen drücken weiterhin auf die Tränendrüse, wollen aber gleichzeitig von tatsächlich sinnvollen Hilfsmaßnahmen nichts wissen, sondern bleiben bei der völlig verfehlten “Wir nehmen alle auf, das ist unsere Pflicht, denn wir sind so reich und uns geht’s so gut, wir haben für alle genug”-Politik, während die anderen auf die Angst vor und den Hass gegen Fremdem/-s spielen und vorhandene, reale Probleme als einzige ansprechen, dann aber dramatisieren, verzerren und so inszenieren, dass die Wut und der  Zorn in der Bevölkerung aufkocht.

Je mehr man das tagespolitische Geschehen verfolgt, umso schwieriger wird es, seiner nicht überdrüssig zu werden.

Oft denke ich darüber nach, statt mich ewig nur über die aktuell regierenden und bestimmenden politischen Kräfte zu echauffieren, eine eigene politische Bewegung zu gründen – aber wenn ich mir dann ansehe, wie sensationell der Populismus funktioniert und wie wenig Bereitschaft in der Bevölkerung für sinnvollen, konstruktiven Konkurs besteht, stelle ich mir rasch die Frage, ob eine rationale, objektive, langfristig ziel- und ergebnisorientierte Bewegung überhaupt auch nur den Funken einer Chance hätte, in dieser politischen und gesellschaftlichen Landschaft Gehör zu finden.

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